Pressespiegel

So berichten die Medien über Arigona

15. Juni 2010, 15:16

Was die heimischen Tageszeitungen über die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs und die Rückkehr Arigona Zogajs in den Kosovo schreiben

Viele Medien machen die bevorstehende Ausweisung der Familie Zogaj am Dienstag zum Titelthema. Ein Großteil der Medien schlägt sich zumindest tendenziell auf die Seite der 18-Jährigen, einzige Ausnahme ist die Kronen Zeitung. derStandard.at zeigt eine Übersicht.

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Die Kronen Zeitung titelt mit "Ausweisung Arigonas ist rechtens", das Thema wird prominent auf den Seiten 2/3 platziert. Für die "Krone" war die Ausweisung ob der 110 ablehnenden Zwischenbescheide längst fällig. Der Fall wird als "von Beginn an vermurkste Geschichte" kommentiert, dem Staat wird "verfehlte Asylpolitik" vorgeworfen. Arigonas Helfern und Beratern wird geraten, "diesmal jeglichen dramatischen Aktionismus zu lassen."

Österreich konzentriert sich auf die mögliche, legale Wiedereinreise der jungen Frau und bezeichnet diese als "Geheimplan". Die Zeitung titelt mit "Arigona darf legal einreisen" und widmet dem Thema ebenfalls die erste Doppelseite. Fekter zeige sich "verständnisvoll" für die junge Frau, die 18-Jährige könne per Schülervisum oder als Schlüsselarbeitskraft zurückkehren - wenn sie zuvor freiwillig ausreise. Die Zeitung plädiert für ein "Bleiberecht", was jedoch "an der Feigheit der Regierung scheitern" werde. Daher seien die freiwillige Ausreise in den Kosovo und eine anschließend legale Rückkehr die einzige Lösung, die "alle - von Fekter über Faymann bis Strache" unterstützten sollten.

Der Kurier macht mit "Warum Arigona gehen muss" auf. Das Gesicht der jungen Frau prangt gleich drei Mal von der Titelseite; die Bilder wurden zu jeweils unterschiedlichen Zeiten aufgenommen. Im Blattinneren wird die menschliche Seite der Geschichte betont, Mitschüler und Volkshilfe kommen zu Wort. Außerdem habe ein Lokalaugenschein in Arigonas Wohnort Frankenburg ergeben, dass diese dort zunehmend auf Ablehnung stoße. Die Zeitung schlägt sich auf die Seite Airgonas, in dem sie ironisch formuliert: "Es ist also vollbracht. Arigona Zogaj wird abgeschoben. Und unsere öffentliche Ordnung ist endlich wieder in Sicherheit."

Die Presse hält sich auf der Titelseite eher kurz. Die Überschrift zur Bildgeschichte: "Arigona Zogaj: Abschiebung fix". Auch im Inneren wird distanziert und sachlich über die Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs berichtet, aber auch Pfarrer Friedl kommt zu Wort. Die Meinung der Zeitung ist eindeutig pro-Arigona: Die Innenministerin sei zwar juristisch im Recht, Arigona aber gut integriert; der Rechtsstaat würde an einem humanitären Akt schon nicht "zerschellen".

Der Standard widmet dem Thema auf der Titelseite nur wenig Platz: "Familie Zogaj muss gehen, könnte aber zurückkommen". Im Blattinneren kommen vor allem Meinungen zur Geltung: FPÖ und BZÖ fordern eine sofortige Abschiebung, die Grünen hoffen auf eine humanitäre Lösung. Die Zeitung setzt sich für Arigona ein, der Ausweisebescheid stehe für eine "Politik ungerechtfertigter Härte". Der Entscheid werde sich auf andere, ähnliche Fälle, negativ auswirken.

Die Wiener Zeitung hält sich auf der Titelseite kurz, sie schreibt: "Endgültig kein Asyl für Familie Zogaj - Abschiebung droht." Im Blattinneren wird vor allem auf Möglichkeiten eingegangen, damit die Familie doch noch in Österreich leben kann: Ein Antrag auf humanitäres Bleiberecht sei so gut wie aussichtslos, der Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte würde sich über Jahre hinweg ziehen, ein Schülervisum sei schon vor Jahren abgelehnt worden. Der Ausgang des Falles Airgona wird dahingehend negativ bewertet, als es schon lange nicht mehr um ein Einzelschicksal gegangen sei, sondern ums Prinzip: Rechtsstaat oder  Menschlichkeit? Die Hoffnung, dass Arigona "ganz legal und per neuem Antrag" zurückkehrt, schimmert durch.

Die Oberösterreichischen Nachrichten räumen dem Thema auf der Titelseite wenig Platz ein: "Arigona muss gehen, aber: Legale Rückkehr via Visum?". Pfarrer Friedl wird mit "Das wird furchtbar werden" zitiert, Innenministerin Fekter mache der Familie mit der möglichen legalen Einreise "wieder Hoffnung". Asylbehörden,  Innenministerium und die Berichterstattung des Boulevard werden kritisiert.

Den Salzburger Nachrichten ist das Thema, trotz der geografischen Nähe zu Frankenburg, nur ein kleines Bild und ein paar Zeilen auf der Titelseite wert: "Zogajs müssen Land verlassen." Im Blattinneren ist von einem "Asylfall, der von Anfang an aussichtslos war und wie kein anderer die Gemüter erhitzte" zu lesen. Die Zeitung schlägt sich auf die Seite Arigonas, der Fall sei ein "Armutszeugnis" für Österreich: "Auf der Strecke bleibt ein Mensch."

Die Kleine Zeitung Kärnten widmet Arigonas Gesicht fast die gesamte Titelseite und dramatisiert: "Recht vor Gnade." Eingegangen wird vor allem auf die Frage, ob und wie eine Wiedereinreise möglich sei und darauf, wie schwierig die wirtschaftliche Lage in Arigonas Heimat Kosovo sei. Argumentiert wird für Arigona und gegen die Politik: Diese jage Kinder "in ein Land, in das man die eigenen nicht einmal auf Urlaub fahren lassen würde." Arigona sei hier auf Staatskosten ausgebildet worden, man nehme ihr die Möglichkeit durch Arbeit rückzuerstatten, was sie bekommen habe. Der Fall Zogaj und die Tatsache, dass nicht jeder innerhalb Europas seine Heimat wählen könne würden beweisen, dass "unsere Köpfe noch tief in einem mentalen Mittelalter stecken".

"Arigona Zogaj muss ausreisen" titelt die Tiroler Tageszeitung, im Blattinneren werden offene Fragen beantwortet, etwa ob Arigona unter allen Umständen abschoben werden, oder ob das Mädchen die Entscheidung der Verfassungsrichter bekämpfen kann. Die Zeitungsmeinung splittet sich in Pro und Contra: Einerseits müsse man sich an den Rechtsstaat halten, denn dumm wären sonst diejenigen, die Gesetze und Vorschriften einhalten. Auf der anderen Seite würde VfGH-Urteilen nicht immer so viel Beachtung geschenkt wie eigentlich notwendig, Beispiel Kärntner Ortstafeln. Für Airgona hätte es immerhin noch die rechtskonforme Lösung eines humanitären Bleiberechts gegeben.

Die Vorarlberger Nachrichten titeln mit "Arigona muss ausreisen", im Inneren wird im Frage-Antwort-System vor allem darauf eingegangen, dass das Mädchen zwar das Land verlassen muss, sich aber vom Kosovo aus um einen Aufenthaltstitel bemühen kann. Der Fall Arigona sei "von A bis Z eine Farce", durch lange Verfahrensdauern & Co. hätten die Asyl- und Fremdenbehörden das System selbst ausgetrickst, Arigona sei während dieser langen Zeit zu einer "echten Österreicherin" geworden. (mak, derStandard.at)

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gewissengewissen
 
00
22.6.2010, 18:14
eine einzige Alev Korun ...

... bringt zur Sprache, dass der oesterreichische Sprachgebrauch inzwischen zu Gelalle wie "ILLEGALE INTEGRATION" (???!!!) verkommen ist.

Das Ganze betrifft ja nicht nur die Zogaj Family, sondern hunderte weitere Fluechtlinge.

(weil diese Fluechtlinge zur Zeit ihrer Flucht nicht imstande waren, Rituale der Legalisierung und Formalismen der "Asylgesetze" korrekt abzuspulen)

Die Genfer Fluechtlingskonvention schreibt uebrigens NICHT vor, wann wer auszuweisen ist (wie Fekter speziell und schwarzrot allgemein das gern hinbiegen) sondern sagt, wann MINDESTENS Asyl zu geben ist.

Mehr Asyl (und humanitaeres Bleiberecht etc.etc.) verbietet niemand ausser EU-PolitikerInnen der Sorte schwarzrot ...

bormester
20
16.6.2010, 16:59

Kleine Zeitung: Arigona sei hier auf Staatskosten ausgebildet worden, man nehme ihr die Möglichkeit durch Arbeit rückzuerstatten, was sie bekommen habe.


Ist ja volkswirtschaftlich gesehen eine Wahnsinnstat!

WK1404
01
16.6.2010, 12:46
Medien stechen Justiz

Offenbar machen die Medien Stimmung dafür, daß Rechtsentscheidungen zu mißachten seien. Man muß bedenken, daß hier ein Präzedenzfall dafür geschaffen werden würde, daß jeder andere ebenfalls auf gesetzeswidrige Art letztlich ans Ziel kommen kann. Arigona glaubte, die österreichischen Behörden und die Justiz austricksen zu können und hat sich einen Denkzettel verdient. Man baut ihr ohnedies bereits goldene Brücken für die Zukunft, und sie kann es ja dann einmal auf korrekte Art versuchen.

robinsons freitag
02
16.6.2010, 11:49
Es ist eine Schande, wie einseitig unsere Medien berichten (wobei hier der einseitigste von allen, der ORF fehlt. Warum missachten alle, dass ich mir eine eigene Meinung bilden möchte!?

roll initiative
01
16.6.2010, 13:25

na wui, sind Sie so naiv, dass Sie an sowas wie eine "neutrale" und "objektive" presse glauben?

dass die medien in dem fall geschlossen auf seiten der menschlichkeit stehen, das ist schon in ordnung - und wenn Ihre eigene meinung ein bisschen menschliche schlagseite nicht aushält, dann ist das eh viel trauriger als die tatsache, dass auch journalistInnen menschen mit überzeugungen und positionen sind.

Jake Gittes
71
16.6.2010, 08:31

Bei soviel Missgunst wie sie im engstirnigen Ö. herrscht, wundert mich das eh, dass sie unbedingt dableiben möchte.

Hans Vogel
35
15.6.2010, 22:51
Pfarrer Friedl!

Das wird furchtbar, wo bekommt er in Zukunft seine Tantiemen? Er hat gut an Arigona verdient und jetzt ist sie weg!

Pepe Nero
01
16.6.2010, 18:31
Es wird ihm sicher bald etwas Neues einfallen

um Medienpräsenz zu generieren.

Er könnte ja zB wieder seine Frau mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken.

cupertino
00
15.6.2010, 22:12
eigentlich schoen

mit einem oesterreichischem pass ist man auf der ganzen welt willkommen.

marc900
 
16
15.6.2010, 21:59
keine Zeitung sollte sich auf irgendeine Seite schlagen

McDaisy
05
16.6.2010, 09:23

außer dem standard. der tut das nämlich dauernd. ist ja auch eine qualitätszeitung.

dr. zickzack
812
15.6.2010, 20:14

nein zur diktatur der 'menschlichkeit' (oder dem was die linken dafür halten) !

Schlom Wurzel
41
16.6.2010, 08:43

Sie wissen ja nicht, wovon sie sprechen. Humanität ist für Sie wohl ein Fremdwort.

dr. zickzack
34
16.6.2010, 09:46
menschlichkeit ist für mich in erster linie die kenntnis der menschlichen natur und hat nichts mit nachgiebigkeit zu tun.

jeder mensch hat ziele und wünsche, und manchmal stehen die ziele und wünsche des einen mit den zielen und wünschen des anderen im konflikt. es ist teil der menschlichen natur nicht die wünsche und ziele des anderen über seine eigenen zu stellen.

ich finde es jedenfalls eine ausgemachte schweinerei von den linken, dass sie alle die die linken gesellschaftlichen vorstellungen nicht teilen als monster oder gar nazis aus dem gesellschaftlichen diskurs am liebsten ausschliessen möchten. das ist meinem verständnis eines vernunftbasierten und demokratischen entscheidungsfindungsprozess diametral entgegengesetzt und genau jene demagogie die die linke nicht müde wird anderen vorzuwerfen.

roll initiative
10
16.6.2010, 13:30

ich finds ne ziemliche schweinerei, dass Sie schreiben "es ist teil der menschlichen natur nicht die wünsche und ziele des anderen über seine eigenen zu stellen" ...

klar gibt's egoistInnen, aber altruismus ist auch was menschliches und solidarität ... auch wenn die egoistInnen das gern vergessen, sie selbst sind NICHT der maßstab dafür, was MENSCHLICH ist.

zensur bei der "fma betrugsverdacht" vertuschung
 
74
15.6.2010, 20:04
in wenigen worten hat der voves tendenziell das richtige gesagt.

... ein armutszeugnis für österreich ...

tunde0
14
15.6.2010, 20:01
arigona

und was sollen die andere asylanten denken die welche legal da sind ? wer schreibt von denen?
die sind auch da und keine fragt ob humanitär oder nicht

panda3000
14
15.6.2010, 19:11

Cato höchstpersönlich hatte sich doch damals für eine bleibe geäußert...wie soll ich das jetzt verstehen?

Eliaine
43
15.6.2010, 19:38

Cato ist vermutlich nicht mehr so recht bei Sinnen.

Rumo von Zamonien
22
15.6.2010, 19:53

Jup.
Er denkt schon in Schlangenlinien.

yotix
 
83
15.6.2010, 18:52

Krone: "Verfehlte Asylpolitik" heißt, wenn man bei deren Lesern genauer nachfragt, dasselbe wie "Durchrassung".

Ö: Für genau gleich depperte Proleten, die aber schon wissen, dass der 2.WK verloren ging, und ein bisserl weniger mordgeil sind als die Kroneleser

Presse: Offenbar seit Herr U. gegangen wurde nicht mehr offen rechtsextrem

McDaisy
04
16.6.2010, 00:58

da man ja ohne jede zensurmaßnahme hier die leser/innen anderer zeitungen als depperte proleten beflegeln darf, wird es sicher erlaubt sein, auch die poster dieses qualitätsblattes, zumal den rotzigen poster jenes textes, als einen ebensolchen zu bezeichnen.
wenn man den text genauer nachfragt, vielleicht dasselbe wie "durchblödung".

Drazen Bozic
317
15.6.2010, 18:27
Nichts besonderes

Hallo! Es wurden auch früher Familien ausgewiesen und werden auch immer sein. Ich und meine Familie wurden vor 10 Jahren aus Oesterreich abgeschoben, obwohl wir schon 12 Jahre da waren (vom meinem 5 Lebensjahr bis zu dem 17ten), und da hat uns keiner etwas gefragt oder eine Alternative gestellt. Kofer packen und weg. Wieso gerade in diesem Fall so viel Lärm gemacht wird, ist mir unklar. Gruß aus der Republika Srpska

Eva Ulrich
14
16.6.2010, 06:49

Ich gebe Ihnen vollkommen recht.
Andere Familien, die sang- und klanglos und ohne Erpressungsversuch die Koffer packen, sind den Medien, der Kirche und den Gutmenschen völlig egal.

Faxedideldei
00
17.6.2010, 23:15

Na, Frau Ulrich, erklären sie mir mal, wie man Aufhebens für Nichtaufhebens machen soll, wo das gar nicht erwünscht ist?..

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