Pflicht-Frauenquote in Unternehmen nicht ausgeschlossen

15. Juni 2010, 13:28
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Vize-Chefin Reding begrüßt Vorstoß der deutschen Familienministerin: "Ambitionierte" Quoten hilfreich

Düsseldorf  - Die Europäische Kommission will höhere Frauenquoten in den Führungsetagen von Unternehmen möglicherweise mit verpflichtenden Vorgaben erreichen. "Ich schließe nicht aus, dass konkrete EU-Vorgaben auf die Tagesordnung kommen, sofern Wirtschaft und Mitgliedsstaaten nicht rasch vorangehen", sagte die Vize-Chefin der EU-Kommission, Viviane Reding, dem "Handelsblatt" vom Dienstag.

Gleichstellungsinitiative ab Herbst

Dem Bericht zufolge will die Kommission im Herbst eine Initiative zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Führungspositionen starten. Offen ist demnach, ob die Kommission lediglich eine Empfehlung abgibt oder Quoten etwa per Verordnung oder Richtlinie festlegt, die von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden müssen. Laut EU sitzen in den Aufsichtsräten der großen börsennotierten Unternehmen in Europa zu fast 89 Prozent Männer.

Die deutsche Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte am Montag angekündigt, dass sie zusammen mit dem Justizministerium ein Gesetz vorlegen will, das den Firmen in Deutschland vorschreibt, auf der Führungsebene eine eigene Frauenquote festzulegen und zu veröffentlichen. Sie halte einen Frauenanteil von im Schnitt 20 Prozent im Jahr 2015 für "machbar", sagte sie dem "Handelsblatt" vom Montag (mehr dazu hier).

"Ambitionierte" Quoten

Reding begrüßte den Vorstoß der deutschen Ministerin: "Gleichstellung zwischen Frauen und Männern ist nicht nur eine soziale Frage, sondern auch im wirtschaftlichen Interesse aller." Dabei könnten "ambitionierte" Quoten hilfreich sein, sagte sie dem "Handelsblatt". Vorbild für solche Initiativen ist Norwegen, wo es eine verpflichtende Frauenquote für die Aufsichtsräte großer börsennotierter Unternehmen gibt. (APA/Ag.)

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    Kommissions-Vize Vivane Reding: "Gleichstellung zwischen Frauen und Männern ist nicht nur eine soziale Frage, sondern auch im wirtschaftlichen Interesse aller."

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