Durch und durch international

15. Juni 2010, 18:37
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Demograf lobt Rolle des FWF und des ERC bei "Durchlüftung" der Forschung

Als Wissenschaftsministerin Beatrix Karl am Dienstagabend Wolfgang Lutz die Urkunde für den Wittgenstein-Preis überreichte, war er der insgesamt 25. Spitzenforscher, der Österreichs wichtigste und bestdotierte Wissenschaftsauszeichnung erhielt.

Zusammen mit den bisher 82 Start-Preisen für hervorragende Nachwuchsforscher hat damit das Wissenschaftsministerium 121 Millionen Euro in exzellente Wissenschaft investiert: Alle Preisgelder müssen nämlich wieder in Forschung gesteckt werden.

Mit der Preisvergabe an den Demografen wurde aber auch Neuland beschritten: Lutz ist nämlich der erste Sozialwissenschafter in der bisher 15-jährigen Geschichte der Wittgenstein- und Start-Preise, der diese Auszeichnung erhielt. Und Lutz wäre ein schlechter Humanressourcen-Experte, wenn er nicht eine Erklärung dafür hätte, warum es mit dem ersten sozialwissenschaftlichen Wittgenstein-Preis so lange dauerte: "Gerade in diesen Fächern - aber nicht nur da - gab es in Österreich das Problem, dass man nach 1945 allzu lang im eigenen Saft schmorte". Lutz' Credo lautet entsprechend: "Wissenschaft muss international sein."

Ausschließlich Ausländer

Geändert habe sich das laut Lutz nicht zuletzt durch den Wissenschaftsfonds FWF, der seine gesamte Begutachtungstätigkeit rein international organisiert hat - und auch die Start- und Wittgenstein-Preis-Träger von einer Jury auswählen lässt, die ausschließlich aus ausländischen Spitzenforschern besteht.

Auf europäischer Ebene sieht Lutz ein Pendant im European Research Council (ERC), der mit seinen ebenfalls an Exzellenz orientierten Preis- bzw. Projektmittelvergaben zu einer "Durchlüftung" nationaler Wissenschaftssysteme beigetragen habe. Der Mann hat gut reden und den ERC loben: 2008 erhielt er einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten Advanced Grant - ebenfalls als erster österreichischer Sozialwissenschafter. Damit sollen die Auswirkungen des Klimawandels auf menschliches Wohlbefinden sowie menschliche Lebensqualität und Lebenserwartung abgeschätzt werden.

Bei der Umsetzung der beiden preisgekrönten Projekte wird Lutz im Übrigen nolens volens für eine weitere Internationalisierung der sozialwissenschaftlichen Forschung in Österreich sorgen, da es hierzulande noch zu wenige Demografen gibt: "Schon jetzt stammt eine Mehrheit unserer Forscher aus anderen Ländern Europas - oder kommt von noch weiter her." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 16.06.2010)

 

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