IG Autorinnen Autoren kritisiert ÖNB-Google-Pakt

15. Juni 2010, 13:05
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    foto: apa/pfarrhofer

    ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger: "Wir ersparen den österreichischen Steuerzahlern 30 Millionen Euro."

Offenlegung des Vertrags gefordert: "Degoutante" Weitergabe von Pflichtexemplaren

Wien - Die "sofortige Offenlegung des Vertrags" zwischen Österreichischer Nationalbibliothek (ÖNB) und Google verlangt die IG AutorInnen Autoren. Die Interessenvertretung fürchtet durch die Public Private Partnership, bei der das Unternehmen den urheberrechtsfreien Buchbestand der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) digitalisiert, die Schaffung eines Präzedenzfalls. Während die Autoren und Verlage "um die Respektierung ihrer Rechte durch Google kämpfen, fällt ihnen die größte österreichische Bibliothek durch eine Partnerschaft mit Google in den Rücken", hieß es in einer Aussendung am Mittwoch.

Als "besonders degoutante Seite" der Kooperation empfinden es die Autoren, dass "Google alle frei gewordenen und frei werdenden Werke durch die ÖNB geliefert bekommt, die sie selbst im Wege der Pflichtablieferung kostenlos und honorarfrei für die Autoren bezogen hat". Mit der Freischaltung der Bücher im Volltext und ihrer Verwendung als E-Books oder für Print on Demand-Ausgaben würden "Verwertungswege der österreichischen Buchwirtschaft unterlaufen und Google zugeführt".

Gleichzeitig betätige sich die Nationalbibliothek als "Eisbrecher" für jede andere Bibliothek in Österreich, "die genau so viele oder noch mehr Gründe finden wird, warum es notwendig ist, ihre Bestände an Google digital weiterzureichen, und die genauso ihre Bücher durch die Ablieferungspflicht kostenlos bezieht", kritisiert die IG.

"Größte Public Private Partnership"

Nicht nur für die Bibliothek sei die künftige Zusammenarbeit "ein Meilenstein", hatte  ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Prunksaal der Nationalbibliothek erklärt: "Es handelt sich um die bisher größte Public Private Partnership in der österreichischen Kulturlandschaft, auch europäisch gibt es nur wenige Kooperationen dieser Größenordnung."

Mit eigenen Mitteln wäre das Projekt nicht zu bewältigen, schilderte Rachinger. Google trage die gesamten Digitalisierungskosten, die pro Buch zwischen 50 und 100 Euro koste und in Bayern durchgeführt werde ("Das ist mit dem Denkmalamt abgeklärt."). 400.000 Bände vom 16. bis ins 19. Jahrhundert (mit Ausnahme jener Bücher, bei denen konservatorische Bedenken dagegen sprechen) sollen dabei im Volltext erfasst werden - rund 120 Millionen Buchseiten sind danach online und kostenlos abrufbar. "Anders gesagt: Wir ersparen den österreichischen Steuerzahlern 30 Millionen Euro", rechnete Rachinger vor. Die Vorarbeiten starten sofort, ab dem kommenden Jahr wird digitalisiert, das Projekt ist auf sechs Jahre anberaumt.

Sicherung "für den Katastrophenfall"

Google hat derzeit rund zwei Millionen Werke über Verlagspartnerschaften und mehr als zehn Millionen Werke aus über 40 Bibliotheken wie jenen von Harvard, Stanford und Oxford, die Bayerische Staatsbibliothek oder die Nationalbibliothek von Rom und Florenz abrufbar. "Wir befinden uns in bester Gesellschaft", sagte Rachinger, die darauf verwies, dass damit auch "für den Katastrophenfall" gesichert sei, dass zumindest die Digitalisate verfügbar blieben.

"Ich bin überzeugt davon, dass damit auch neues Wissen generiert wird", verwies die Generaldirektorin auf die Tatsache, dass künftig nicht nur Online-Kataloge, sondern auch Suche in digitalisierten Inhaltsverzeichnissen, Personenregistern und in Volltexten möglich sein werde. "Man kann davon ausgehen, dass es zu interessanten Entdeckungen und Neubewertungen kommen wird", zeigte sich auch ÖNB-Projektleiter Max Kaiser zuversichtlich, der durch das systematische Durchkämmen der Bestände auch "mit einigen Überraschungen und Entdeckungen in unseren Magazinen" rechnet: "Wir werden buchstäblich Regal um Regal unserer Bestände digitalisieren, einschließlich der Werke im Prunksaal."

Keine Werbung

Google habe "kein Monopol" über die Nutzung der digitalisierten Bestände, versicherte Rachinger. Die über die Online-Suche der ÖNB einsteigenden Nutzer würden keineswegs automatisch auf Google Books weitergeleitet. Die Kooperation sei auch kein Präjudiz für eine eventuelle spätere Kooperation etwa im umstrittenen Bereich der Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Werke. "Es sind ausschließlich urheberrechtsfreie Werke, und dabei werden wir auch bleiben!"

Karl Pall, Country Manager von Google Austria, zeigte sich "mit Stolz erfüllt" und "sehr froh, dass es uns gelungen ist, die Nationalbibliothek in unser Portfolio aufzunehmen": "Ich kann mich noch erinnern, wie live berichtet wurde, dass die Hofburg brennt - es war schrecklich!" Google Books werde nicht kommerzialisiert und mit Werbe-Bannern versehen. Immerhin räumte Annabella Weisl, Leiterin von Google Bücher Deutschland, Österreich, Schweiz, ein, dass auch Google profitiere, "weil die Internetnutzer diese Informationen bei uns suchen, unsere Dienste verwenden - und dann hoffentlich bei ihrer nächsten Suche wieder kommen".

Ein Google-Monopol steht jedenfalls nicht ins Haus: Die Nationalbibliothek behält Kopien der digitalisierten Werke und wird diese auch in Europeana einbringen, das EU-Gegenstück zu Google Books. (APA)

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24 Postings
Jujilla
00
17.6.2010, 14:13

Meine Güte, haben hier den alle "Google Falle" gelesen?;)
Und wissen nicht, was gemeinfreie Werke sind?

Schwalbe
00
17.6.2010, 11:30
wo bleiben die google-movies von

sony, time warner und walt disney? oder ist der sog. freie markt doch nur ein diktat der grossen?

hed
21
17.6.2010, 09:45
ein trauriges zeichen

dass sich die republik österreich, wie viele andere länder auch, sich die erhaltung von kulturgut nicht leisten will und das an solche seriösen partner wie google verschachert.

was kommt als nächstes? das burgtheater wird an die telekom austria verkauft, die staatsoper an facebook, die bundesmuseen an george soros, usw...

Schwalbe
00
17.6.2010, 18:43

der orf könnte seine archive von itunes auf den neuesten digitalen standard bringen lasssen

Lonesome smoker
00
17.6.2010, 00:39
Googlebooks etc.

Grundsätzlich ist die Digitalisierung von Büchern ein Segen und für die praktische Forschungstätigkeit eine große Erleichterung.
Ein Haken von Googlebooks, das ja nur eines von zahlreichen, oft uneigennützigen Portalen zu digitalisierten Bücherbeständen ist, ist die zweifelhafte Erschließung. So wirft die Suchanfrage manche Titel gar nicht oder nur "zufällig" aus, obwohl Googlebooks nachweislich - durch bereits früheren Download bzw. über einen anderen Zugang - im Besitz der Digitalisate ist.
Dieses Problem ist durch die eigenen Portale der kooperierenden Bibliotheken - falls, wie bei der ÖNB geplant, eine Verknüpfung zum Katalog besteht - zwar umgehbar, straft aber alles Gerede von der Demokratisierung des Wissens Lügen.

Heinz Anderle
 
02
16.6.2010, 20:11
Könnten sich die Hungerkünstler ((c) Kafka) tunlichst ihrer entbehrlichen Wortspenden enthalten?

Es geht einzig um GEMEINFREIE Werke (geistiges Allgemeingut), nicht um solche, die aktuell niemand lesen will.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

GevatterTod
10
16.6.2010, 21:17
also keines ihrer Werke!?

mfG
Freund Hein

omtata
21
16.6.2010, 16:28
Keiner Werbung? Glatte Lüge

Man braucht ja nur Google Books zu besuchen, um zu sehen, dass dort Werbeeinblendungen zusammen mit den Texten gezeigt werden. Außerdem werden die pdf-Dateien der digitalisierten Bücher mit Google-Watermarks versehen. Wie dumm muss man eigentlich sein, um zu glauben, dass Google irgend etwas uneigennützig macht?

hans dampf5
40
16.6.2010, 11:33
Die ÖNB ist in xx Jahren

quasi ein Museum dann nur noch.

Ich nenne das für mich jetzt " Staatsenteignung"

Die Armies kaufen sich schleichend überall ein,
nehmen das auf ihre bekannte Art und Weise ein, sprich die Global Player verteilen das Netzwerk und schon ist man abhängig......

egal, es regnet eh bald wieder:)

Herzerzog Johann
04
16.6.2010, 09:58
Gibts schon Reaktionen der üblichen Bedenkenträger?

GevatterTod
30
15.6.2010, 14:39
ist das wieder ein exklusiver Deal?

nur Google darf?

OGHaha
05
15.6.2010, 20:45
Nein, sie dürfen auch! No Problem:

Kommens morgen mit beiläufig 10 Mio € im Plastiksackerl zum Eingang Prinz Eugendenkmal ...

theBORG
03
15.6.2010, 16:35
lesen, verstehen - nicht mehr posten

In dem Falle machen sie nur die Drecksarbeit (und haften hoffentlich für Unfälle - das wären eher meine Bedenken).


Google habe "kein Monopol" über die Nutzung der digitalisierten Bestände, versicherte Rachinger. Die über die Online-Suche der ÖNB einsteigenden Nutzer würden keineswegs automatisch auf Google Books weitergeleitet. Die Kooperation sei auch kein Präjudiz für eine eventuelle spätere Kooperation etwa im umstrittenen Bereich der Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Werke.

hed
10
17.6.2010, 09:49
wenn die nationalbibliothek ähnlich gut mit den us-anwälten

verhandelt hat, wie etwa die deutschen städte bei ihren cross-border-sale-and-lease-back-verträgen, was ich durchaus mal annehme, dann gute nacht.

GevatterTod
20
15.6.2010, 20:29
die Details bitte

den Volltext der Vertraege

der Pferdefusz steckt im Detail!

Bernhard Kubicek
10
15.6.2010, 18:41
ok.

aber darf jemand anderer die Bestände ebenfalls online stellen? Nutzung und Veröffentlichung ist nicht das gleiche, oder?
Wer hat das Urheberrecht auf das PDF?

mauflo
41
15.6.2010, 19:26
Recht auf PDF

Na das hat wohl noch niemand bedacht. Wenn jemand das PDF kommerziell nutzen möchte wird Google schnell mit seinen Anwälten da sein. Ein sehr effektiver Weg, aus rechtsfreien Büchern Profit zu schlagen!

Chien de Pique
05
15.6.2010, 22:01

Sie können gerne versuchen, etwa mit Erbauungsliteratur aus dem frühen 18. Jahrhundert reich zu werden.

Perynt
01
15.6.2010, 21:10
Was wollen Sie denn mit PDF?

Ein ziemlich blödes Format, zumal ja der Inhalt frei ist. Wenn ich also ein neues Medium mit dem Text rausbringen möchte, muss ich den Text sowieso erst mal neu formatieren und bearbeiten. Den Text aber kann ich mir aus dem veröffentlichten Material holen.

Wer einfach nur das PDF plump kopieren will, um damit irgendwie Profit zu machen, ist sicherlich nicht der hellste Kopf....

Bernhard Kubicek
10
16.6.2010, 09:18
naja,

erstens ist ein Bearbeitung ein Urheberrechtlich relevanter Akt,IIRC.
Zweitens wärs schon cool, wenn auch die Nationalbibliothek oder Wikimedia die Bücher online hätte, damit jemand unkommerzieller das Wissen der Welt bewahren kann.

OGHaha
03
15.6.2010, 20:37
Wer soll denn dass kommerziell nutzen, wenns allgemein frei zur Verfügung steht? Als Druckwerk herausbringen?

Dem armen Narren wird dass sicher gratis überlassen!

GevatterTod
00
16.6.2010, 21:23
da gibts Beispiele

ein E-Book Verlag hat voM Project Gutenberg Grimm Maerchen kopiert und mit eigenem Copyright als e-Book vertrieben.
Noch nciht einmal bearbeitet!

©
21
15.6.2010, 13:36
Einmal abwarten...

... wielangs dauert bis irgendwelche "Datenschützer" oder die Grünen auch das wieder torpedieren.

Ret Marut
61
15.6.2010, 13:32
Die Winer Zeitung ist noch nicht einmal fertig digitalisiert

und Rachinger rühmt sich schon mit dem nächsten Coup! Peinlich.

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