EU-Parlament lehnt Ampelregelung ab

16. Juni 2010, 15:49
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Die Herkunft von Fleisch, Obst und Gemüse soll aber für Konsumenten in Zukunft besser nachvollziehbar sein

Strassburg - Eine konsumentenfreundliche Nährwertkennzeichnung in Form einer farblichen Ernährungsampel, aufgedruckt auf der Vorderseite eines Produkts sollte in Farbe über Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz informieren: Rot für viel, gelb für moderat und grün für wenig. Das war die Idee hinter der Ampelkennzeichnung, die nun doch nicht kommt. Verworfen wurde sie vor allem von Konservativen. Die Einteilung der Kennzeichnung in drei Farben hätte nur zu Verwirrung geführt. Gewehrt hatte sich gegen diese Art der Kennzeichnung auch die Lebensmittelindustrie, aber auch der federführenden Umweltausschuss des EU-Parlaments sprachen sich in einer ersten Abstimmung dagegen aus.

Das EU-Parlament hat selbige heute abgelehnt. Angenommen wurde stattdessen eine Regelung, wonach für jedes Produkt der jeweilige Anteil am täglichen durchschnittlichen Zucker-, Salz- oder Fettbedarf in Prozent ausgewiesen werden soll. Sollten zwei der Werte eine bestimmte Grenze überschreiten, dürfe das Lebensmittelprodukt nicht mehr als gesundheitsbezogen beworben werden.

Allerdings gibt es bis dato die konkreten Nährwertprofil-Daten noch nicht. Diese muss die EU-Kommission bis Ende 2011 vorlegen. Das bedeutet, es gibt zwar einen Raster, aber noch keine Werte dazu. Nach der Umsetzung könnte jedenfalls einer übertriebenen Werbung für ein Produkt ein Riegel vorgeschoben werden, denn die Unternehmen müssten ihre Behauptungen durch Studien auch nachweisen. Also wenn beispielsweise ein Lebensmittel angeblich eine Intelligenzsteigerung bewirkt, eine Erhöhung der Vitalität oder eine Förderung der Verdauung, dürfe dabei nicht das Blaue vom Himmel versprochen werden.

Ursprungskennzeichnung kommt

Von der Nahrungsmittelkennzeichnung ausgenommen sind alkoholische Produkte. Das EU-Parlament stimmte auch der Einführung einer Ursprungskennzeichnung zu. So soll auf Fleischprodukte sowie bei Obst und Gemüse das Herkunftsland enthalten sein. Bei Fleisch selbst ist auch vorgesehen, dass das Alter des Tieres und der Schlachtungsort ausgewiesen werden.

Probleme gibt es laut ÖVP-Europaabgeordnetem Richard Seeber generell bei der wissenschaftlichen Bewertung der Daten. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA habe den Auftrag erhalten, die wissenschaftlichen Grundlagen zu erarbeiten, wie man Konsumenten richtig informieren könne, damit man wisse, was in einem Produkt tatsächlich enthalten sei. Allerdings habe die EFSA darauf verwiesen, dass die Ernährungsgewohnheiten der Menschen unterschiedlich seien. Außerdem gebe es zahlreiche widersprüchliche Aussagen von Ernährungswissenschaftern gerade in diesem Bereich, abgesehen davon, dass man möglichst variantenreich essen und viel Obst und Gemüse zu sich nehmen sollte.

SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach zeigte sich erfreut, dass das EU-Parlament auf dem besten Weg sei, eine bessere Lebensmittelkennzeichnung durchzusetzen. Dies sei ein wichtiger Schritt für den mündigen Verbraucher. (APA/red)

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    Das EU-Parlament stimmte der Einführung einer Ursprungskennzeichnung zu. So soll auf Fleischprodukte sowie bei Obst und Gemüse das Herkunftsland enthalten sein.

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