"Kind darf kein Karriereknick sein"

16. Juni 2010, 12:50
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SPÖ insistiert weiter auf Ausbau der Kinderbetreuung, ÖVP für verpflichtende "Potenzialanalysen" vor Berufswahl und Grüne für Mindestlohn in Billiglohnbranchen

Wien - Frauenministerin Heinisch-Hosek hat am Mittwoch in der von ihrer Partei beantragten Aktuellen Stunde zum Thema "Gleichstellung von Frauen forcieren heißt Wirtschaftsleistung steigern" die Fortsetzung des Ausbauprogramms bei den Kindergärten gefordert und die Einkommenstransparenz als frauenpolitischen Meilenstein bezeichnet.

Obwohl die Frauenerwerbstätigkeit noch nie so hoch war wie heutzutage, befänden sich viele Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder arbeiteten Teilzeit. "Frauen haben bei gleicher Arbeit in Teilzeit bis zu 30 Prozent weniger Stundenlohn als in Vollzeitarbeit", erklärte Heinisch-Hosek und unterstrich: "Viele bleiben in der Teilzeitfalle hängen und können somit nicht die nötigen Pensionszeiten erreichen. Von einer Mindestpension können viele Frauen jedoch nicht leben und sind akut armutsgefährdet."

Ausbau der Kinderbetreuung urgiert

Noch immer würden zwei Drittel der Hausarbeit und Kinderbetreuung an den Frauen hängen bleiben, kritisierte die Ministerin. Heinisch-Hosek machte ebenfalls darauf aufmerksam, dass viele Mütter und Väter nicht dieselben Bedingungen vorfinden würden, wenn sie wieder ins Berufsleben zurückkehren möchten. "In Vorarlberg oder Tirol ist es nicht möglich durchgehende Kinderbetreuungseinrichtungen zu haben."

Der Bund hat für die Jahre 2008 bis 2010 jährlich 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die von den Ländern mit 20 Millionen Euro kofinanziert werden. Das Geld werde nun 2010 aufgebraucht sein, warnte Heinisch-Hosek. Das Kindergarten-Ausbauprogramm habe 17.000 neue Betreuungsplätze und 6.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, sagte Heinisch-Hosek und forderte die Fortführung der Initiative über das Jahr 2010 hinaus.

"Meilenstein" Einkommenstransparenz

Als einen "Meilenstein" in der Frauenpolitik bezeichnete Heinisch-Hosek die Verankerung der Einkommenstransparenz im Gleichbehandlungsgesetz. "Wir sind auf dem richtigen Weg, dennoch haben wir noch sehr viel zu tun", betonte die Frauenministerin.

Streitpunkt Obsorge

Bei der von den FamilienrichterInnen geforderten und auch von Justizministerin Bandion-Ortner angedachten verpflichtenden gemeinsamen Obsorge zeigte sich die Frauenministerin "sehr skeptisch" und plädierte für eine "Abkühlphase" nach strittigen Scheidungen. Am 24. Juni findet eine parlamentarische Enquete zum Thema statt.

Vorschläge der Parteien

SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm betonte, ein Kind dürfe kein Karriereknick sein: "Man muss sie nur lassen, sie unterstützen und nicht behindern". ÖVP-Frauensprecherin Schittenhelm forderte in der Debatte verpflichtende "Potenzialanalysen" für Schulkinder, um ihnen die Schul- und Berufswahl zu erleichtern. Immer noch würden 70 Prozent der Mädchen einen von nur fünf einschlägigen Lehrberufen wählen, so die VP-Politikerin.

FPÖ und BZÖ sahen zur Erreichung von Lohngleichheit die Sozialpartner gefordert - etwa durch die Berücksichtigung von Karenzzeiten bei der Berechnung der Dienstjahre in Kollektivverträgen. Für einen gesetzlichen Mindestlohn in "Billiglohnbranchen" ohne Kollektivvertrag, etwa bei Arzthelferinnen, plädierte Grünen-Chefin Glawischnig. (APA/red)

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    Sieht im Ausbau der Kinderbetreuung das A und O zur Frauengleichstellung am Arbeitsmarkt: Frauenministerin Heinisch-Hosek.

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