Aust übernimmt N24 - und steuert "Woche" bei

16. Juni 2010, 11:23
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ProSiebenSat.1 will mit Verkauf von Nachrichtensender sparen - Aust möchte sein Printprojekt "Woche" in N24 einbringen

München/Berlin - Die verschuldete deutsche Sendergruppe ProSiebenSat.1 verkauft ihren Nachrichtensender N24 und will damit jährlich mehr als 25 Mio. Euro einsparen. Käufer sind mehrere bisherige N-24-Manager und der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust, wie ProSiebenSat.1 am Mittwoch mitteilte. Die neue N24 Media GmbH wird die Sender Sat.1, Pro Sieben und Kabel Eins auch weiterhin mit Nachrichten beliefern.

Der Chef der Sendergruppe, Thomas Ebeling, hatte bereits Ende 2009 gesagt, er prüfe den Verkauf von N24. Mit seiner Äußerung, Nachrichten seien zwar "für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", war er auf viel Kritik gestoßen.

40 Mio. Euro im Jahr für N24

Medienberichten zufolge gab ProSiebenSat.1 rund 40 Mio. Euro im Jahr für N24 aus. Diesen Preis wollte die Sendergruppe, mehrheitlich im Besitz der Finanzinvestoren KKR und Permira, demnach senken. Mit dem Verkauf von N24 rechne ProSiebenSat.1 ab 2011 mit einer "Verbesserung des bereinigten Ebitda" von mehr als 25 Mio. Euro jährlich, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Das bereinigte Ebitda soll das operative Geschäft ohne Sondereinflüsse darstellen.

Die neue N24 Media GmbH wird bis Ende 2016 die Nachrichten für Sat.1, ProSieben und Kabel Eins liefern, für das Sat.1-Frühstücksfernsehen "bis mindesten Mitte 2014", wie ProSiebenSat.1 mitteilte. Die "qualitativ hochwertige Nachrichtenversorgung" der Privatsender sei somit "langfristig gesichert", erklärte Vorstandschef Ebeling. Für die N24 Media GmbH bedeute diese Abmachung im Gegenzug die "notwendige Stabilität".

26 Prozent für Aust

An der N24 Media GmbH halten Aust und der bisherige N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann je 26 Prozent, wie das neue Unternehmen in Berlin mitteilte. Je zwölf Prozent besitzen demnach die beiden N24-Manager Frank Meißner (zuständig für Produktion und Technik) und Karsten Wiest (zuständig für Finanzen), die Chefin der N24-Produktionsgesellschaft MAZ&More, Maria von Borcke, sowie der ehemalige kaufmännischen Leiter von Spiegel TV, Thorsten Pollfuß. MAZ&More produziert das Sat.1-Frühstücksfernsehen. Der Kaufpreis für N24 wurde nicht genannt.

Aust will sich "ab sofort um zusätzliche Aufträge für neue Reportagen und Dokumentationen" kümmern, wie er selbst erklärte. Eigene Reportagen sollen die bisherigen Zulieferungen aus der ProSiebenSat.1-Gruppe an N24 ersetzen. N24 werde pro Jahr rund 50 neue Reportagen in Auftrag geben, die einen neuen Schwerpunkt im Programm bilden sollten, teilte das Unternehmen mit.

Neuer Chefredakteur wird der bisherige Vize Arne Teetz. Der bisherige Chefredakteur Peter Limbourg wird "Senior Vice President Nachrichten und Politische Information" in der Sendergruppe, er bleibt aber weiterhin Moderator der Sat.1-Nachrichten.

72 Vollzeitstellen fallen weg

Die neuen Besitzer von N24 wollen ab September 72 Vollzeitstellen streichen, indem sie Verträge aufheben oder Beschäftigten kündigen. Danach werde der Sender voraussichtlich 141 Stellen haben. Ab 2011 wolle der Sender dann 25 neue Stellen schaffen - allerdings in einer eigenen, noch zu gründenden Gesellschaft.

Print-Projekt "Woche"

Stefan Aust will sein Print-Projekt "Woche" soweit wie möglich in die neue Gesellschaft um den Nachrichtensender N24 miteinbringen. "Dieses Projekt werden wir von der Basis N24 aus weiterbetreiben", sagte Aust am Mittwoch in einer Telefonpressekonferenz zur Übernahme des Senders von ProSiebenSat.1.

Das solle soweit geschehen, "wie die Verträge mit der WAZ-Gruppe das zulassen", sagte Aust. WAZ-Gesellschafter Günter Grotkamp polterte zuletzt in der "Financial Times Deutschland", dass WAZ-Manager Bodo Hombach die Entwicklung des Magazins finanzierte, obwohl ein Engagement unrealistisch gewesen sei, und Aust überdies noch die Rechte überlassen habe.

Aust zur "Woche": "Es kann auch sein, dass wir es nur im Internet machen." Es gebe eine Menge Leute, die sich abseits der bisherigen Partner dafür interessierten. "Wir haben da eigentlich ein ganz gutes Gefühl." Weitere Details nannte Aust nicht.

Aust arbeitet seit Monaten mit einem Journalisten-Team an dem Projekt. Zuletzt hatten sich die WAZ-Gruppe und der Springer-Verlag aus dem Vorhaben zurückgezogen. Aust hatte angekündigt, dennoch an dem Projekt festzuhalten. ((APA/dpa/AFP)

 

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    Nachrichten sind sein Metier: Ex-"Spiegel"-Chef Stefan Aust.

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