Ampelregelung und Analogkäse

16. Juni 2010, 09:24
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Das EU-Parlament stimmt über bessere Kennzeichnung und ver­pflichtende Herkunftsbezeichnung von Lebensmitteln ab

Brüssel/Wien - Die EU will mit einer neuen Verbraucherinformations-Verordnung die Lebensmittel-Kennzeichnung neu regeln. Seit gestern wird darüber debattiert, heute Mittwoch wird im Plenum abgestimmt.

Interessant wird dabei sein, ob die so genannte "Ampelkennzeichnung" eine Mehrheit findet oder nicht. Sozialdemokraten und Grüne hatten sie gefordert, bei der ersten Abstimmung im federführenden Umweltausschuss des EU-Parlaments im März wurde sie aber mit 32 zu 30 Stimmen knapp abgelehnt. Die Meinung des Ausschusses gilt üblicherweise als Wegweiser für die Abstimmung im Plenum.
Der ÖVP-EU-Abgeordnete Richard Seeber sprach sich als Gesamtkoordinator des Umweltausschusses der EVP-Fraktion gegen die Ampel aus, weil "die strittigen Angaben durch Ampelkennzeichnung die Verbraucher nicht geschützt, sondern irregeführt hätten". Die Einteilung von Nahrungsmitteln in "grün", "gelb" und "rot" sei außerdem nicht wissenschaftlich fundiert.

Verpflichtender Herkunftsnachweis

Mehrheitlich befürwortet wurde vom Ausschuss eine verpflichtende EU-weite Kennzeichnung von Lebensmitteln. Es muss - vorbehaltlich der Zustimmung im "großen" Plenum - in Zukunft also nachweisbar sein, wo ein Tier geboren, gemästet und geschlachtet wurde. Auch Lebensmittelimitate wie Analogkäse und "Schummelschinken" sollen künftig verpflichtend gekennzeichnet werden.

Dem Richtlinienentwurf zufolge sollen auf den Etiketten von Nahrungsmitteln künftig auch der Nährwert sowie der Gehalt pro 100 Gramm an Fett, ungesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker und Salz angegeben werden. Auch die Hinweise für Allergiker sollen verbessert werden. Ziel ist es, Verbraucher besser über die Zusammensetzung von Lebensmitteln zu informieren. Die Angaben über Fett- und Zuckergehalt - etwa in Keksen und Müslis - sollen insbesondere helfen, gegen die wachsende Fettleibigkeit bei Kindern anzukämpfen.

Auch die Schriftgröße der Produktangaben soll in der Verordnung geregelt werden. Zunächst schlug die Kommission eine Schrifthöhe von mindestens drei Millimetern vor, dies wurde im Ausschuss aber abgelehnt. Künftig muss schlicht "die Lesbarkeit garantiert werden".

AK für Ampelkennzeichnung

Die Arbeiterkammer (AK) forderte in einer Aussendung von den österreichischen EU-Parlamentariern, dass sie sich "für eine konsumentenfreundliche Nährwertkennzeichnung in Form einer farblichen Ernährungsampel einsetzen". Diese sollte auf der Vorderseite des Produkts aufgedruckt sein und in Farbe über Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz informieren: Rot bedeutet viel, gelb moderat und grün wenig.

Ebenfalls gefordert wird die Ampel von der Organisation "foodwatch". Die Politik habe Maßnahmen gegen die Volkskrankheit Übergewicht ergreifen wollen, "und wenn es den Abgeordneten damit wirklich ernst ist, kann das Ergebnis nur lauten: Ampelkennzeichnung, europaweit, verpflichtend", erklärte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Die einzigen Stimmen gegen die Ampelkennzeichnung kämen aus der Lebensmittelbranche, kritisiert er in einer Aussendung. "Die Lebensmittelmultis und ihre Lobbyorganisationen zittern vor der Abstimmung im Europaparlament. Mit der Ampel würde ihnen niemand mehr ihre dreisten Werbeversprechen von Fitness und Gesundheit für überzuckerte, fettige Industrieprodukte abnehmen."

Nach der Abstimmung des Europaparlaments muss sich noch der Europäische Rat der 27 zuständigen Fachminister mit der Verordnung befassen. Erst bei einer Einigung zwischen Parlament und Rat wird eine verbindliche Nährwertkennzeichnung festgelegt. (map)

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    Nicht nur Lebensmittelimitate wie Analogkäse sollen künftig verpflichtend gekennzeichnet werden. In Zukunft soll auch nachweisbar sein, wo ein Tier geboren, gemästet und geschlachtet wurde.

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