Die OMV und die Kriegsverbrechen im Sudan

15. Juni 2010, 19:10
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Ölkonsortium könnte mit schuld sein an Vertreibung und Mord - Firmen dementieren

Wien/Stockholm - "Der Vorwurf lautet auf Beihilfe zu Kriegsverbrechen, in zwei Wochen werden wir entscheiden, ob wir Ermittlungen starten", sagt der schwedische Staatsanwalt Magnus Elving zum Standard. Elving prüft derzeit, ob das Ölkonsortium Lundin mit schuld ist an Kriegsverbrechen, die die sudanesische Regierung zwischen 1997 und 2002 begangen haben soll. Damals am Konsortium mitbeteiligt: die OMV.

Partner der OMV waren die schwedische Lundin Oil und eine malaysische Ölfirma. Das Konsortium kaufte 1997 Ölförderrechte von der sudanesischen Regierung - in einem Teil des Landes, der von südsudanesischen Rebellen kontrolliert wurde. In den kommenden Jahren vertrieb die Regierung 160.000 Menschen aus demGebiet, 12.000 starben. Das Lundin-Konsortium könnte mit schuld sein an diesen Kriegsverbrechen, steht in einemBericht der European Coalition on Oil in Sudan (Ecos), ein Zusammenschluss 50 europäischer NGOs.

Die Vorwürfe: Das Geld aus dem Öldeal habe es der sudanesischen Regierung ermöglicht, Waffen für den Krieg zu kaufen. Das Ölkonsortium habe Straßen gebaut, die es denRegierungstruppen ermöglichte, Menschen aus dem schwer zugänglichenGebiet zu vertreiben; und die Firmen sollen von den Verbrechen gewusst, die Zusammenarbeit mit derRegierung aber nicht beendet haben.

"Nach internationalem Recht könnten die Mitglieder des Konsortiums mitschuldig sein an Kriegsverbrechen", folgert der Bericht. Die beteiligten Unternehmen sollen 246 Millionen Euro an Kompensation an die Vertriebenen zahlen, fordert Ecos. Am Mittwoch gibt es Gespräche zwischen Ecos und dem österreichischen Außenministerium.

"Die OMV hat internationale Menschenrechts- und Umweltstandards in das Unternehmen integriert und umgesetzt. Auch während des Engagements im Sudan ist die OMV ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen", heißt es in derStellungnahme des Unternehmens. Die OMV sei außerdem nicht Betriebsführer gewesen und seit 2004 nicht mehr im Sudan tätig.

Schon zwischen 2000 und 2003 war die OMV massiv für die Bohrungen im Sudan kritisiert worden. 2003 unterzeichnete die Firma den Uno-Kodex "Global Compact" - einen Verhaltenskodex zur Einhaltung der Menschenrechte. Hätte die Firma früher unterschrieben, "wäre man an das Explorationsvorhaben im Sudan ganz anders herangegangen", bekannte damals OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer.

Auch Lundin Oil wies die Vorwürfe zurück. Carl Bildt, bis 2006 Aufsichtsrat von Lundin Oil, ist heute schwedischer Außenminister. (tob, DER STANDARD, Printausgabe 16.6.2010)

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