"WM-Pokal ist bei derzeitigem Goldpreis einiges wert“

16. Juni 2010, 12:43
posten

Warum Gold- und Ölpreis weiter steigen werden und ob er BP-Aktien empfehlen würde, erklärte Rohstoff-Experte Stöferle im Chat – Nachlese

"Inflationsbereinigt ist Gold nach wie vor günstig", sagt Erste-Group-Analyst und Rohstoff-Experte Ronald-Peter Stöferle am Mittwoch im derStandard.at-Chat. Die "vielzitierte" Gold-Blase hält er für eine Mär. "Beispielsweise sind die 16 größten Gold-und Silberproduzenten derzeit mit insgesamt 200 Milliarden US-Dollar bewertet, hier von einer Bubble zu sprechen ist klar überzogen", meint Stöferle. Ganz im Gegenteil ist sich der Analyst sicher, dass Gold ein langfristiger Bullenmarkt ist.

Ganz in interdisziplinärer Tradition, blieb in Zeiten wie diesen auch die Frage nach dem WM-Tipp des Rohstoff-Experten nicht aus: "Der WM-Pokal ist bei derzeitigem Goldpreis einiges wert . Persönlich muss ich gestehen, dass mir - auch wenn das als Österreicher ein bisserl wehtut - die Deutschen bisher sehr gut gefallen haben ... Aber warten wir einmal die Spanier heute ab …"



Jedenfalls sei Gold, so Stöferle, sowohl in "einem deflationären Umfeld, als auch in der Inflation ein exzellentes Investment". Für Goldinvestoren sieht er also weiterhin "glänzende Aussichten" für die nächsten Jahre. Die Frage nach Manipulation beim Goldpreis betrachtet Stöferle nüchtern: "Wir wissen dass bei Währungen, am Bondmarkt und im Aktienmarkt interveniert wird. Wieso sollte es also bei Gold - das sicherlich so etwas wie ein Thermometer für den Finanzsektor darstellt - nicht so sein?" Für den Goldpreis sieht Stöferle weiteres Aufwärts-Potenzial, bis Jahresende noch 15-20 Prozent.

Der "Spekulanten-Hetze beim Öl" erteilt der Erste-Bank-Analyst im Chat eine klare Absage: "Mehr als 60 Prozent des Spritpreises gehen an den Finanzminister, ca. 20 Prozent des Preises an der Tankstelle wird vom Spot-Markt beeinflusst. Angenommen Spekulanten machen in etwa 10-15 Prozent des Preises am Spot-Markt aus, so liegen die Belastungen für den Endverbrauch bei einigen wenigen Cents." Auf Jahressicht glaubt Stöferle an einen Rohöl-Durchschnittspreis von 72 US-Dollar je Barrel. Langfristig werde die 100-Dollar-Marke aber klar überschritten werden, das Peak-Oil-Szenario sei laut Stöferle weiterhin intakt: „Es gibt zwar mehr als genügend Öl, die Frage ist jedoch zu welchem Preis ich es aus dem Boden holen kann. Die günstig und einfach abzubauenden Ressourcen sind jedenfalls größtenteils bereits abgebaut."

Die Öl-Konzerne sieht Stöferle auch nach der Wirtschaftskrise gut aufgestellt. "Ich denke dass die Majors die Krise genutzt haben, um die Kosten zu senken und sich auf die Kernsegmente zu konzentrieren. Auf Seite der großen US-Majors sieht man, dass das 'drilling on wall street', also die Aktienrückkaufprogramme und hohe Dividendenausschüttungen, wieder verringert wurden", so Stöferle. Wie es mit BP nach dem verheerenden Öl-Leck weitergehen werde, kann auch der Erste-Bank-Analyst nicht beantworten. Der Image-Schaden sei aber enorm, die finanziellen Langfristfolgen nicht abschätzbar, meint der Rohstoffexperte. Und: "Ein Investment in BP-Aktien würde ich sicherlich nicht empfehlen." (rom)

ModeratorIn: Einen schönen guten Tag an alle unsere User und Userinnen. Wir begrüßen heute Ronald-Peter Stöferle, Erste-Group-Analyst und Rohstoff-Experte. Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion.

Ronald-Peter Stöferle: Herzlich willkommen, ich freue mich auf eine spannende Diskussion!

UserInnenfrage per Mail: Ist es jetzt schon zu spät, in Gold zu investieren?

Ronald-Peter Stöferle: Nein, meiner Meinung nach nicht. Inflationsbereinigt ist Gold nach wie vor günstig. In unserem neuen Goldreport, der nächste Woche Mittwoch erscheint, werde ich zahlreiche Gründe geben, wieso Gold weiterhin günstig bewertet ist.

UserInnenfrage per Mail: Ist zu befürchten, dass auch eine "Goldblase" in absehbarer Zeit platzt?

Ronald-Peter Stöferle: Die vielzitierte Gold-Bubble, halte ich für eine Mär. Beispielsweise sind die 16 größten Gold-und Silberproduzenten derzeit mit insgesamt USD 200 Mrd. bewertet, hier von einer Bubble zu sprechen ist klar überzogen. Derzeit sind ca. 0,8% aller Finanzassets in Gold investiert. 1980 waren es noch 26%. Zudem denke ich dass oft Bullenmärkte und Bubbles verwechselt werden. Gold ist definitiv in einem langfristigen Bullenmarkt, von einer Bubble sind wir noch weit entfernt!

UserInnenfrage per Mail: Valentin Berenberg: Denken Sie, dass Inflation oder Deflation das große Thema der nächsten Jahre sein wird?

Ronald-Peter Stöferle: Eine sehr gute Frage! Ehrlichgestanden traue ich mir nicht, diese Frage zu beantworten. Ich weiß aber dass Gold sowohl in einem deflationären Umfeld, als auch in der Inflation ein exzellentes Investment darstellt.

UserInnenfrage per Mail: Valentin Berenberg: Was sagen Sie zu den Manipulationsvorwürfen beim Gold?

Ronald-Peter Stöferle: Das würde ich recht nüchtern sehen. Wir wissen dass bei Währungen, am Bondmarkt und im Aktienmarkt interveniert wird. Wieso sollte es also bei Gold - das sicherlich soetwas wie ein Thermometer für den Finanzsektor darstellt - nicht so sein?

UserInnenfrage per Mail: Lieber Herr Stöferle. Als die große Kreditkrise 2007 ausgebrochen ist, haben alle gesagt, jetzt ist der Zeitpunkt, wo Gold auf 3.000 Dollar hochgehen wird. Besteht angesichts der Tatsache, dass die Krise doch tiefgehender ist, als je geschätzt wurde

Ronald-Peter Stöferle: Mein vor einigen Jahren formuliertes Kursziel liegt bei USD 2.300 je Unze. Dies ist das inflationsbereinigte Allzeithoch aus 1980. ich glaube nicht, dass die Probleme die wir derzeit haben, über Nacht gelöst werden können. Insofern denke ich, dass das Umfeld für Gold weiterhin exzellent sein wird.

Das Pulver aus dem Urzeit-Krebse wachsen: Hallo Herr Stöferle. Bei wieviel Euro (nicht Dollar!) per kg sehen Sie Gold heute in einem Jahr? So ein grob geschätzter Richtwert würd mir schon genügen. Danke.

Ronald-Peter Stöferle: Ich glaube dass wir auf Euro-Basis derzeit ein wenig überkauft sind, dh es sollte eine kleine Korrektur in den Bereich EUR 920 folgen. Auf Jahressicht denke ich dass wir pro Unze in eta auf EUR 1.200 steigen können.

UserInnenfrage per Mail: Sehen Sie eine Parallele zwischen dem hohen Ölpreis Mitte des Jahres 2008 und dem derzeitigen Allzeithochstandes des Goldes? Inwiefern kann dies in der Folge auch zu einem Wertanstieg von anderen commodities führen?

Ronald-Peter Stöferle: Eine exzellente Frage. Öl hat 2008 den inflationsbereinigten Höchststand um mehr als 50% überschritten. Ähnliches könnte ich mir auch beim Gold vorstellen. Wenn man sich Trends genauer ansieht, so erkennt man dass am Ende immer eine sogenannte "parabolische Phase" oder auch eine "5th wave" extension stattfindet. Das ist die sogenannte "Mania-Phase". Öl stieg von Mai 2008 bis Juli 2008 von USD 80 auf USD 150 je Barrel. Wie gesagt, etwas ähnliches könnte ich mir auch am Ende des Goldzyklus' vorstellen.

UserInnenfrage per Mail: Was meinen Sie? Kann BP die momentane Krise mit dem Öl-Leck überleben? Oder ist der Image-Schaden bzw. die finanzielle Belastung zu groß?

Ronald-Peter Stöferle: Das ist wirklich schwer zu beantworten. Ich denke dass der Imageschaden enorm ist. Ich hoffe für alle Beteiligten dass das Leck bald geschlossen werden kann. Die finanziellen Langfristfolgen abzuschätzen ist derzeit nicht möglich. Ein Investment in BP-Aktien würde ich sicherlich nicht empfehlen.

UserInnenfrage per Mail: Wieso wirkt sich eigentlich das BP-Desaster nicht stärker auf den Ölpreis aus?

Ronald-Peter Stöferle: Da es nur einen kleinen Teil der Angebotsseite betrifft. Derzeit werden ca. 85mb/d gefördert.

UserInnenfrage per Mail: Stefan Heinisch via Facebook: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Silber-Preises?

Ronald-Peter Stöferle: Ich denke dass Silber - im Rahmen eines steigenden Goldpreises - sicherlich outperformen kann. Wenn man sich die langfristigen Verhältnisse (Gold/Silber-Ratio) ansieht, dann erkennt man, dass Silber im Vergleich zu Gold sicherlich günstig bewertet ist. Im langfristigen Schnitt lag das Ratio bei ca. 15, derzeit stehen wir bei knapp 65. Zudem ist Silber - neben Gold - das einzige Edelmetall das einen monetären Charakter aufweist.

GreX78: Was sind für Sie die besten Investments in den nächsten 5 Jahren? (begründen bitte)

Ronald-Peter Stöferle: Also ich kann hier nur für meine Expertise - also Gold und Öl - sprechen, aber ich denke dass diese beiden Anlageklassen sicherlich in jedes gut diversifizierte Portfolio gehören. Bei Gold gefallen mir - neben dem physischen Investment - auch Goldminenbetreiber sehr gut. Im Ölbereich denke ich dass der Service-Sektor derzeit attraktiv bewertet ist.

UserInnenfrage per Mail: Wie sind die Öl-Konzerne allgemein aufgestellt nach der Wirtschaftskrise?

Ronald-Peter Stöferle: Ich denke dass die Majors die Krise genutzt haben, um die Kosten zu senken und sich auf die Kernsegmente zu beschäftigen. Auf Seite der großen US-Majors sieht man, dass das "drilling on wall street", also die Aktienrückkaufprogramme und hohe Dividendenausschüttungen, wieder verringert wurden.

UserInnenfrage per Mail: Die Meinungen wie hoch der Anteil der Spekulation beim Ölpreis ist, gehen weit auseinander. Wie ist da Ihre Einschätzung?

Ronald-Peter Stöferle: Ich wehre mich gegen die Spekulanten-Hetze beim Öl. Mehr als 60% des Spritpreises gehen an den Finanzminister, ca. 20% des Preises an der Tankstelle wird vom Spot-Markt beeinflusst. Angenommen Spekulanten machen in etwa 10-15% des Preises am Spot-Markt aus, so liegen die Belastungen für den Endverbrauch bei einigen wenigen Cents.

blitzfreak: Wo sehen Sie Ende des Jahres den Preis pro Unze Gold?

Ronald-Peter Stöferle: Die 2. Jahreshälfte ist normalerweise ein saisonal starker Zeitraum. Dies hat zahlreiche Gründe, beispielsweise das Diwali-Fest, die Wedding-Season, das Weihnachtsgeschäft der Juweiliere etc... Es wird sicherlich aber auch zur "selffulfilling-prophecy". Insofern denke ich dass wir bis zum Jahresende noch 15-20% Potenzial haben sollten.

Nikolaus Ritt #1: Guten Tag, meine Frage wäre, ob es für Kleinanleger leicht verständliche Möglichkeiten gibt, mittelfristig in Rohstoffe zu investieren? Gibt es zum Beispiel Index-Tracker Fonds? Ob Sie solche empfehlen würden, frage ich natürlich nicht.

Ronald-Peter Stöferle: Ja, hier gibt es zahlreiche Produkte, insb. ETF's und ETC's die die Rohstoffpreise abbilden. Grundsätzlich sind bei Produkten auf Rohstoffe, die Roll-Kosten (von einem Kontrakt zum nächsten) oft ein enorm großer Kostenfaktor. Dies gilt es vorher zu kontrollieren.

UserInnenfrage per Mail: Valentin Berenberg : Sind Sie weiterhin von USD 2.300 als Kursziel beim Gold überzeugt?

Ronald-Peter Stöferle: Ja, ich denke dass wir diese Marke am Ende des Zyklus' sehen werden. Wohlgemerkt ist dies das inflationsbereinigte Allzeithoch nach den offiziellen Inflationsdaten. Wenn man sich ansieht, wie die Berechnung im Laufe der Jahre verändert wurde (geometrische Gewichtung, hedonische Berechnung), so käme man (nach alter Methode) auf ein Kursziel von ca. USD 7.000 je Unze.

kurtfritz: sollte man gold jetzt verkaufen und aktien kaufen?

Ronald-Peter Stöferle: Das kommt ganz auf den persönlichen Veranlagungshorizont und ihre Risikobereitschaft an. Wie gesagt, ich denke dass für Goldinvestoren weiterhin "glänzende Aussichten" auf Sicht der nächsten Jahre bestehen. Es gibt aber auch am Aktienmarkt zahlreiche attraktive und unterbewertete Titel. Grundsätzlich empfehlen wir derzeit in unserer globalen Asset-Allocation eine neutrale Gewichtung von Aktien.

GreX78: Befürworten Sie die Rettungspakete (Banken sowie Staaten) ?

Ronald-Peter Stöferle: Ich denke es war eine Notwendigkeit. Fairerweise muß man jedoch auch sagen dass damit die Symptome, nicht die Ursachen der Krise, gelöst wurden.

UserInnenfrage per Mail: Peter Frankford: Was ist von den angeblichen Bodenschätzen in Afghanistan zu halten? Wie beeinflussen geografische Gegebenheiten (gebirgiges Land) und der de-facto-Kriegszustand in Afghanistan die Möglichkeiten und Kosten der Förderung?

Ronald-Peter Stöferle: Ich habe die Meldung gestern gelesen und finde das angebliche Potenzial von 1,1 Billionen USD recht lustig. Ja, Afghanistan hat geologisch und mineralogisch interessante Gebiete, das Potenzial aber so genau zu quantifzieren, ist unseriös.

Simplicius Simplicissimus: Was geschieht, wenn sich der Goldpreis verfünf- oder versechsfacht? Gibt es nach oben ein Limit, etwa Goldbesitzverbot und Zwang, seinen Goldbesitz abzugeben, wie es in der Vergangenheit, auch in den USA, schon geschah?

Ronald-Peter Stöferle: Der private Goldbesitz war in den USA, aber auch in China, über viele Jahrzehnte verboten. Ich denke aber nicht, dass es in einer so globalisierten Welt möglich ist, den privaten Goldbesitz zu verbieten. Das Gold würde dann wohl schnell in die Schweiz oder nach Indien transferiert werden...

GreX78: Sagen Ihnen die Namen "Gerald Celente", "Marc Faber" oder "Jim Rogers" etwas, wenn ja, was halten Sie von ihren sehr pessimistischen Ansichten für die Zukunft?

Ronald-Peter Stöferle: Natürlich, alle 3 Herrschaften sind exzellente Analysten und geben sehr pointierte und auch kontroversielle Aussagen. Marc Faber schreibt beispielsweise den "Gloom, Boom and Doom Report", insofern erwartet man von ihm sicherlich auch dass er einigen Hang zum Negativen hat. Aber wie gesagt, ich schätze alle 3 Herren sehr.

GreX78: Was halten Sie von Silber (unterbewertet gegenüber Gold, das Gold der armen leute ... ) ?

Ronald-Peter Stöferle: Das habe ich oben bereits teilweise beantwortet. Ich denke dass Silber - wenn man historische Vergleiche - heranzieht, in Relation zu Gold klar unterbewertet ist.

GreX78: Anschließende Frage: Welche Minenbeitreiber sind für Sie die attraktivesten derzeit?

Ronald-Peter Stöferle: Wir haben im Vorjahr einen Mining-Basket lanciert, der sich bereits nahezu verdoppelt hat. Darin sind ausschließlich kanadische Titel vorhanden, beispielsweise Osisko Mining, Detour Gold oder Goldcorp. Zudem haben wir auf unserer Aktien-Empfehlungsliste noch Titel wie Fresnillo, Silver Wheaton (beide aus dem Silber-Bereich), Real Gold oder Medusa Mining.

GreX78: Wie viel Gold und Silber (physisch) sollte jeder Österreich Ihrer Meinung nach besitzen?

Ronald-Peter Stöferle: Ich denke dass zumindest 5-10% in Gold und Silber allokiert sein sollten. Das Ausmaß hängt davon ab, wie das eigene Sicherheitsbedürfnis ist. Ich habe in meiner neuen Studie zahlreiche empirische Beweise, die belegen, dass Gold eine exzellente Portfolio-versicherung ist.

Zaphod PB: Welche Gefahren gibt es bei Gold für Investoren? Wie darf man sich das Platzen einer "Goldblase" vorstellen?

Ronald-Peter Stöferle: Wie schon eingangs bemerkt, denke ich dass wir von einer Blase weit entfernt sind. Erinnern Sie sich beispielsweise an die Nasdaq von 1988-2000, als sich die Kurse 2x in Folge verdoppelt haben und praktisch jeder in kuriose Internet-Start-Up's investiert hat. Davon sind wir noch weit entfernt. Ich denke dass aktuell gerade soetwas wie eine REMONTARISIERUNG von Gold stattfindet.

Katja Bauer1: Was meinen Sie, ist der Goldpreis ebenso volatil wie manch eine Aktie?

Ronald-Peter Stöferle: Gold wird oft als hochvolatil und spekulativ tituliert. Wenn man sich die Zahlen ansieht, erkennt man, dass Gold (auf 1,2 und 10-Jahressicht) deutlich weniger volatil (und somit spekulativ) wie andere Rohstoffe (Öl, Kupfer) oder auch Aktienindizes ist.

BankRott: Sg. Hr. Stöferle, wie ernst nehmen Sie noch die Aussagen eines Hrn. Nowotny bezüglich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung?

Ronald-Peter Stöferle: Ich respektiere seine Meinung, habe jedoch eine andere.

UserInnenfrage per Mail: Ilse Bauer: Freue mich für Dich und wünsche Dir weiter viel Erfolg!

Ronald-Peter Stöferle: Dankeschön :)

soulknot: Sind Rohstoffe, abgesehen von Gold, Silber und sonstigen beliebten Anlage-Rohstoffen, überhaupt geeignet für Kleinanleger, wenn ja welche?

Ronald-Peter Stöferle: Ja, das denke ich schon. Wenn man nicht die Zeit und Muße hat, das Börsengeschehen tagtäglich zu verfolgen, so würde ich physisches Gold und Silber empfehlen. Aktien aus diesem Bereich sind doch recht volatil, zudem haben sie ein klares operationales Risiko.

EINSZWO: Wie stehen sie zu einem Verbot der Spekulation mit Grundnahrungsmittel?

Ronald-Peter Stöferle: Das wird derzeit in den USA diskutiert und ich halte es für absolut notwendig. Lebensnotwendige Güter wie Reis, Mais oder Weizen dürfen nicht zum Spekulationsobjekt verkommen. Wobei Spekulation per se nichts schlechtes ist! Beispielsweise ist das Hedging für Fluglinien sicherlich nötig um eine gewisse wirtschaftliche Planung zu ermöglichen. Aber wie gesagt, bei Agrarrohstoffen würde ich -ausnahmsweise - mehr Regulierung goutieren.

ah na e: Hallo, wie stark sehen sie die Belastung für die Wirtschaft durch Parität von Euro/USD in Bezug auf Rohstoffkosten für Stahlindustrie? Bzw. in welchem %Satz können diese von den Stahlerzeugern weitergegeben werden?

Ronald-Peter Stöferle: Sie meinen eine mögliche Parität von Dollar und Euro, oder? Vor einem Jahr hiess es noch dass Euro-Dollar bald bei 2 stehen wird, jetzt ist es die Parität. Ich denke dass derzeit eine Bodenbildung stattfindet. Die Auswirkungen eines schwachen Euros sind für exportorientierte Nationen wie D oder Österreich überwiegend positiv.

Misery Goat: Mit welcher Entwicklung des Rohölpreises ist in den kommenden fünf Jahren grob zu rechnen?

Ronald-Peter Stöferle: Ich habe meine Glaskugel heute morgen leider nicht geputzt :) Nein, ich habe in meinem letzten Report geschrieben dass ich für Jahresmitte eine Trendumkehr sehe. Die ist nun etwas früher gekommen. Auf Jahressicht erwarte ich einen Durchschnittskurs von USD 72 je Barrel. Langfristig denke ich, dass USD 100 wieder klar überschritten werden. Das Peak-Oil Szeario (das ich ebenso bei Gold sehe) ist intakt. Es gibt zwar mehr als genügend Öl, die Frage ist jedoch zu welchem Preis ich es aus dem Boden holen kann. Die günstig und einfach abzubauenden Ressourcen sind jedenfalls größtenteils bereits abgebaut.

GreX78: Ist es nicht sehr kurios, dass alle Länder die in den letzten Jahren von den USA angegriffen/besetzt wurden reich an Bodenschätzen sind?

Ronald-Peter Stöferle: Eher logisch, als kurios würde ich sagen.

Biergourmet: Ich habe vor ab Oktober Erdwissenschaften mit dem Schwerpunkt Geologie zu studieren um anschließend im Bereich der Exploration arbeiten zu können. Wie stehen für Sie die Jobchancen in Zukunft für diesen Bereich?

Ronald-Peter Stöferle: Zu diesem Entschluss kann ich Ihnen nur herzlich gratulieren, ich weiß dass - beispielsweise die Absolventen in Leoben - bereits vor Graduierung, zahlreiche Jobangebote bekommen.

UserInnenfrage per Mail: Inwieweit werden die Schwankungen des Euro langfristig Einfluss auf den Goldpreis haben?

Ronald-Peter Stöferle: Die Allzeithochs wechseln sich sukzessive ab. Wir haben zuletzt in allen (Papiergeld)währungen Allzeithochs gesehen, egal ob im EUR, USD, CHF oder auch den asiatischen Währungen. Wenn Sie so wollen steigt nicht der Goldpreis, sondern es sinkt die Kaufkraft der div. Währungen.

Alex popelino: Ein weltweites Verbot des Rohstoffhandels ist meiner Meinung nach dringenst notwendig. Wie argumentieren Sie, um dies zu verhindern?

Ronald-Peter Stöferle: Das ist völlig ausgeschlossen,überlegen Sie einmal. Österreich verfügt zwar über Öl und Gas, aber wir können die Eigenbedarf nie und nimmer decken. Gleiches gilt für zahlreiche andere Rohstoffe.

ah na e: wie ist es möglich dass Kurzziele von Analysten absolut unverständlich weit auseinander liegen? z.B für Voestalpine

Ronald-Peter Stöferle: Das liegt an den unterschiedlichen Annahmen in den Modellen. Es ist aber klar positiv, stellen Sie sich vor jeder hätte die gleichen Erwartungen, das wäre doch der perfekte Kontraindikator.

stefan fragner1: Herr Stoeferle, etwas off-topic, jedoch trotzdem brisant: wer wird Ihrer Meinung nach Gold bei der WM holen?

Ronald-Peter Stöferle: Hehe, der WM-Pokal ist bei derzeitigem Goldpreis einiges wert :) Persönlich muß ich gestehen, dass mir - auch wenn das als Österreicher ein bisserl wehtut - die Deutschen bisher sehr gut gefallen haben...Aber warten wir einmal die Spanier heute ab..

himmekreizbianbamundhollastaudn: Lieber Herr Stöferle, wie sehen Sie die Rolle der Ratingagenturen mittelfristig?

Ronald-Peter Stöferle: Ich hoffe dass eine europäische Ratingagentur etabliert wird, wir sind derzeit viel zu stark von den Meinungen der US-Häuser abhängig.

pert17: Die Preisbindung von Gas an Öl befindet sich in "Auflösung". Was sind Ihrer Meinung nach die Auswirkungen auf den Gaspreis und was bedeutet das für die großen versorger?

Ronald-Peter Stöferle: Ich bin was den Gaspreis betrifft, sehr zuversichtlich. Denke hier ist das Potenzial größer als bei Öl. Ich halte Shale Gas (also Schiefer-Gas) für eine der interessanten Investment-Opportunitäten im Energiebereich.

iano mai: Die unumgängliche Frage: Peak Oil - wann werden wir es erleben und welche Auswirkungen wird das auf die Weltwirtschaft haben?

Ronald-Peter Stöferle: Ich denke dass wir nicht weit davon entfernt sind. Wenn ich mir vor Augen halte dass die großen Funde vor der brasilianischen Küste in einer Tiefe von mehreren Kilometern liegen und dann noch eine 2km dicke Salzschicht durchbohrt werden muß, für bezeichnend. Wie vorher gesagt: die einfach und günstig abzubauenden Ressourcen (in politisch halbwegs stabilen Regionen) sind größtenteils abgebaut.

Kamaswami: Bei Oel und BP wird uns derzeit stark bewusst welche Auswirkungen der schonungslose Abbau von Ressourcen haben kann. Die Goldminen-Betreiber Australiens, Ost-Afrikas oder der Phillippinen haben eine nicht weniger dramatische Geschichte und zum Teil

Ronald-Peter Stöferle: Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, der Abbau von Öl aber auch Gold findet teilweise unter schrecklichen und ökologisch fragwürdigen Bedingungen statt. Insbesondere beim Gold-Abbau in Afrika gibt es fürchterliche Bilder. Insofern kann ich nur Aktien von Unternehmen empfehlen, die die Gesetze und Auflagen erfüllen. Ich war beispielsweise im Vorjahr in zahlreichen Minen in Neuseeland und Australien. Glauben Sie mir, die Auflagen was Umwelt und Sicherheit betrifft, sind hier (gottseidank) enorm.

BankRott: Sg. Hr. Stöferle, sind Ihre Reports frei erhältlich, bzw. im Internet zu finden?

Ronald-Peter Stöferle: Ja, sie sind gratis, hoffentlich nicht umsonst :) Man kann sie auf http://research.erstegroup.com abrufen. Wie gesagt, der neue Goldreport erscheint am 23. Juni.

efford: Ist es richtig, dass zur seriösen Quantifizierung von Rohstoffvorkommen -Menge und Wert- jahrelange Explorationen und gewisse standadisierte Verfahren nötig sind, die international anerkannt sein müssenß

Ronald-Peter Stöferle: Vollkommen korrekt. Bei Gold dauert es zB von der ersten Explorationsbohrung, bis zum Fördern der ersten Unze in etwa 8 bis 10 Jahres. Auch dies ist ein Eckpfeiler meines positiven Goldpreisszenarios.

ModeratorIn: Wir bedanken uns sehr herzlich bei Ronald-Peter Stöferle und unseren Usern und Userinnen für die rege Beteiligung und wünschen einen angenehmen Tag.

Ronald-Peter Stöferle: Herzlichen Dank für die spannende Diskussion. Ich hoffe, die meisten Fragen gut beantwortet zu haben! Liebe Gruesse, Ronald Stöferle!

Share if you care.