Die "Beer-Babes"-Affäre

15. Juni 2010, 18:43
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Die Fifa vermutete Trittbrett-Marketing, ließ 36 Nieder­länderinnen aus dem Stadion bringen und stundenlang verhören. Jetzt hat sie erst recht den Scha­den und eine üble Nachrede

Johannesburg/Amsterdam/Wien - Da schauten 36 Niederländerinnen, als sie während der zweiten Spielhälfte der Partie gegen Dänemark von Ordnern aus dem Stadion geführt wurden. Die Fifa ließ die Frauen, die in von einer niederländischen Brauerei (Bavaria) gesponserten Kleidern angetanzt waren, drei Stunden lang verhören. "Wir prüfen, welche rechtlichen Schritte wir gegen die Brauerei einleiten können" , sagte Fifa-Mediendirektor Nicolas Maingot. "Wir stellen aber klar, dass niemand verhaftet wurde."

Nach Fifa-Angaben seien die Frauen, die nun als "Beer Babes" zumindest kurze Berühmtheit erlangen, von Bavaria für sogenanntes Trittbrett- oder Ambush-Marketing instrumentalisiert worden. Als offiziellem WM-Sponsor ist der US-Biermarke Budweiser Werbung an offiziellen Turnierschauplätzen vorbehalten.

Die (Mini)-Kleider waren im Vorfeld der WM ein Werbegeschenk beim Kauf einer Bierkiste gewesen. Bavaria-Vorstandsmitglied Peer Swinkels sagte der südafrikanischen Online-Infoseite IOL, das Kleid, wiewohl in den Niederlanden natürlich mit Bavaria verbunden, sei mit keinerlei Branding versehen worden. "Es ist einfach ein hübsches Kleid. Und jeder Mensch soll doch anziehen dürfen, was er will."

Schon bei der WM 2006 in Deutschland hatte Bavaria die Fifa aufgeregt. Damals trugen viele niederländische Fans orange Lederhosen samt Löwenschwanz, und vor den Stadien wurden sie von Ordnern dazu angehalten, die Lederhosen auszuziehen, und deshalb saßen sie dann in Unterwäsche in den Stadien. "Deshalb war das Kleid diesmal nicht gebrandet" , sagt Swinkels. "Ich glaube nicht, dass die Fifa ein Monopol auf Orange hat."

Barbara Kastein, quasi die Sprecherin der 36 Niederländerinnen, nannte den Trittbrett-Marketing-Vorwurf im Interview mit der südafrikanischen Zeitung The Star absurd, erhob ihrerseits schwere Vorwürfe gegen die Fifa. "Wir haben gesungen, waren gut drauf. Die Kameras waren oft auf uns gerichtet." Ein Fifa-Offizieller habe sie vor die Wahl gestellt, das Stadion freiwillig zu verlassen oder abgeführt zu werden. Sie seien geblieben. "Dann haben uns vierzig Ordner umstellt und abgeführt." In einem Fifa-Büro, so Kastein, habe ihnen die Polizei immer wieder dieselbe Frage gestellt. Kastein: "Ob wir für Bavaria arbeiten. Sie haben gedroht, uns sechs Monate lang einzusperren. Die Mädchen haben geweint."

Die Fifa erklärte, Bavaria sei bereits oft mit Ambush-Marketing aufgefallen, auch der niederländische Verband überlege sich schon Gegenmaßnahmen. Die Werbewirkung freilich, die Bavaria bei der WM erst dank der Fifa erzielt hat, könnte in den Überlegungen eine Rolle spielen. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 16.6. 2010)

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    Orange, so weit, wenn man so will, das Auge reicht. Doch der Fifa sind diese Kleider, die es von einer niederländischen Brauerei beim Kauf einer Bierkiste geschenkt gab, ein Dorn im Auge.

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