Iran-Sanktionen

"Amerikaner heben den Finger, Europäer kuschen"

András Szigetvari, 15. Juni 2010 21:25

Die neue Runde von Sanktionen gegen den Iran trifft auf harte Kritik in der Wirtschaftskammer, die Wettbewerbsnachteile für Europa fürchtet

Wien/Teheran - Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat der österreichische Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl am Dienstag die neue Sanktionsrunde gegen den Iran kritisiert. "Die Amerikaner erheben den Zeigefinger, und die Europäer kuschen", sagte Leitl. "Europa sperrt die Tür zum Iran zu, für Asien geht die Tür damit erst auf." Und: Die Amerikaner würden über Umwege ohnehin ihr Geld im Iran investieren können, "damit sind es am Ende die Europäer, die draufzahlen", sagte Leitl dem Standard.

Auslöser sind zwei Beschlüsse, die gegen die iranische Atompolitik gerichtet sind. In der Vorwoche hat die Uno neue Sanktionen beschlossen, am Montag haben sich auch die EU-Außenminister auf neue Strafmaßnahmen geeinigt. Die Pläne der Europäer gehen über die Uno-Vorgaben klar hinaus.

In der Uno wurde ein bestehendes Waffenembargo ausgeweitet, die Konten von 15 zusätzlichen iranischen Firmen werden eingefroren. Darüber hinaus darf künftig eine iranische Bank keine Auslandsfilialen eröffnen, wenn sie verdächtigt wird, das Atomprogramm zu unterstützen.

Die EU-Außenminister planen nun auch ein generelles Verbot für Investitionen in die Gas- und Ölindustrie des Iran und den Transfer von Energietechnologien. Der US-Kongress, der sich dem Thema Iran besonders akribisch widmet, listet derzeit 41 ausländische Firmen auf, die im iranischen Energiesektor tätig sind.

Fehlende Partner

Darunter finden sich die französische Total und die OMV. Allerdings haben die meisten europäischen Ölriesen ihre Projekte im Iran gestoppt. Total hat mehrere Verträge zur Weiterentwicklung des weltgrößten Erdgasfeldes South Pars im Persischen Golf. Total kündigte wie Royal Dutch Shell und die spanische Repsol 2008 einen Stopp seiner Aktivitäten an, auch die OMV ist nach eigenen Angaben derzeit nicht operativ im Iran tätig.

"Das Investmentverbot wird den Iran dennoch treffen", sagt Karbuz Sohbet vom französischen Forschungsinstitut Observatoire Méditerranéen pour l'Energie (OME) in Nanterre. Am schlimmsten für Iran sei, dass South Pars ohne westlichen Partner nur beschränkt weiterentwickelt werden kann. Der Iran hat sich zwischenzeitlich zwar einen chinesischen Partner, die China National Petroleum Corporation, für South Pars geholt. Die Chinesen können das Gasfeld erschließen, aber sie verfügen nicht über Technologie, größere Gas-Verflüssigungsanlagen zu bauen, was für den Transport des Rohstoffes notwendig ist.

Durch einen Investmentstopp ist zudem der Bau einer iranisch-pakistanischen Pipeline gefährdet, auf den sich die beiden Länder im Mai geeinigt hatten. Die Pipeline soll 1,5 Milliarden Dollar kosten. Ohne Finanzierung europäischer Banken könnte das Projekt wackeln, sagt Sohbet.

Die EU will aber nicht nur die Ölindustrie treffen. Zusätzlich sollen nach dem Vorschlag der Minister, der im Juli offiziell beschlossen werden soll, Schiffe der Rederei Irisl (Islamic Republic of Iran Shipping Lines) keine europäischen Häfen mehr anlaufen dürfen, geplant sind auch Beschränkungen für Lufttransport.

Irisl ist die größte iranische Rederei. Dem staatlichen Unternehmen wird vorgeworfen bestehende UN-Sanktionen umgangen zu haben. Über die Wirksamkeit dieses Verbots scheiden sich die Geister: Iran-Experte Walter Posch spricht von einem harten Schlag, Günther Schabhüttl von der Österreichischen Außenhandelsstelle in Teheran glaubt, dass internationale Reedereien ihre Dienstleistungen an den Iran weiter anbieten werden, wodurch das Embargo kaum Auswirkungen hätte. Beschränken will die EU schließlich auch Versicherungen (siehe Wissen). Ob die neuen Sanktionen österreichische Firmen im Iran treffen werden, steht laut Wirtschaftskammer übrigens noch nicht fest. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2010)

Wissen: Benzinlieferungen im Visier

Nicht nur Uno und EU beschließen neue Sanktionen gegen den Iran, auch der US-Kongress bereitet ein neues Paket vor. Im Kongress sind zwei Gesetzestexte ausgearbeitet worden, im Fokus stehen diesmal vor allem Benzinlieferungen an den Iran. So wollen die USA künftig ausländische Firmen bestrafen, die sich an den Benzinlieferungen beteiligen. Laut Experten würde das Teheran hart treffen.Der Iran sitzt zwar auf den weltweit drittgrößten Erdölreserven, wegen fehlender technischer Kapazitäten kann das Land sein Öl aber nicht selbst raffinieren und muss Benzin in großen Mengen importieren. Senat und Repräsentantenhaus haben bereits zwei Vorlagen verabschiedet, die unter anderem ausländische Exportversicherungen abstrafen, die Benzinlieferungen an den Iran weiter versichern. US-Präsident Barack Obama zeigte sich den Vorlagen gegenüber bisher zurückhaltend.

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Vincent_Vega
13.09.2011 18:40
darf man fragen wie die Sanktionen eigentlich gerechtfertigt werden??ß

das atomprogramm kann ja wohl kaum ein grund sein, warum man benzinlieferungen an den iran sanktioniert...

naja wenigstens bleibt der iran durch diesen schwachsinn unabhängig von ausländischen technologien und sonstigen "verbotenen"...

as asdad
17.06.2010 12:17
Leitl ist ein Unmensch

So offen wie er erlauben es sich nicht mal die Chinesen und Russen ihre skrupellosen Interessen zu formulieren. Meist tut man wenigstens aus Anstand so, dass einem die Menschen wichtig wären.

Leitl hingegen kennt nur seine Geschäftszahlen, die stimmen müssen. Und dass die USA "trotzdem" irgendwie Geschäfte mit dem Iran machen würden ist mir sehr schleierhaft und riecht mehr nach Verschwörungstheorie, denn seriöser Einschätzung der Lage.

Slaveverwandler
30.06.2010 02:11
Ein Lob dem Unternehmertum (aka. Wirtschaft)

Sie werden sicher haarsträubende Ausnahmen finden, aber gerade in den Problemregionen dieser Welt sind Jobs eine Grundbedingung dafür, dass es besser wird - dafür leg ich meine Hand ins Feuer.

Gibt's keine Jobs ist über kurz oder lang eine Waffe in die Hand zu nehmen die einzige Art zu überleben, als Polizist, Soldat, Söldner, Monotheist, was auch immer.

Jobs Jobs Jobs,
und dann Friede,
und dann bessere Jobs, Jobs, Jobs
und dann Krankenhaus, Schule, Spass.

Wustet ihr, das jetzt in China ein Umwelttech-Boom losbricht? Wer macht mit, du oder ich?

Wirtschaft machen vor allem Leut wie du und ich, die sich trauen an sich und die bessere Welt zu glauben.
Nicht die Mrd. schweren Verbrecher im Fernsehen, nicht die Mafia.

munter bleiben

Jimmy_Ringo
17.06.2010 09:43
unglaublich


nie im Leben hätte ich gedacht, dass sich in Österreich jemals eine Person öffentlich gegen die Machtspiele der USA stellt.

Ich frage mich, wie lange er noch in seiner Position nun bleiben darf. Wer solche Aussagen tätigt muss auch in Ö mit Konsequenzen rechnen.

"Das Investmentverbot wird den Iran dennoch treffen", sagt Karbuz Sohbet vom französischen Forschungsinstitut Observatoire Méditerranéen pour l'Energie (OME) in Nanterre. "

Also richten sich die Sanktionen gegen alle Iraner, eine Art der Kriegserklärung. Der Unsicherheitsrat zeigt wieder mal seine Fratze.

Johann Hunger1
16.06.2010 11:34
Haben die EuropäerInnen auch den Finger gehoben, als die usa ohne UN-Beschluß im Irak einmaschierten?

Gab es auch UN-Embargos gegen die usa?

käptn iglo's rache
16.06.2010 09:20
unglaublich, dass ich ..

... dem leitl mal zustimmen muss. recht hat er in dem fall!

walterbasler
16.06.2010 07:58
Typisches Klientelpalaver !!

(mind your braces, fellow )

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
16.06.2010 07:40

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl am Dienstag die neue Sanktionsrunde gegen den Iran kritisiert.


der mann hat recht und jeder wirtschaftskenner weiss das,ich hoffe nur das der gute mann kein fallschirm springer ist,Möllemann lässt grüssen.

farbwechsel
15.06.2010 19:56

da sind sie wieder die goldenen ami kniescheiben

Mike Myers
15.06.2010 19:45
"Amerikaner heben den Finger, Europäer kuschen"

zum Glück, denn mit Chamberlain-Policy werden wir dem Freizeithistoriker in Teheran nicht erfolgreich begegnen...

(.Y.)
17.06.2010 02:37

Es sind die USA, die einen Krieg nach dem anderen fuehren. Immerhin haben sie in den letzten Jahren schon 2 Nachbarstaaten des Iran angegriffen und ziemlich viel BLutbad angerichtet.

Wann hat der Iran zuletzt ein Land militaerisch angegriffen?

Mike Myers
17.06.2010 07:58
man kann ruhig mal davon ausgehen,

dass der Iran gegen Bahai und Homosexuelle Krieg führt.

(.Y.)
17.06.2010 20:02

Warum ist dann Saudi-Arabien unser grosser Freund und Verbuendeter?

Mike Myers
18.06.2010 02:14
und was hat das genau mit den Menschenrechtsverletzungen im Iran zu tun?

Oder sehen Sie über die einfach hinweg, so wie die Amerikaner in Saudi Arabien? Woher nehmen Sie dann ihre moralische Überlegenheit um die USA zu kritisieren?

(.) (.)
18.06.2010 15:09
Da Sie mein Posting nicht verstanden haben,

helfe ich Ihnen gerne weiter:

Es geht beim Iran nicht um Menschenrechte oder Angst vor einem militärischen Angriff des Irans, sondern ganz einfach um das Öl. Es geht also nicht um Moral, sondern um Geld.

Länder mit viel Öl müssen Regime haben, die dem WEsten gut gesinnt sind. Ob sie Menschenrechte einhalten ist nebensächlich. Saudi-Arabien gehört also zu den Guten, Iran und Venezuela zu den Bösen.

Mike Myers
29.06.2010 15:41
okay,

Sie bleiben also dabei: Da es den Amerikanern ums Geld geht, sehen Sie über die unappetitlichen Begleiterscheinungen des Freizeithistorikers hinweg...übrigens, einfach zum Nachdenken: Wie viel Öl gabs nochmals in Bosnien?

(.) (.)
29.06.2010 19:58

Am Balkan geht es den Amerikanern nicht um Oel, sondern darum mit ihren Verbuendeten und Stuetzpunkten moeglichst nahe an Russland zu kommen.

Die Tatsache, sdass einige 9/11-Attentaeter auch mit Unterstuetzung der USA beim Bosnienkrieg gegen die Christen in Bosnien gekaempft haben, ging leider in der Oeffentlichkeit etwas unter.

Mike Myers
30.06.2010 12:33
sie sagen ja noch immer nichts

zu den Ansichten des Freizeithistorikers - teilen Sie etwa seine Ansichten?

Und warum die Nato Basen in Bosnien braucht, wenn Rumänien und Bulgarien bei der Nato sind konnte bleibt beim Blick auf die Landkarte ein Rätsel...

Und wer hat in Srebrenica nochmals Völkermord begangen...aja, die Christen waren es wie Sie so treffend schreiben. Vielleicht ist Religionszugehörigkeit doch weniger entscheidend als individuelle Verbrechen?

Also - sagen´S mal was zum Freizeithistoriker!

Ggg14
15.06.2010 21:27

Na wenn man der Meinung ist, dass man ihm "begegnen" muss, dann sollte man sich etwas Wirksames überlegen. Diese Sanktionen treffen nur die einfachen Leute und die Europäer, sonst gar nix.
Welcher Schurkenstaat wurde je durch Sanktionen zu Fall gebracht?

Mike Myers
15.06.2010 23:55
zum Beispiel

DDR,
CSSR,
VR Ungarn,
VR Rumänien,
UdSSR

(.Y.)
17.06.2010 02:34

Was fuer Sanktionen waren das denn?

Mike Myers
17.06.2010 08:03
vor allem im Bereich

Technologie (Zivil und Rüstung gleichermaßen).

Auch das Apartheidregime in Südafrika ist durch Embargos entsprechend geschwächt worden, was den Machtwechsel in den 90ern begünstigt hat.

(.Y.)
17.06.2010 20:01
Gegen Suedafrika gab es ein Embargo

Aber es gab weder ein Embargo gegen Ungarn, CSSR, DDR oder die UdSSR.

Und den Technologietransfer im Ruestungsbereich haben schon die Spione besorgt.

Mike Myers
18.06.2010 02:11
das ist falsch,

sonst hätte es ja wohl nicht die Spione gebraucht 8-)

Johann Hunger1
16.06.2010 11:36
Und wann fällt die usa?

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