Thomas Muster will es nochmal wissen

16. Juni 2010, 11:02
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Ehemalige Nummer 1 der Weltrangliste kehrt nach elf Jahren zurück und gibt Comeback auf der Challenger-Tour

Wien/Braunschweig  - Er ist nie zurückgetreten und gibt nun mit 42 Jahren doch völlig überraschend sein "Comeback" im Profi-Tennis. Thomas Muster, Paris-Sieger von 1995 und Österreichs einzige Nummer eins im Tennis, tritt in der letzten Juni-Woche beim mit 150.000 Dollar dotierten Challenger-Turnier in Braunschweig (28.6.-4.7.) an. Es ist das erste offizielle Turniermatch des Steirers seit den French Open 1999 in Paris, also seit über elf Jahren.

Aus dem Urlaub zurück

"Ende einer langen Pause" statt "Comeback" würde laut Musters Einstellung wohl eher beschrieben, was da nun passiert. "Ich habe nach den French Open 1999 ja nicht meine Karriere beendet, sondern nur gesagt, dass ich in den Urlaub gehe. Jetzt bin ich halt aus dem Urlaub zurück, von einem Comeback kann man daher eigentlich nicht sprechen", erklärte Muster in einem Interview des Turnierveranstalters.

Während Ex-Manager Ronald Leitgeb nicht viel Sinnhaftes in der Aktion erkenne will, befürchten viele Muster-Fans die Demontage eines Denkmals. 1991 etwa hatte der große Schwede Björn Borg nach achtjähriger Absenz mit 34 Jahren und antiquiertem Holzracket sogar beim Klassiker in Monte Carlo ein Comeback gewagt und war regelrecht vorgeführt worden.

Kein PR-Gag

Manager Herwig Straka bemühte sich deshalb auch zu betonen, dass es sich nicht um ein Comeback im klassischen Sinne aber auch nicht um einen PR-Gag handle. Nach Trainings mit starken Gegnern in Paris sei in Muster der Gedanke gereift, sich wieder mit aktiven Akteuren im Rahmen eines Turniers zu messen. Auch Straka bestätigte aber, dass neben der Seniors-Tour weitere Muster-Auftritte auf diesem Level nicht ausgeschlossen sind.

Der zweifache Sportler des Jahres (1990/95) selbst freut sich laut den Organisatoren "riesig" auf Braunschweig. Muster hatte in den 1980er- und 90er-Jahren vor allem mit seinen Serien-Siegen auf Sand und zusammen mit seinen Daviscup-Kollegen Horst Skoff und Alexander Antonitsch für eine wahre Tennis-Euphorie in Österreich gesorgt. Zwölf seiner insgesamt 44 Titel gewann er alleine im Jahr 1995, darunter in Paris. Seine Rückkehr nach schwerer Knieverletzung gehört wie Skistar Hermann Maiers Comeback zu den großen Epen der rot-weiß-roten Sportgeschichte.

Wild Card

Natürlich ist mit bald 43 Jahren von einem ernsthaften Comeback a la Formel-1-Fahrer Michael Schumacher nicht zu reden. Und natürlich half die Beziehung zum deutschen Ex-Profikollegen und Braunschweig-Turnierdirektor Michael Stich, gegen den Muster am 26. Juni zunächst einen Schaukampf bestreitet und den er wegen dessen Wimbledon-Verpflichtungen danach inoffiziell sogar als Turnierdirektor vertritt, um eine Wild Card für das Einzel und das Doppel der NORD/LB Open zu erhalten. Das Turnier ist "2nd Level", gilt aber in seiner Kategorie als das populärste und stärkste der Welt.

Muster selbst geht einerseits realistisch an die Sache heran, lässt aber auch bald den Ehrgeiz durchschimmern, der seine gesamte Karriere geprägt hat. "Ich spiele einfach gern Tennis, vor allem auch Wettkampftennis. Ich mache das aus Spaß an der Sache und nicht, weil ich Weltranglistenpunkte sammeln will. Ich möchte einfach mal wieder richtige Turnieratmosphäre schnuppern", erklärte der Jungvater.

"Keine überhöhten Ziele"

Und dennoch will Muster wissen, wo er steht. "Ich setze mir keine überhöhten Ziele, werde mein bestes Tennis zeigen und dann sehen, wo die Reise hingeht", so der einstige Sandplatz-König, der seinen Auftritt nicht als Eintagsfliege versteht. "Ich möchte auch nächstes Jahr Challenger oder Bundesliga spielen!"

Muster trainiert derzeit sechs Tage in der der Woche mit täglich zwei Einheiten. "Mit ein paar Wochen Training kann ich die Welt nicht einreißen, aber ich gebe alles. Mit harter Arbeit und dem nötigen Ehrgeiz ist alles möglich", erklärte "Tom". Ex-Kollege Antonitsch meinte: "Das ist typisch Tom. Wenn er gegen einen spielt, der nicht in Ehrfurcht verharrt, darf er eigentlich keine Chance haben. Aber Thomas ist ein Wettkampftyp und ihm war immer schon wurscht (egal/Anm.), was wir anderen denken."

Muster selbst ist bewusst, dass er die Meinungen der Öffentlichkeit spaltet. "Einige werden jetzt sagen, der ist ja verrückt, aber damit kann ich gut leben. Denn damit lebe ich ja seit meinem 15. Lebensjahr. Ich werde mein Spiel durchziehen und keinen Respekt zeigen." (APA)

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    Thomas Muster will den Jungen auf Challenger-Ebene einheizen.

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