Zwillingsteleskop sieht schärfer als Hubble

20. Juni 2010, 17:36
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Bodenteleskope holen gegenüber ihren "Kollegen" im Weltraum auf - Adaptive Optik macht's möglich

Heidelberg - Noch bis vor kurzer Zeit war die Bildschärfe erdgebundener Teleskope durch die Turbulenzen in der Erdatmosphäre massiv eingeschränkt. Solche Störungen, die unter anderem auch für das Funkeln der Sterne verantwortlich sind, "verschmieren" die Bilder von Sternen und Galaxien erheblich, wodurch das Weltraumteleskop Hubble sogar einem Riesenteleskop auf der Erde normalerweise deutlich überlegen ist.

Dank der Fortschritte in der Adaptiven Optik (AO), einer Technik zur Korrektur der atmosphärischen Störungen, wurde die Bildschärfe erdgebundener Teleskope in den letzten Jahren aber stetig verbessert, und mittlerweile lässt sich der Standort-Nachteil Erdoberfläche ausgleichen. Wie das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg meldet, ermöglicht ein neues AO-System dem Large Binocular Telesope (LBT) auf dem Mount Graham in Arizona eine Bildqualität im Nah-Infrarot, die diejenige von Hubble sogar übertrifft.

Praktischer Test

Das von US-amerikanischen, deutschen und italienischen Instituten betriebene LBT ist ein Zwillingsteleskop mit zwei Spiegeln von je 8,4 Metern Durchmesser. Bereits in ersten Tests des First Light Adaptive Optics (FLAO) genannten neuen Systems im Mai hatte das LBT gegenüber vergleichbaren Systemen die Nase vorn und erreichte eine Bildschärfe, die jene von Hubble um den Faktor Drei übertraf. Dabei wurde sogar nur einer der beiden Spiegel eingesetzt. Wenn das System schließlich an beiden großen Spiegeln läuft und perfekt kombiniert wird, erwartet man eine Bildschärfe, die jene von Hubble sogar um den Faktor 10 übertrifft.

"Dies ist eine unglaublich aufregende Zeit, denn mit dem AO-System erreichen wir unser Ziel, das LBT zum leistungsstärksten optischen Teleskop der Welt zu machen", sagt Richard Green, der Direktor des LBT. "Die erfolgreichen Ergebnisse zeigen, welches Potential in den nächsten Jahren im LBT steckt und dass die nächste Generation der Astronomie beginnt." Und Tom Herbst, verantwortlicher Wissenschaftler am MPIA für den Bau der Testkamera, ergänzt: "Das LBT befindet sich auf einem guten Weg, uns nach und nach völlig neue Einblicke in die Bildung von Planeten und Sternen oder die Entstehung der ersten Galaxien zu liefern." (red)

  • Zum Vergleich: Die Zentralregion des Kugelsternhaufens M92 bei einer Wellenlänge von 1.6 µm beobachtet - links durch Hubble, rechts durch das LBT.
    foto: lbt

    Zum Vergleich: Die Zentralregion des Kugelsternhaufens M92 bei einer Wellenlänge von 1.6 µm beobachtet - links durch Hubble, rechts durch das LBT.

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