Großbanken sortieren Griechen-Anleihen aus

15. Juni 2010, 17:29
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Griechische Staatsanleihen haben keinen leichten Stand, die EZB ist praktisch der einzige große Aufkäufer in Europa

London/New York - Nach der Herabstufung Griechenlands durch die Ratingagentur Moody's sortieren Großbanken die Hellas-Bonds mit Ramschstatus aus vielen Indexprodukten heraus. Barclays Capital teilte am Dienstag mit, die Papiere ab dem 1. Juli aus dem Global Aggregate, dem Global Treasury, Euro Aggregate sowie dem Euro Treasury streichen zu wollen. Den Staatsanleihen des hoch verschuldeten EU-Landes droht auch der Rausschmiss aus einem wichtigen Index der Citigroup: dem WGBI. Gegenwärtig sind 23 griechische Staatsanleihen im WGBI vertreten - dies entspricht einem Marktwert von 213,6 Mrd. Dollar (174 Mrd. Euro).

Investoren, die bei ihren Anlageentscheidungen einen der von griechischen Bonds bereinigten Indizes abbilden, müssen die entsprechenden Papiere nun abstoßen. Barclays Capital zufolge sind durch die Veränderung ihrer Indizes Papiere im Volumen von rund 200 Mrd. Euro betroffen. Werfen Anleger Anleihen auf dem Markt, so drückt dies die Kurse und die Renditen steigen an.

Als praktisch einziger großer Aufkäufer in Europa agiert derzeit Händlern zufolge die EZB, die mit einem Bond-Ankaufprogramm am Sekundärmarkt zur Stabilisierung des Marktes beiträgt. Sie verschärfte nun allerdings ihre Anforderungen für die Hereinnahme von Hellas-Bonds als Sicherheit. Es werde ein zusätzlicher fünfprozentiger Abschlag fällig, wenn Banken diese als Sicherheiten für Zentralbankgeld geben wollten, sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB).

Zweifel an Gesundung

Moody's hatte am Montag die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf Ramschstatus gesenkt und damit an den Finanzmärkten erneut Zweifel an einer schnellen Gesundung der Euro-Zone geschürt. Die EU sieht das Timing kritisch: Wirtschaftskommissar Olli Rehn nannte den Zeitpunkt der Herabstufung Griechenlands durch Moody's "erstaunlich und unglücklich". Die Entscheidung der Agentur, die Kreditwürdigkeit des südeuropäischen Landes am Montag auf Ramschstatus abzusenken, berücksichtige nicht die aktuelle Entwicklung des Landes. Damit werde die Debatte über die Rolle und Aufgaben der Ratingagenturen wieder angeheizt.

Nach der Herabstufung griechischer Anleihen hat sich auch die Refinanzierung des hoch verschuldeten Euro-Landes wieder verteuert. Die Risikoaufschläge für zehnjährige Anleihen kletterten im Vergleich zu deutschen Bonds zeitweise auf 646 Basispunkte nach 592 Basispunkten am Montagabend. Da Griechenland aber auf den europäischen Rettungsschirm zurückgreifen kann, muss das Land derzeit den Kapitalmarkt nicht anzapfen. Allerdings soll im Juli ein Geldmarktpapier mit kurzer Laufzeit auf den Markt gebracht werden.

Dies könnte kostspielig werden, denn die Investoren bitten derzeit selbst Spanien, das nicht so tief im Schuldensumpf steckt, für Anleihen mit einer kurzen Laufzeit kräftig zur Kasse. Bei der Emission von zwei Geldmarktpapieren mit Laufzeiten von zwölf und 18 Monaten stiegen die Zinssätze deutlich: Für die Einjahres-Anleihe verlangen Investoren 2,3 Prozent, verglichen mit 1,59 Prozent bei der jüngsten vergleichbaren Emission im Mai, wie das Finanzministerium mitteilte. Bei dem 18-Monats-Papier stieg der Zins sogar auf 2,84 Prozent nach 1,95 Prozent im Mai. Die Nachfrage war zwar gut. "Es kann aber kaum als Erfolg gesehen werden, dass Spanien mit 5,2 Mrd. Euro Emissionsvolumen am unteren Ende der angestrebten Spanne liegt", sagte Marc Ostwald von Monument Securities.

"Es stellt sich auch die Frage, ob Moody's nach diesem Ergebnis bei seiner Top-Bewertung für Spanien bleiben kann", fügte Ostwald an. Die Ratingagentur Fitch hatte vergangenen Monat Spanien eine schlechtere Note gegeben. Am Donnerstag will die Regierung in Madrid mit einem zehnjährigen und einem 30-jährigen Papier bis zu 3,5 Mrd. Euro aufnehmen. (APA/Reuters)

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    Großbanken zeigen griechischen Staatsanleihen die rote Karte.

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