2,5 Minuten pro Tag und Land

Einigung auf TV-Regional­werbung

15. Juni 2010 18:39
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    Foto: standard/newald

    "Licht ins Dunkel" des ORF-Gesetzes.

Nach Infos des STANDARD - Mögliche Auftraggeber und Themen vorgegeben - Redakteursrat will Chancen einer Beschwerde gegen Gesetz beim Verfassungsgerichtshof gegen Novelle prüfen lassen - Grüne wegen "Futurezone" nicht mehr an Bord

Dienstagnacht nahm der ORF die wohl letzte große Hürde zu seinem neuen Gesetz und damit 160 Millionen extra vom Bund über vier Jahre: Die Parlamentsparteien forderten eine Einigung mit dem Zeitungsverband über regionale TV-Werbung in Bundesland heute. Nach STANDARD-Infos aus mehreren Quellen gelang sie spätabends.

Zweieinhalb Minuten täglich pro Land

Der ORF wollte eine Erlaubnis für bezahlte Ankündigungen öffentlicher und gemeinnütziger Institutionen und Firmen für vordefinierte Themen wie Kultur, Bildung und Sicherheit. Nun werden tatsächlich die möglichen Auftraggeber und Themen solcher "regionaler Ankündigungen" definiert. Zweieinhalb Minuten pro Tag und Bundesland beträgt das nun vereinbarte Limit nach STANDARD-Infos. Der ORF sagte im Gegenzug offenbar Kooperationen mit den Zeitungshäusern zu. Der Gebührenfunk unterstützt schon bisher regionale Events und Aktionen gemeinsam mit Verlegern.

Die stark regional verankerten Zeitungen sorgten sich beim Thema regionale TV-Werbung, die dem ORF bis auf die neue Ausnahme verboten ist, um ihre Werbeeinnahmen. Die Privatsender fürchten einen Ausbau von Bundesland heute und damit viel Platz für Regionalwerbung, die rein kommerzielle Lokalsender gefährde. Die Landeshauptleute aber machten sich für das Einnahmenpotenzial ihrer wichtigsten medialen Plattformen stark.

Das BZÖ verlangte schon Dienstag früh für sein Okay zum Gesetz die Erlaubnis für ORF-Regionalwerbung. Montag hatte sein Verhandler noch dem ORF-Entwurf ohne sie zugestimmt.

No Future

Dienstagnachmittag zog der ORF-Sprecher der Grünen seine Zustimmung zurück: Dieter Brosz erinnerte sich, dass die Wettbewerbsvorgaben der EU bestehende ORF-Angebote nicht berührten. Also sehe er keinen Anlass, die ORF-Futurezone zu untersagen. Deren Verbot steht im Montag akkordierten Gesetzesentwurf. Auf Facebook bot eine Community an, das Portal zu betreiben.

Brosz kam als einziger Mediensprecher zur Protestversammlung von ORF.at. ORF-Redakteurssprecher Fritz Wendl warf der ORF-Führung vor, sie dealte ohne Betroffene ein „Verbot von ordentlichem Onlinejournalismus" aus. Er bot Unterstützung der Gewerkschaft an, um zu klären, was der ORF seinen Onlinejournalisten künftig verbieten darf. Und bei der "Klärung der Chancen einer Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof" gegen das ORF-Gesetz.

FPÖ-Verhandler Peter Fichtenbauer sagte Dienstag, seine Fraktion stimme für das ORF-Gesetz. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hingegen wollte das der APA am Mittwoch nicht mit Bestimmtheit sagen. Das Gesetz fände die FPÖ ja okay, aber - erwartungsgemäß - den ORF nicht, siehe "Schauplatz"-Clinch, siehe vermisste Einladung in "Im Zentrum". SPÖ, ÖVP und FPÖ hätten die nötige Verfassungsmehrheit.

Kolportiert wurde Protest in den Klubs von SP (dort für die Futurezone) und VP. Bürgerliche Klub-Kenner verneinten dies. Rote Regierungsinsider sahen Dienstagabend keine Abkehr ihrer Fraktion vom akkordierten ORF-Gesetz.

Donnerstag soll der Nationalrat das Gesetz beschließen. Mittwoch verhandeln die Parteien voraussichtlich neuerlich. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 16.6.2010)

Kommentar posten
25 Postings
killercat.net
 
17.06.2010 11:49
Wie viel denn noch?

1. Das große Österreich braucht viele öffentlich-rechtliche Sender, obwohl es kein Geld gibt. Wie viele denn noch?
2. Eine Medienbehörde kontrolliert. Wer definiert die "Ziele"?
3. Wieso muss der "Verhaltenskodex" nicht vom Kunden, also vom Gebührenzahler akzeptiert werden, sondern wieder von einer Polit-Gruppe?
4. Was hat der Kunde überhaupt noch zu sagen?

(Für die WM-Übertragungsrechte haben wir 9,8 Millionen auf den Tisch gelegt, obwohl wir gar nicht mitspielen und Deutschland sowieso alle Spiele überträgt. Hat Sie jemand gefragt? Uns auch nicht.)

Schöne Grüße an den Bonzen-Sender, dessen ewiges Leben wir Steuerzahler garantieren!
www.killercat.net

emil dackweiler
16.06.2010 18:20
traurig

österreichweit sicher hundert jobs weniger bei regionalen fernsehsendern.

vöz und politik packeln, wer braucht schon medienvielfalt...

papst benedikt
16.06.2010 14:42

guten tag! mein name ist oscar bronner.

ich garantiere, bei der einschränkung medialer vielfalt in österreich an vorderster front zu stehen, wenn es meinen eigenen einfluss und profit vergrössert.
ihr oscar bronner.

der standard. die zeitung für leser.

erwin meier
16.06.2010 20:28

komisch, beim standard können sie zu diesem thema posten, bei orf.at nicht.

wer schränkt da die vielfalt ein?

reservebuddha
17.06.2010 00:25
Schwachsinn

Beim ORF.at wird seit Tagen in hunderten Postings genau dazu Stellung genommen. Was soll der Untergriff?

erwin meier
17.06.2010 00:57

link?

papst benedikt
17.06.2010 10:56

http://debatte2.orf.at/news/stor... s/offtopic

damit sie überhaupt mal mitbekommen, worüber u.a. gesprochen wird ;-)

daarth
16.06.2010 12:56

Übernimmt der VÖZ nun die FuZo-Mitarbeiter, oder sind die nun arbeitslos?

Miklova Zala
 
16.06.2010 10:27
ignoranz

mit vöz und politik packeln was das zeug hält, aber keine der fürs schlamassel mitzuständigen "orf-granden" hält es für nötig, zur orf.at betriebsratssitzung zu kommen. trotz einladung.

m ko
16.06.2010 07:30

Toll, dann muss man sich in Zukunft wohl auf eine deutsche Firma (Heise) verlassen um etwas über die (traurige) österreichische "Netzpolitik" zu berichten...

erwin meier
16.06.2010 20:30

gibt es etwa ein verbot für dieses thema bei orf.at?

reservebuddha
16.06.2010 08:30
Danke Dieter Brosz!

telemike
15.06.2010 23:08
EU-widrig sind jedenfalls die Subventionen an der ORF

Wo bleibt den da der unverzerrte Wettbewerb?

Captain Nem0
16.06.2010 09:12
Von wegen EU-widrig

Sie armer Traumtänzer wissen wohl besser als die Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission was wettbewerbswidrig ist und was nicht.

Rechtsgrundlage der EU-Entscheidung ist ein Protokoll zum Vertrag von Amsterdam, wo die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen eindeutig erlaubt ist.
Siehe http://bit.ly/cT03im

Jujilla
15.06.2010 23:18

der wird in Österreich hint angestellt, wenn es ein paar hochwertige ORF Kollektivverträge oder ähnliche Beamten-Pfründe zu verteidigen gibt.

schreibsauf
16.06.2010 08:08
also bitte , wenn schon dann Richtiges wiedergeben

Kollektivvertrag heisst den Vertrag den alle Österreicher in den jeweiligen Berufssparten bekommen! Beamten sind das auch keine sonder Privatangestellte, weil der ORF eine GmbH ist.
Beamten gibt es bei Post , Bahn auch öff.Spitäler
deren Privilegien werden seit Jahrzehnten verteidigt
siehe Herr Neugebauer`s nicht Bereitschaft zu Sparen.

Jujilla
15.06.2010 22:46

als könnte man die wirklich mittelmäßige futurezone nicht auch an ORF Sendungen gekoppelt in Zukunft weiterführen. mit den selben protagonisten. es geht doch nur darum, dass die fuzo in dieser form nie dem geltenden orf gesetz entsprach.
50 mio euro mehr im jahr sollten diesen Spacken am Küniglberg wirklich ausreichen, um die lauwarmen fuzu geschichten zukünftig auch on air lauwarm sein zu lassen.

Miklova Zala
 
16.06.2010 10:25

das war zumindest via einer reihe von gastbeiträgen an die ö1 sendungen matrix und digital leben gebunden. lose, zugegeben, aber dennoch.

reservebuddha
16.06.2010 08:34
Auch dies ist eine Privatmeinung

Mir ist das wurscht, ich könnt mir auch eine wirtschaftliche Abkoppelung vorstellen, oder auch die Garantie, daß der ORF.at inkl Foren und FuZo keine Gebühren bekommen.

Wär ganz leicht machbar.

Nur werde ich weder dem VÖZ noch dem NR noch der ORF-Generalität verzeihen, mir dieses seit Jahren liebgewonnene Angebot aus Mauschelei heraus einfach abzudrehen.

Dann privatisierts es halt mit angemessener Zwischenfrist. Soll mir recht sein. Aber dem VÖZ isses nicht recht, weil der ja in Wirklichkeit unliebsame Konkurrenz loswerden will.

reservebuddha
15.06.2010 20:39
Wobei - wars denn wirklich eine "Protestversammlung"?

Auf ORF.at hieß es diesbezüglich, es handle sich um eine Betriebsversammlung. Das ist schon noch ein kleiner Unterschied - Betriebsversammlungen sind ein Recht jeder Belegschaft und im Betriebsverfassungsgesetz geregelt. "Protestversammlungen" wohl kaum.

barchetta97
15.06.2010 20:30
wehren wir uns auch gegen die gebühren!

http://www.facebook.com/?sk=23618... 9336916014

schreibsauf
16.06.2010 08:53
Werbeunterbrechungen , nein Danke

Denke lieber darüber nach was der Hintergrund einer solche Kampagne ist und wer da wirklich dahinter steckt. ATV musste nicht erst 1x gerettet werden großzügig von Bawag und anderen Finanziers, trotz seiner unbegrenzten Werbe-möglichkeiten und unzähligen Unterbrechungen wegen Werbeblöcke, nein Danke. Diese WB sind auch meist der Grund warum ich zu zappen beginne und meist dann woanders lande, z.B. Arte, BR-Alpha, Phönix, od. ORF und kann mir einen Film , Doku od. Nachrichten ohne Unter-brechung ansehen.

fine
15.06.2010 18:41

Bravo! wehrts euch!

reservebuddha
15.06.2010 20:37
Ja bitte

Für die gehts auch um Arbeitsplätze. Für uns anderen "nur" um den Fortbestand einer inzwischen über zehn Jahre alten Community.

erwin meier
16.06.2010 20:32

die arbeitsplätze bei den privaten medien, die ohne steuergeld auskommen, sind natürlich egal.

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