Mann erdrosselt: Lebens­lang für Exfrau und Sohn

16. Juni 2010, 16:20
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Streit um das Haus war der Auslöser für eine Serie von Gewalttaten - Urteil nicht rechtskräftig

St. Pölten - Wegen des Mordes am Exmann bzw. Vater sind eine 67-jährige Frau und ihr Sohn am Mittwoch am Landesgericht St. Pölten zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der 42-jährige Sohn wurde in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Die Angeklagten haben gestanden, den 71-Jährigen am 21. Oktober 2009 in dessen Haus in Eichgraben im Bezirk St. Pölten erdrosselt zu haben. Als Motiv wurde Neid und Habgier festgestellt. Der Wahrspruch des Geschworenensenats ist einstimmig erfolgt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Die Verteidigung des 42-Jährigen und seiner Mutter meldete Berufung an.

Streit um das Haus

Der 71-Jährige hat nach der Scheidung im Einfamilienhaus in Eichgraben gewohnt, das offenbar alle wollten. "Die Angst war sein ständiger Begleiter", berichteten die neue Lebensgefährtin und die Nachbarin von Handgreiflichkeiten durch seine Ex-Familie, denen das Opfer seit der Scheidung ausgesetzt war. Vom gewaltsamen Eintauchen seines Kopfes in einen Teller mit Suppe bis zu einer Würgeattacke, nach der er gesundheitlich angeschlagen war. Mutter und Sohn hätten sogar den Carport mit einer mit Sand gefüllten Regentonne derart verbarrikadiert, dass der Mann nicht mehr darin parken konnte. "Aufgelebt" sei der Mann in dem dreiviertel Jahr, als ein Betretungsverbot für seinen Sohn verhängt wurde. Als "liebenswürdig und zuvorkommend, ruhig und gutmütig" beschrieben ihn seine Freundin der letzten Jahre seit der Scheidung und die Nachbarin. Sie verständigte auch die Polizei, nachdem sie seinen Schrei gehört hatte. Die Nachbarin erzählte auch, dass er unter der ständigen Bedrohung litt und sie vereinbart hatten, dass sie die Polizei rufen werde, falls er einmal um Hilfe schreie.

Unglückliche Ehe

"Herrschsüchtig, tyrannisch und gewalttätig" war der 71-Jährige aus Sicht seiner Exfrau und seines Sohnes. Die 67-Jährige schilderte Jahre des Leidens in einer schlechten Ehe. Warum sie dann 25 Jahre nach der Hochzeit in Eichgraben gemeinsam ein Haus als Alterssitz kauften, statt sich zu trennen, konnte die Angeklagte nicht schlüssig beantworten. Die Darstellung der Opferrolle der Beschuldigten verwies der beisitzende Richter, der der Frau ein hohes Maß an Selbstgerechtigkeit attestierte, ins Reich der Märchen.

Gerichtstermin wegen Körperverletzung

Nach der Scheidung kam es mehrmals zu Vorfällen mit Körperverletzung. Einen Tag vor dem Gerichtstermin wegen Körperverletzung und mehrerer und tätlicher Vorfälle, kam es dann zum Mord. Den 71-Jährigen umzubringen sei eine gemeinsame Idee gewesen, weil sie - vor der Strafrechtsverhandlung - "nicht ein noch aus gewusst" hätten, erklärte die Angeklagte. Der Sohn hatte "einen Schlussstrich setzen wollen". Wie sie sich beide danach gefühlt hatten, wollte das Gericht wissen. Er sei "einfach nur müde gewesen" - und irgendwie erleichtert, sagte der 42-Jährige. Er sei auch zornig gewesen, weil der Vater das Anwesen "heruntergewirtschaftet" habe. Beide gaben unmittelbar nach der Tat gegenüber der Polizei an, dass sie nichts bereuen würden - "von einem Tyrannen befreit", so die 67-Jährige.

Todeskampf habe Minuten gedauert

Staatsanwalt Karl Fischer hatte in seinem Schlussvortrag von einem "furchtbaren Verbrechen" gesprochen und eine sehr strenge Strafe gefordert. Er wies auf die "massive Tatbegehung" hin - der Todeskampf des 71-Jährigen habe Minuten gedauert.

Persönlichkeitsstörung

Der 42-jährige Sohn wurde bereits 2008 psychiatrisch begutachtet. Damals sprach er  schon von Suizid- und Mordgedanken. Gerichtspsychiater Werner Brosch sprach heute von einer schweren Persönlichkeitsstörung mit schizoiden narzisstischen Zügen. Beide Angeklagte hätten Persönlichkeitsprobleme dahingehend, dass sie in der ständigen Überzeugung lebten, man wolle ihnen Böses. Richterin Andrea Humer verwies in der Urteilsbegründung auf vorliegende Milderungsgründe wie die Geständnisse, wenn auch nicht reumütig. Erschwerend waren u.a. die Brutalität der Tatbegehung. Die Frau hatte dem Sohn geholfen, indem sie ihren Exmann niederdrückte.(APA)

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