Eva Dichand: "Heute" bastelt an "Apple-App"

15. Juni 2010, 11:14
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Start der Gratiszeitung mit "ganz normalem 3-Millionen-Kredit" - "Heimliche Wahnsinnsauflage" in Wien

Wien - Die Herausgeberin der Gratiszeitung "Heute", Eva Dichand, glaubt an das Überleben der Tageszeitungen. Das Medium werde trotz der Konkurrenz aus dem Internet nicht aussterben, so Dichand beim "Accedo"-Talk am Montagabend in Wien. Vielmehr würden die Leser dazu bereit sein, mehr für Information zu bezahlen. Für ihr Medium kündigte sie nichtsdestotrotz eine "Apple-App" an.

"Heute" floriert nach Angaben der Herausgeberin jedenfalls: Nach dem Start im Burgenland Ende 2009 und Auflagenerhöhungen in Niederösterreich und Oberösterreich fahre man für Wien derzeit eine "heimliche Wahnsinnsauflage", wie sie sagte. Genaue Zahlen könne man erst im Herbst nennen, wenn sie geprüft seien.

Zur Zukunft ihres Mediums zeigte sich Dichand betont selbstbewusst: "Die letzte Zeitung, die es in diesem Land geben wird, ist unsere Zeitung". Für die wichtigen Werbekunden wie dem Handel seien die ausreichenden Reichweiten vorhanden. "Heute" lebe vor allem von Einschaltungen von Lebensmittelketten, Möbelhäusern und Elektronikhandel. "Öffentliche Einschaltungen kriegen wir so wie die anderen", so Dichand.

50 Redakteure

Insgesamt beschäftige "Heute" rund 50 Redakteure, was die Online-Redaktion beinhalte. Recherchiert werde vor allem vom Büro aus, beschrieb sie den Alltag ihrer Redaktion launig: "Meine Mitarbeiter hackeln und haben nicht die Zeit, auf Pressekonferenzen zu 'schurln'." Regelmäßig besucht würden die Pressegespräche des Wiener Bürgermeisters und der anderen Landeshauptleute, sowie von Bundeskanzler und Finanzminister, "wenn es wichtig ist".

Zu der oftmaligen Spekulationen unterworfenen Gründungsinvestition von "Heute" sagte Dichand, dass man das Blatt mit einem "ganz normalen 3-Millionen-Kredit der Bank Austria" finanziert habe.

Vage blieb sie auf die Frage, ob sie eine künftige Tätigkeit bei Österreichs Reichweiteriesen, der "Kronen Zeitung", reizen würde. "Ich glaube nicht, dass es das Problem der 'Kronen Zeitung' ist, einen guten Manager zu finden", formulierte Dichand. Familiär steht sie dem Zeitungsimperium bekanntermaßen nahe: Ihr Ehemann Christoph Dichand ist Chefredakteur, ihr Schwiegervater ist der 89-jährige "Krone"-Neugründer und Hälfteeigentümer Hans Dichand. (APA)

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