Chat zur Finanzmarktkrise

"WM-Pokal ist bei derzeitigem Goldpreis einiges wert“

16. Juni 2010, 12:43

Warum Gold- und Ölpreis weiter steigen werden und ob er BP-Aktien empfehlen würde, erklärte Rohstoff-Experte Stöferle im Chat – Nachlese

"Inflationsbereinigt ist Gold nach wie vor günstig", sagt Erste-Group-Analyst und Rohstoff-Experte Ronald-Peter Stöferle am Mittwoch im derStandard.at-Chat. Die "vielzitierte" Gold-Blase hält er für eine Mär. "Beispielsweise sind die 16 größten Gold-und Silberproduzenten derzeit mit insgesamt 200 Milliarden US-Dollar bewertet, hier von einer Bubble zu sprechen ist klar überzogen", meint Stöferle. Ganz im Gegenteil ist sich der Analyst sicher, dass Gold ein langfristiger Bullenmarkt ist.

Ganz in interdisziplinärer Tradition, blieb in Zeiten wie diesen auch die Frage nach dem WM-Tipp des Rohstoff-Experten nicht aus: "Der WM-Pokal ist bei derzeitigem Goldpreis einiges wert . Persönlich muss ich gestehen, dass mir - auch wenn das als Österreicher ein bisserl wehtut - die Deutschen bisher sehr gut gefallen haben ... Aber warten wir einmal die Spanier heute ab …"



Jedenfalls sei Gold, so Stöferle, sowohl in "einem deflationären Umfeld, als auch in der Inflation ein exzellentes Investment". Für Goldinvestoren sieht er also weiterhin "glänzende Aussichten" für die nächsten Jahre. Die Frage nach Manipulation beim Goldpreis betrachtet Stöferle nüchtern: "Wir wissen dass bei Währungen, am Bondmarkt und im Aktienmarkt interveniert wird. Wieso sollte es also bei Gold - das sicherlich so etwas wie ein Thermometer für den Finanzsektor darstellt - nicht so sein?" Für den Goldpreis sieht Stöferle weiteres Aufwärts-Potenzial, bis Jahresende noch 15-20 Prozent.

Der "Spekulanten-Hetze beim Öl" erteilt der Erste-Bank-Analyst im Chat eine klare Absage: "Mehr als 60 Prozent des Spritpreises gehen an den Finanzminister, ca. 20 Prozent des Preises an der Tankstelle wird vom Spot-Markt beeinflusst. Angenommen Spekulanten machen in etwa 10-15 Prozent des Preises am Spot-Markt aus, so liegen die Belastungen für den Endverbrauch bei einigen wenigen Cents." Auf Jahressicht glaubt Stöferle an einen Rohöl-Durchschnittspreis von 72 US-Dollar je Barrel. Langfristig werde die 100-Dollar-Marke aber klar überschritten werden, das Peak-Oil-Szenario sei laut Stöferle weiterhin intakt: „Es gibt zwar mehr als genügend Öl, die Frage ist jedoch zu welchem Preis ich es aus dem Boden holen kann. Die günstig und einfach abzubauenden Ressourcen sind jedenfalls größtenteils bereits abgebaut."

Die Öl-Konzerne sieht Stöferle auch nach der Wirtschaftskrise gut aufgestellt. "Ich denke dass die Majors die Krise genutzt haben, um die Kosten zu senken und sich auf die Kernsegmente zu konzentrieren. Auf Seite der großen US-Majors sieht man, dass das 'drilling on wall street', also die Aktienrückkaufprogramme und hohe Dividendenausschüttungen, wieder verringert wurden", so Stöferle. Wie es mit BP nach dem verheerenden Öl-Leck weitergehen werde, kann auch der Erste-Bank-Analyst nicht beantworten. Der Image-Schaden sei aber enorm, die finanziellen Langfristfolgen nicht abschätzbar, meint der Rohstoffexperte. Und: "Ein Investment in BP-Aktien würde ich sicherlich nicht empfehlen." (rom)
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