Der Post laufen die Kunden "in Scharen davon"

15. Juni 2010, 15:19
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Die Post-Belegschaft läutet die Alarmglocken - eine Neuüber­arbeitung des Filialnetzkonzeptes sei dringend von Nöten

Wien - Die Post-Belegschaft läutet die Alarmglocken. Durch die Schließungswelle bei Postämtern würden "die Kunden in Scharen davon laufen", eine Neuüberarbeitung des Filialnetzkonzeptes sei dringend notwendig, teilte der oberste Mitarbeitervertreter Gerhard Fritz am Dienstag in einer Aussendung mit. Daher werde für den 29. Juni eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen. Die Staatsholding ÖIAG ließ heute offen, ob es diese Sitzung geben werde. Man kenne nur den Termin für eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung, und die sei am 20. Juli. Zu dieser habe eine Mehrheit der Aufsichtsräte ihr Kommen zugesagt.

In einer Aussendung hielt die ÖIAG fest, dass der Personalvertretung für die Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung die vorgegebene Dringlichkeit fehle. "Die Filialnetzstrategie ist mehrfach in diesem Jahr in den Aufsichtsratssitzungen thematisiert worden. Die vom Aufsichtsrat beschlossene Strategie, nämlich die Umwandlung von kleineren Filialen in Postpartnerstellen ist ökonomisch sinnvoll und wird von der Bevölkerung mehrheitlich gut angenommen", teilte ÖIAG-Chef Peter Michaelis mit.

Post-Belegschaftsvertreter Gerhard Fritz hat empört auf die Aussage der ÖIAG reagiert. "Vielleicht sollte ÖIAG-Chef Peter Michaelis mal in seine Mailbox schauen - wir haben ihm heute um 9:15 Uhr den Sitzungstermin geschickt", so Fritz. Eine Aufsichtsratssitzung am 20. Juli, wie von Michaelis gewünscht, sei jedenfalls viel zu spät. "Michaelis ist von Blindheit geschlagen. Bis zum 20. Juli ist das Schicksal von bis zu 350 Filialen besiegelt", gibt Fritz zu bedenken. Sollten am 29. Juni bei der außerordentlichen Sitzung weniger als die Hälfte der Mitglieder nicht anwesend sein und daher eine Beschlussfassung nicht erfolgen können, sei Eigentümervertreter Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) gefragt. Schließlich stelle sich die Frage, ob den fehlenden Aufsichtsräten überhaupt etwas an der Post liege.

Kunden laufen weg

Fritz hatte zuvor gemeint: "Grund für den dringenden Handlungsbedarf ist die Tatsache, dass trotz massiver Postamtsschließungen eine Verschlechterung des Filialnetzergebnisses der Post eingetreten ist und der Postvorstand trotzdem weitere Schließungen bei der Regulierungsbehörde anmeldet." Im Jahr 2009 drehte das Betriebsergebnis von 14,5 auf minus 9,2 Mio. Euro. Im vierten Quartal 2009 gab das Ebit der Filialen von 5,0 auf minus 2,5 Mio. Euro nach. Im ersten Quartal 2010 betrug das Betriebsergebnis minus 2,1 Mio. Euro - nach plus 0,2 Mio. Euro im ersten Quartal des Vorjahres.

Das Fazit von Fritz: "In Wahrheit laufen uns mit jeder Postamtsschließungen die Kunden in Scharen davon und das Management sowie der Aufsichtsratsvorsitzende schauen dabei tatenlos zu. Daher greife man zu "diesem bisher in Österreich einzigartigen Mittel" einer Einberufung eines außerordentlichen Aufsichtsrates. Die Handlungsweise des Aufsichtsratsvorsitzenden und ÖIAG-Bosses Peter Michaelis sei "nicht mehr zu dulden". Ansonsten würde der Aufsichtsrat als Kontrollorgan versagen und damit unwiederbringlicher Schaden am Unternehmen entstehen.

Aber auch innerhalb der Post-Partner wächst der Unmut. So würde die Post zwar immer neue Services verlangen, aber dafür nicht mehr zahlen. Unterm Strich würde sich die Post-Partnerschaft nicht rechnen, man sei aber als Nahversorger nahezu gezwungen, das Postservice zu übernehmen, um nicht noch mehr Kunden an die Supermärkte in den Städten zu verlieren, ist zu hören. "Wir zahlen die Dividenden der Aktionäre", so ein Post-Partner. (APA)

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    Die Belegschaft ist besorgt - der Post laufen die Kunden davon, da muss man sich etwas überlegen.

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