Holzindustrie leidet unter Rohstoffmangel

15. Juni 2010, 15:04
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Die Produktion ist 2009 um 16 Prozent gesunken, die Exporte brachen ein. 2010 sollte es wieder aufwärts gehen

Wien - Österreichs Holzindustrie klagt über zu wenig Rohstoff. Nicht nur die Sägewerke, auch die Platten- und Papierindustrie leiden derzeit unter zu wenig Holz. Der Rundholzvorrat habe zu Jahresbeginn historische Tiefststände erreicht, sagte Erich Wiesner, Obmann des Fachverbandes der Holzindustrie Österreichs, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Derzeit sei nur ein Drittel der durchschnittlichen Verfügbarkeit da. Die Folge seien Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent.

Nicht nur in Österreich, in ganz Mitteleuropa haben die Waldbauern ihren Holzeinschlag zuletzt stark reduziert, weil diese den - krisenbedingten - rückläufigen Holzmarkt nicht mit Rohstoff überschwemmt wollten, erläuterte Wiesner. Seit Jahren gebe es hierzulande auch das Problem, die kleinstrukturierten Waldbauern zu mobilisieren.

Ein weiterer Grund: Nach den zahlreichen Stürmen habe es bei gewissen Flächen eine Übernutzung gegeben, weshalb der Einschlag nun wieder zurückgefahren werde. Vielen lassen zudem in Krisenzeiten ihr "Kapital im Wald stehen". Der Fachverband appellierte daher an die Forstbetriebe, "die Wertschöpfungskette wieder in vernünftigem Ausmaß mit Rohstoff zu versorgen".

Als Folge des Mangels auf der Angebotsseite sei der Holzpreis "explodiert" und von zuletzt 70 auf 85 Euro je Festmeter gestiegen. Und das sei auf den Schnittholzmärkten schwer unterzubringen. Es sei zu erwarten, dass sich die höheren Holzpreise auch auf die Biomasse-Preise bzw. die Energiekosten durchschlagen werden.

Produktionsrückgang

Österreichs Holzindustrie verzeichnete 2009 einen Produktionsrückgang von 16,4 Prozent auf 6,12 Mrd. Euro. Wesentliche Exportmärkte seien weggebrochen, die Neubautätigkeit habe durch das Platzen der Immobilienblase abgenommen und auch die öffentliche Hand sei aufgrund der hohen Verschuldung zurückhaltend bei Investitionen gewesen, erläuterte Wiesner.

Nachdem die Holzindustrie die Wirtschaftskrise schon relativ früh zu spüren bekommen habe - im 1. Quartal 2009 wurde ein Produktionsminus von 26,1 Prozent verbucht - sei nun bereits wieder eine gewisse Erholung zu bemerken, zeigte sich der Fachverbands-Obmann zuversichtlich. 2010 dürfte die Produktion und auch die Beschäftigung wieder zunehmen. 2009 waren im Sektor 27.875 Personen beschäftigt, um 2.971 Mitarbeiter oder 9,63 Prozent weniger als 2008.

Auch die Exporte der Holzindustrie sind im Vorjahr eingebrochen, im Jahresvergleich um 16,4 Prozent auf 4,56 Mrd. Euro. Die Exportquote lag bei 74 Prozent. Wichtigste Abnehmerländer sind Deutschland und Italien. Insgesamt gehen Holzlieferungen im Wert von 3,48 Mrd. Euro in die EU (minus 16,1 Prozent). Die Importe sind um 7 Prozent auf 3,14 Mrd. Euro gesunken. Der Produktionswert der europäischen Holzindustrie liegt bei 269 Mrd. Euro.

Die Handelsbilanz der Holzindustrie war 2009 erneut positiv und erreichte 1,43 Mrd. Euro. Zusammen mit der Forstindustrie liege der Außenhandelsüberschuss auf fast gleichem Niveau wie der Tourismus, hob Wiesner die volkswirtschaftliche Bedeutung des Sektors hervor. Österreichs Holzindustrie zählte zuletzt 1.547 aktive Betriebe, davon sind 1.200 Sägewerke.

Mehr Investitionen in Ausbildung

Stärker investieren wolle die Holzindustrie künftig in die Ausbildung. So seien 16,5 Mio. Euro in den Ausbau des Schulstandortes in Kuchl geflossen. Der neue Lehrberuf "Holztechnik" soll das Interesse an der Lehre aufrecht erhalten. Auch die Teilnahme an europäischen Forschungsinitiativen soll künftig forciert werden. (APA)

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