In Erwartung des Unerwarteten

16. Juni 2010, 15:00
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Der Sieger steht praktisch schon im Achtelfinale. Dass das die Süd­amerikaner sein werden, scheint klar. Die Koreaner hoffen aber, dass zuweilen auch Unerwartetes geschieht

Johannesburg - Falsche Bescheidenheit kennen die Argentinier nicht. Angesichts der Besetzung und der Performance im ersten Spiel gegen - immerhin - Nigeria wäre die wohl auch etwas zu outriert. Also sagt Carlos Tévez, der 26-jährige Stürmer, vor dem zweiten Match heute (13.30) gegen - immerhin - Südkorea, das die Griechen mit 2:0 sehenswert gestutzt hatte, ehrlicherweise Folgendes: "Mit einem Achtel-, Viertel- oder Halbfinale dürfen wir nicht zufrieden sein. Es gibt nur einen Weg, um nicht kritisiert zu werden: Wir müssen den Titel holen." Ein Sieg gegen die Koreaner wäre jedenfalls schon die Miete fürs Achtelfinale. Er sollte auch ohne Juan Sebastián Verón gelingen, der an der Wade verletzt ist und sich so fühlt, "als hätte mich ein Rottweiler gebissen" .

Mag sein, dass der Gegner ein gutes Omen ist für Argentinien. 1986 in Mexiko standen einander die beiden heutigen Teamchefs, Diego Maradona und Huh Jung-moo, gegenüber, Letzterer mit dem Spezialauftrag der strikten Maradona-Deckung. Dieser erinnert sich heute noch "sehr gut an Huh. Die Koreaner haben damals nicht Fußball, sondern Taekwondo gespielt" . Genützt hat es ihnen freilich wenig. Sie unterlagen in der Gruppenphase 1:3 und schieden aus, Argentinien wurde zum zweiten und vorläufig letzten Mal Weltmeister.

Was 1986 Maradona, ist 2010 wohl Lionel Messi - ein extra zu Bewachender. Es gilt daher als ausgemacht, dass Südkorea deutlich defensiver agiert als gegen Griechenland, auch wenn es wahrscheinlich keine so tischfußballartig gestaffelte Achterverteidigung sein wird, wie sie die nördlichen Nachbarn gegen Brasilien vorgeführt haben. Dass die Koreaner aber ihr Heil im Konter zu suchen haben, liegt auf der Hand. Dazu könnte der wieder gesunde Stürmer Lee Dong-guk sein Scherflein beitragen. Teamchef Huh wird diesbezüglich wohl ordentlich zur Vorsicht mahnen. Andererseits: "Wir dürfen nicht vor Angst erstarren, nur weil der Gegner Argentinien heißt. Wir können etwas schaffen."

Weil nämlich der Fußball Fußball und deshalb das Glück ein Vogerl ist. So weit ist Park Ji-sung, der gegen Griechenland das 2:0 erzielte, schon indoktriniert: "Bei allem Respekt vor den Argentiniern: Das Unerwartete kann immer passieren." (APA, wei, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag 17. Juni 2010)

 

 

Technische Daten und mögliche Aufstellungen zum Fußball-WM-Spiel zwischen Argentinien und Südkorea am Donnerstag: 

Gruppe B (2. Runde):

ARGENTINIEN - SÜDKOREA (13.30 Uhr, Johannesburg, Soccer-City-Stadion, SR De Bleeckere/Belgien)

Argentinien: 22 Romero - 2 Demichelis, 13 Samuel, 6 Heinze - 17 Gutierrez, 14 Mascherano, 8 Veron, 7 Di Maria - 10 Messi, 11 Tevez, 9 Higuain

Ersatz: 1 Pozo, 21 Andujar - 3 C. Rodrigiez, 5 Bolatti, 12 Garce, 15 Otamendi, 4 Burdisso, 20 M. Rodriguez, 23 Pastore, 19 Milito, 16 Aguero, 18 Palermo

Keine Ausfälle

Teamchef: Diego Maradona

Südkorea: 18 Jung Sung-Ryong - 22 Cha Du-Ri, 12 Lee Young-Pyo, 4 Cho Yong-Hyung, 14 Lee Jung-Soo - 8 Kim Jung-Woo, 16 Ki Sung-Yong, 7 Park Ji-Sung, 17 Lee Chung-Yong, 10 Park Chu-Young - 20 Lee Dong-Guk

Ersatz: 21 Kim Young-Kwang, 1 Lee Woon-Jae - 2 Oh Beom-Seok, 3 Kim Hyung-Il, 23 Kang Min-Soo, 15 Kim Dong-Jin, 13 Kim Jae-Sung, 6 Kim Bo-Kyung, 5 Kim Nam-Il, 11 Lee Seung-Ryul, 9 Ahn Jung-Hwan, 19 Yeom Ki-Hun

Keine Ausfälle

Teamchef: Huh Jung-Moo

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mario Adorf nach einem Facelifting.

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