Meinl Bank mit Gewinneinbruch

16. Juni 2010, 14:20
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Das Bankhaus litt unter Krise und Rechtsstreitigkeiten - Eigenkapitalquote wegen Ausschüttung drastisch gesunken

Wien - Die Meinl Bank, die über Zwischengesellschaften von Julius Meinl dem V. kontrolliert wird, musste im vergangenen Jahr einen dramatischen Ergebniseinbruch hinnehmen: Der Gewinn der Bank kollabierte auf 3,5 nach 209 Millionen Euro im Jahr davor. Im Konzern wurde ein Verlust von 35,5 Mio. Euro nach einem Plus von 139 Mio. Euro geschrieben, teilte das Institut am Mittwoch mit. Die Eigenkapitalquote brach auf 16 Prozent nach 42 Prozent Ende 2008 ein.

Laut einem durchgesickerten Bericht der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hatte die Bank im vergangenen Jahr 225 Mio. Euro als Sachdividende ausgeschüttet - gesetzeskonform und mit Genehmigung von Finanzmarktaufsicht und Finanzministerium abgesegnet, wie die Bank im April betont hatte. Heute verwies das Institut darauf, dass man mit 16 Prozent Eigenkapitalquote noch immer doppelt so gut mit Eigenmitteln ausgestattet sei wie vom Gesetzgeber verlangt werde.

Bankvorstand Peter Weinzierl führt die wirtschaftlichen Probleme 2009 auf die Wirtschaftskrise und die Tausenden Zivilklagen zurück, die im Zusammenhang mit der von der Bank gemanagten früheren Meinl European Mand (MEL) eingebracht worden sind. Trotz der "schwierigen Rahmenbedingungen" stehe man heute "eigenständig und auf stabilen Beinen da", erklärt Weinzierl in einer Aussendung - dies im Gegensatz zu großen heimischen Banken, "die "nur durch Milliarden Steuergeldern gerettet werden konnten".

Mehr Rückstellungen für Klagen

Von der Staatsanwaltschaft fühlt sich die Meinl Bank rechtswidrig behandelt und behauptet, dass die Kosten, die ihr daraus entstanden sind, mittlerweile jene Summe übersteigen, die Privatanleger von ihr selbst einlagen.

Die Bank hat ihre Rückstellungen für diese Klagen auf aktuell 60 Mio. Euro erhöht. Aktuell sind im Zusammenhang mit der MEL rund 2.000 Klagen gegen die Bank anhängig. Für die Zukunft erwartet Weinzierl wegen ablaufender Verjährungsfristen aus der MEL keine großen zusätzlichen Rechtsstreitigkeiten mehr. Die Bank selbst vertritt die Rechtsposition, dass sie selbst nur als Depotbank fungiert habe und die Investoren nicht beraten habe.

Bis Mitte 2008 hat die Bank die MEL gemanagt, über eine Firma der Gruppe waren auch MEL-Aktien vertrieben worden. Die skandalumwitterte, auf Handelsimmobilien in Osteuropa spezialisierte MEL musste Mitte 2008 an ein amerikanisch-israelisches Konsortium verkauft werden. Die ehemalige MEL heißt heute Atrium European Real Estate.

Der Privatbank, die lange mit Abflüssen von Geldern zu kämpfen hatte, ist es nach eigenem Bekunden gelungen gelungen, "im Bereich Vermögensverwaltung im Jahr 2009 die Kundenmandate zu stabilisieren". Auch beim Investmentfonds sei man zuversichtlich, neue Kunden gewinnen zu können. Im Bereich Unternehmensfinanzierung ergäben sich "als Folge der internationalen Finanzkrise zahlreiche neue Beratungsmandate bei der Umstrukturierung und Umschuldung von osteuropäischen Industrieunternehmen". Die Meinl Bank legt Wert auf die Feststellung, dass nicht sie selbst die frühere Meinl European Land (MEL) gemanagt hat. Dies hätten das unabhängige Board von MEL sowie MEL-Mitarbeiter erledigt, betonte ein Bank-Sprecher außerdem. Die Meinl Bank habe bis Mitte 2008 nur Investmentbanking- und Advisorydienstleistungen für die MEL erbracht. (APA)

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