Ein historisches Datum für Südafrika

15. Juni 2010, 18:28
6 Postings

Gastgeber am "Youth Day" gegen Uruguay

Johannesburg - Gastgeber Südafrika schwankt vor seinem zweiten Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Euphorie und Angst. Mit einem Sieg am Mittwoch (20.30 Uhr) in Gruppe A gegen Uruguay könnte Bafana Bafana einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Bei einer Pleite an einem historischen Datum der Regenbogennation droht Südafrika das erste Vorrunden-Aus eines Gastgebers bei einer WM-Endrunde und der Stimmungstod für das gesamte Turnier.

Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira hat vor dem ersten "Endspiel" alles getan, um den Druck von seiner Mannschaft zu nehmen und die Spieler sogar zu einem Kurzurlaub nach Hause geschickt. "Es war wichtig, dass sie mal abschalten und etwas entspannen können", sagte der 67 Jahre alte WM-Rekordtrainer.

Trotz der riesigen Erwartungshaltung ist Parreira von einem guten Auftritt seines Teams im Loftus-Versfeld-Stadion von Pretoria überzeugt. "Die Mannschaft hat sich beim 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Mexiko freigespielt. Sie wird gegen Uruguay von Beginn an mutiger und selbstbewusster auftreten", äußerte der Brasilianer, der 1994 mit seinem Heimatland den Titel gewann.

Lawrence Siphiwe Tshabalala, der mit seinem Traumtor gegen Mexiko das ganze Land in Ekstase versetzte, brennt auf weitere Heldentaten. 'Das Achtelfinale wäre das Größte, was je in Südafrikas Fußball passiert ist', sagte der 25-Jährige. Die freien Stunden verbrachte Tshabalala in seiner Wohnung im ehemaligen Township Soweto. Gegen Uruguay und dann knapp eine Woche später gegen Frankreich will er mit seinen Teamkollegen 'Geschichte schreiben'.

Die Begegnung gegen Uruguay findet an einem historischen Tag statt. Am 16. Juni 1976 begehrten Jugendliche in Soweto gegen die Apartheid auf. "Das ist ein bedeutendes Datum für das Land", sagte  Steven Pienaar: "Wir wollen dafür sorgen, dass die Menschen Mittwochabend auf den Straßen feiern können."

Die gesamte Regenbogennation sehnt den zweiten Auftritt ihrer Helden herbei. Vor 34 Jahren hatten mehr als 10.000 Schüler dagegen protestiert, Afrikaans zwangsweise in Schulen einzuführen. Die Polizei schlug den Aufstand auf brutalste Weise nieder, in dem sie das Feuer auf die Schüler eröffnete. In der Folge verloren in wenigen Tagen mehr als 500 Menschen ihr Leben.

Im Lager Uruguays, das Vize-Weltmeister Frankreich zum Auftakt ein 0:0 abgetrotzt haben, gab sich Nationalcoach Oscar Tabarez nach der Kritik an seiner Aufstellung zugeknöpft. Die Pressekonferenz, in der Tabarez zwei Änderungen in der Startelf und eine offensivere Formation ankündigte, dauerte nur fünf Minuten.

"Wir müssen in der Offensive deutlich besser werden und in der Lage sein, mehr gefährliche Situation vor dem Tor des Gegners herauszuspielen", forderte Tabarez vor dem Spiel gegen die Gastgeber, bei denen er in der Defensive große Schwachpunkte ausgemacht hat. Diese soll sein Sturm-Trio nun eiskalt ausnutzen, damit Uruguay endlich in "eine neue Dimension" vordringen kann. Schließlich hat der Champion von 1930 und 1950 zuletzt nur eines seiner 17 WM-Spiele gewonnen.

"Ich habe die Aufstellung der Charakteristik des Gegners und der Umstände für dieses Spiel angepasst", äußerte der 63-Jährige und verschwand. Diego Forlan, gegen Frankreich auffälligster Akteur, soll hinter den Spitzen agieren. Mittelfeldspieler Nicolas Lodeiro ist nach seiner Gelb-Roten Karte gesperrt.

Die Politiker in der Heimat sind auf jeden Fall heiß auf das Spiel. Die Abgeordneten des Parlaments haben ihre Sitzung auf den Morgen verlegt, um die Begegnung am Nachmittag (Ortszeit) vor dem Fernseher verfolgen zu können. (sid/APA/red)

Mögliche Aufstellungen:

Südafrika - Uruguay (Mittwoch 20.30, Pretoria, Loftus-Versfeld-Stadion, SR Massimo Busacca/Schweiz)

Südafrika: 16 Khune - 2 Gaxa, 4 Mokoena, 20 Khumalo, 3 Masilela - 11 Modise, 12 Letsholonyane, 13 Dikgacoi, 8 Tshabalala - 10 Pienaar - 9 Mphela

Ersatz: 1 Josephs, 22 Walters - 5 Ngcongca, 14 Booth, 15 Thwala, 21 Sangweni, 6 Sibaya, 7 L. Davids, 19 Moriri, 23 Khuboni, 17 Parker, 18 Nomvethe

Keine Ausfälle

Teamchef: Carlos Alberto Parreira (BRA)

Uruguay: 1 Muslera - 4 Fucile, 2 Lugano, 3 Godin - 16 M. Pereira, 15 Perez, 17 Arevalo, 11. A. Pereira - 9 Suarez, 10 Forlan, 7 Cavani

Ersatz: 12 Castillo, 23 Silva - 6 Victorino, 19 Scotti, 22 Caceres, 5 Gargano, 8 Eguren, 18 I. Gonzalez, 20 A. Fernandez, 13 Abreu, 21 S. Fernandez

Es fehlt: 14 Lodeiro (gesperrt nach Gelb-Rot gegen Frankreich)

Teamchef: Oscar Tabarez

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Setzt auf Entspannung: Carlos Alberto Parreira.

Share if you care.