Neue Therapie bei metastasierendem Melanom

15. Juni 2010, 13:46
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Antikörper Ipilimumab verlängert Überlebenszeit beträchtlich

Wien - In Österreich sterben jedes Jahr ungefähr 400 Menschen an Melanomen. Obwohl dieser sogenannte "Schwarze Hautkrebs" nur zwei Prozent an allen bösartigen Hauttumoren ausmacht, ist er für 75 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Nun gibt es einen neuen Therapieansatz bei Fällen mit metastasierendem Melanom: Durch Wirkstoff Ipilimumab, ein Antikörper, kommt es zu einer verstärkten Immunantwort, die zu einer beträchtlichen Verlängerung der Überlebenszeit führt. Darauf wies Hubert Pehamberger, Vorstand der Uni-Klinik für Dermatologie am Wiener AKH, am Dienstag bei einer Pressekonferenz anlässlich der Zertifizierung des Hautumorzentrums durch die Deutsche Krebsgesellschaft hin.

Der Antikörper richtet sich gegen das Gen CTLA4 an T-Lymphozyten, das deren Wirkung gegen den Krebs blockiert. Eine internationale Studie dazu, an der auch das Hauttumorzentrum (HTZ) beteiligt war, wurde vergangene Woche bei der Plenarsitzung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago präsentiert und erschien zeitgleich im New England Journal of Medicine. Mit Ipilimumab leben 44 bis 46 Prozent der Patienten mit metastasierendem Melanom mindestens ein Jahr, 33 bis 24 Prozent mindestens zwei Jahre.

Durchbruch mit Kombinationstherapie

Die Forschung auf dem Gebiet schreitet voran. Pehamberger erwartet, dass Kombi-Therapien einen weiteren Durchbruch bringen werden, zumal bei Immuntherapien der Erfolg mit der Zeit abflacht, wie der Onkologe Christoph Zielinski, Vorstand der Uni-Klinik für Innere Medizin I, erläuterte. Einen weiteren, individuellen Behandlungs-Ansatz gibt es durch die Analyse von Genmutationen. "Das wird die Therapie der Zukunft sein", meinte Pehamberger.

Im HTZ werden unter Einbindung aller Disziplinen jährlich mehr als 3.000 Patienten behandelt. Für die Betroffenen hat das den Vorteil, dass umsdie herum ein Team von Top-Experten tätig ist und sie nicht von einer Abteilung zur anderen - je nach Behandlungsschritt - "wandern" müssen. Darüber hinaus arbeitet das HTZ bei der Nachsorge mit niedergelassenen Ärzten zusammen.

Melanome und die verschiedenen Formen von sogenanntem hellen Hautkrebs sind mittlerweile die häufigste Krebsform beim Menschen. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit liegt bei 1:50. Ein großer Risikofaktor ist die Sonne: Rund 90 Prozent aller Hautkrebsformen werden mit einer UV-Exposition in Zusammenhang gebracht. Dass UVA-Strahlung weniger schädlich ist als UVB-Strahlung, wie lange angenommen, stimmt nicht. (APA)

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