Hören, staunen, tanzend demonstrieren

16. Juni 2010, 10:54
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Am Samstag rollen zum bereits vierten Mal die musikalischen Wagen der "Freeparade" durch Wien, ihr Protest richtet sich vor allem gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung

Schon zum vierten Mal werden kommenden Samstag, den 19. Juni, zahlreiche mit Musikanlagen beladene Lastwagen bei der Freeparade vom Europaplatz ausgehend durch die Wiener Innenstadt rollen und scheuklappen-durchdringend die Bezirke mit vorwiegend elektronischer Feinkost versorgen. Waren es im vergangenen Jahr über 5.000 TeilnehmerInnen,  so werden auch heuer wieder mindestens so viele Menschen bei der Demonstration "gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung, zunehmende Repression gegen linke AktivistInnen und die allgegenwärtige staatliche Überwachung" erwartet.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die weltweite wirtschaftliche Schieflage massive Zweifel am kapitalistischen System erlaubt, wollen die Freeparade-AktivistInnen und ihre TeilnehmerInnen "selbstorganisierte, alternative Lebensformen zum derzeitigen System aufzeigen". Es soll "ein Lebensgefühl vermittelt werden, das auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit basiert und dem die Meinung zugrunde liegt, dass tatsächliche gesellschaftspolitische Veränderungen in der Verantwortung jedes/r Einzelnen liegen und Politik nicht nur von Parteien ausgeht".

Parallel in Paris

Dass diese friedliche Demonstration, die übrigens auch parallel in Paris stattfindet, ob ihrer revolutionären Gedanken nicht nur auf Gegenliebe stößt, darf außer Zweifel gestellt werden, doch antikapitalistische Systemkritik, auch wenn sie gut gemeint ist, ruft nicht selten staatliche Reaktion auf den Plan.

In diesem Zusammenhang verweisen die Freeparade-AktivistInnen auf den aktuellen Prozess gegen TierrechtlerInnen auf Basis des sogenannten und umstrittenen "Mafiaparagraphen" 278a oder auf die "eskalativen Polizeiübergriffe auf linke Demonstrationen bei der NO-WKR-Ball-Demo Ende Jänner".

Einen Dorn im Auge der Freeparade-AktivistInnen bildet aber auch die "rechtskonservative Stimmung, die immer breitere Teile unserer Gesellschaft erfasst". Nachdem Bürgermeister-Aspirant H.C. Strache martialisch die "Schlacht um Wien" ausgerufen hat, will man "zeigen, dass ein entschlossenes und gemeinsames Vorgehen gegen die politische Rechte wichtiger denn je ist". (red, derStandard.at, 16.6.2010)

Link:

Freeparade

Route:

Europaplatz (Christian-Broda-Platz) - Mariahilferstraße - Neubaugasse - Lerchenfelderstraße - Blindengasse - Zwischenkundgebung PAZ/Schubhäfn: Blindengasse/Ecke Breitenfeldergasse Breitenfelder Gasse - Feldgasse - Alserstraße -  Zwischenkundgebung Landesgericht: Alser Straße/ Ecke Wickenburggasse - Universitätstraße - Schottenring - Zwischenkundgebung Börse: Schottenring/ Ecke Wipplingerstraße - Hoher Markt - Rotenturmstraße - Wollzeile - Ring bis Schwarzenbergplatz - Lothringerstraße bis zur Abschlusskundgebung im Resselpark.

  • Die Freeparade 2009
    foto: derstandard.at

    Die Freeparade 2009

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    flyer: freeparade
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