Sparsame Manager setzen Hotels unter Zugzwang

15. Juni 2010, 18:30
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Accor will in Österreich 2011 erstes Haus der neuen Marke All Seasons aufsperren

In der Stadthotellerie ist nach der Schockstarre des Vorjahres zwar eine leichte Belebung des Geschäfts im Gang; die in der Krise gelernte Sparsamkeit auch und vor allem von Geschäftsreisenden dürfte aber noch länger anhalten. Diesem Trend folgend will Accor, einer der größten Hotelbetreiber in Österreich und Marktführer in Europa, speziell das Economy-Segment stärken.

"Wir wollen 2011 das erste Hotel der neuen Konzernmarke All Seasons in Wien aufsperren und bis 2017 weitere zehn in ganz Österreich. Das ganze soll auf 100 Prozent Franchise-Basis funktionieren", sagte der neue Chef von Accor Österreich, Stéphane Engelhard, bei der Präsentation der jüngsten Accor-Marke in München dem Standard.

Das erste Hotel der neuen Drei-Sterne-Kategorie wurde vor drei Jahren in Frankreich aufgesperrt. Weltweit gibt es inzwischen 75 All-Seasons-Häuser, jährlich sollen 40 bis 60 neu dazukommen.

Im Gegensatz zu andern Franchise-Konzepten ist All Seasons nicht standardisiert. Vorgeschrieben wird den Partnern lediglich die Bestückung der Zimmer mit einem bequemen Bett, Flat-Screen samt Gratis-WLAN, Gratis-Mineralwasser und Frühstück inklusive. Außerdem muss der Franchise-Nehmer bei Online-Buchung Dienstagvormittag zumindest ein Zimmer jedes Wochenende zum halben Preis bereitstellen. Die Franchise-Gebühr, die an Accor abzuführen ist, liegt zwischen fünf und sieben Prozent des Nettoumsatzes für Übernachtung und Frühstück.

Großes Interesse

"Das Interesse hierzulande ist groß", sagte Peter Peer, in dessen Kompetenzbereich bei Accor Österreich auch die Entwicklung der neuen Marke fällt. "Wir haben zum Start vier Standorte ins Auge gefasst, zwei davon in Wien." Darüber hinaus suche man Standorte in kleinen bis mittelgroßen Städten ab etwa 12.000 Einwohner. "Wir haben jetzt erstmals eine Marke, mit der wir auch in der Ferienhotellerie Fuß fassen können", glaubt Peer.

Bisherige Versuche sind mehr oder weniger immer daran gescheitert, dass die Häuser zu klein waren und nicht an die für ein wirtschaftliches Betreiben notwendigen zumindest 100 Zimmer herankamen. "All Seasons funktioniert ab 50 Zimmer", sagte Peer.

Accor erspare sich durch das Franchise-System Investitionen in Immobilien, der Franchise-Nehmer profitiere vom weltweiten Vermarktungssystem und dem Know-how eines Großkonzerns. In Österreich betreibt Accor derzeit 30 Hotels mit 4000 Zimmern. (Günther Strobl aus München, DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2010)

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