Menschenrechtspreis für Nobelpreisträgerin Ebadi

15. Juni 2010, 18:18
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Nach Repressalien und Drohungen setzt Anwältin ihren Kampf für Menschenrechte und Demokratie in Iran aus dem westlichen Exil fort - mit Video

Wien - Die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003 aus dem Iran, Shirin Ebadi, ist am Dienstag im Parlament in Wien mit dem Felix-Ermacora-Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden. Sie widme diese Auszeichnung "allen MenschenrechtsaktivistInnen im Iran" und im Besonderen ihrer inhaftierten Mitstreiterin Narges Mohammadi, erklärte die engagierte Anwältin bei der Feierstunde im Parlament.

Außenminister Michael Spindelegger bezeichnete sie als "wichtige Wegbereiterin und Vorbild für die iranische Gesellschaft", die frühere Außenministerin Plassnik würdigte in ihrer Laudatio "den beispiellosen Gerechtigkeitssinn" dieser "unbeugsamen und unbequemen" Kämpferin. Der Preis werde sie in ihrem Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte stärken, sagte Ebadi in ihren Dankesworten.

Ebadi zeichnete ein trübes Bild der Lage im Iran unter dem Hardliner-Regime von Präsident Ahmadinejad. Man gehe von mindestens 800 politischen Gefangenen aus. 2009 wurden acht politische Häftlinge hingerichtet, meist VertreterInnen ethnischer Minderheiten - unter dem Vorwurf des Separatismus. Die Menschenrechts- und Kinderanwältin, die zahlreiche Opfer des Teheraner Regimes vor Gericht vertreten hat, lebt seit einiger Zeit im westlichen Ausland.

Zwei weitere Preisträgerinnen

Ebenfalls vom Felix Ermacora Verein zur Wahrung der Menschenrechte ausgezeichnet wurden die ORF-Journalistin und China-Korrespondentin Cornelia Vospernik für ihre "mutige Berichterstattung aus China" (Pressepreis) und Marianne Graf von der Albania-Austria Partnerschaft für ihr großes humanitäres Engagement im Kosovo und in Albanien (Förderpreis).

Der Felix Ermacora Menschenrechtspreis wurde 2005 in memoriam an Univ-Prof. Ermacora ins Leben gerufen. Für sein Wirken auf dem internationalen Menschenrechtssektor war Ermacora seinerzeit mit dem UNESCO-Preis für Menschenrechte und dem Menschenrechtspreis des Europarates geehrt worden.

"Terror und Gewalt in jeder Religion verpönt"

Shirin Ebadi hat Österreich mehrfach besucht. Anfang 2004 hatte die Frau des damaligen Bundespräsidenten, Margot Klestil-Löffler, im Rahmen einer Staatsvisite in Teheran Ebadi in ihrem kleinen Anwaltsbüro im Süden Teherans einen viel beachteten Besuch abgestattet. Unter dem früheren gemäßigten Präsidenten Mohammad Khatami war ein derartig politisches "Damenprogramm" noch möglich. Die Anwältin forderte damals eine Verbesserung der Frauen- und Familienrechte in ihrem Land.

Ein halbes Jahr später erklärte Ebadi bei einem Besuch in Wien: "Menschenrechte sind eine internationale Angelegenheit", auch wenn einzelne Staaten behaupteten, dies sei Sache der nationalen Souveränität. Beim Waldzell Meeting in Stift Melk rief die Anwältin, der das klerikale Regime in Teheran mehrfach eine unislamische Haltung vorgeworfen hat, dazu auf, die Untaten des Terrorismus nicht dem Islam anzulasten. "Demokratie und Menschenrechte sind das gemeinsame Ziel aller Kulturen. Terror und Gewalt sind in jeder Religion verpönt."

Repressalien und Schikanen

Unter dem jetzigen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad hat sich die Menschenrechtslage im Iran zunehmend verschlechtert. Im November des Vorjahres beschlagnahmten die iranischen Behörden den Friedensnobelpreis (Medaille und Urkunde) der Menschenrechtskämpferin in einem Bankschließfach. Ihre Konten und die ihres Mannes wurden eingefroren. Doch das war nicht alles. Die Behörden gingen auch gegen Familienangehörige der Anwältin vor in der offenkundigen Absicht, diese damit unter Druck zu setzen.

In der Zeit nach den umstrittenen Präsidentenwahlen, in denen der Hardliner 2009 Ahmadinejad im Amt bestätigt wurde, wurden Mitstreiter Ebadis sowie ihr Ehemann Javad Tavasolian festgenommen und schikaniert. Vor wenigen Tagen, am 10. Juni, wurde im staatlichen iranischen Fernsehen ein Programm ausgestrahlt, in dem Tavasolian seine Frau in einem schlechten Licht darstellte. Laut der Menschenrechtsorganisation "International Campaign for Human Rights in Iran" wurde dieses "Bekenntnis" nach Misshandlungen in der Haft aufgenommen.

Massiver Druck

Ebenfalls am 10. Juni wurde Narges Mohammadi, eine Sprecherin der von Ebadi gegründeten Organisation "Zentrum zur Verteidigung der Menschenrechte" (DHRC), mitten in der Nacht festgenommen. Über den Aufenthalt der Frau wurde nichts bekannt. Die "Campaign for Human Rights" erinnerte auch daran, dass Ebadis Schwester, die Ärztin Nooshrin Ebadi, die an der Universität lehrt und forscht, im vergangenen Dezember 17 Tage lang in Arrest kam. Man drohte ihr mit dem Verlust ihrer Stellung.

Leben und Kampf im Exil

Ebadi befindet sich unterdessen im westlichen Exil, von wo sie ihren Kampf für Menschenrechte und Demokratie in ihrem Land fortsetzt. Für ihr Eintreten für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im Iran ist sie in diesem Jahr bereits mit dem Internationalen Demokratiepreis Bonn 2010 ausgezeichnet worden. (APA)


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Kommentar der Anderen von Ursula Plassnik: Frauenrechtlerin im Namen des Korans

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    Schikaniert, unter Druck gesetzt, bedroht: Shirin Ebadi lebt nun im westlichen Ausland. Am Dienstag wird sie für ihren unermüdlichen Einsatz für Menschenrechte geehrt.

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