Fibrinolysehemmer rettet Leben

15. Juni 2010, 11:52
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Tranexamsäure kann Todesfälle bei schweren Blutungen reduzieren - Keine Hinweise auf unerwünschte Gerinnung des Blutes

London - Bis zu 100.000 Leben könnten jährlich gerettet werden, wenn Patienten mit starken Blutungen Tranexamsäure (TXA) verabreicht wird. Zu diesem Ergebnis ist eine internationale Untersuchung unter der Leitung von Ian Roberts von der London School of Hygiene and Tropical Medicine gekommen.

TXA fördert die Blutgerinnung und könnte damit das Sterberisiko um 15 Prozent senken. Entwicklungsländer würden laut den Wissenschaftlern am meisten von diesem Behandlungsansatz profitieren, ergab die Auswertung der Daten von 20.000 Patienten. Details der Studie wurden in The Lancet veröffentlicht.

Entwicklungsländer am stärksten betroffen

Jährlich verbluten weltweit rund 600.000 Verletzte. Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation  zeigen, dass jährlich fast sechs Mio. Menschen in Folge von Verletzungen sterben. Das entspricht zehn Prozent der weltweiten Todesfälle. Am stärksten betroffen sind Entwicklungsländer, wo Unfälle im Straßenverkehr und Morde immer stärker zunehmen.

Fast die Hälfte dieser Todesfälle wird durch Blutungen verursacht. Die aktuelle Studie ist die erste, die die Wirkung von TXA bei Verletzten mit schweren Blutungen untersucht hat. An den Tests nahmen Patienten von 274 Krankenhäusern in 40 Ländern teil. Dazu gehörten Opfer von Verkehrsunfällen, Schießereien, Messerstechereien und Landminen.

Sterberisiko um ein Sechstel reduziert

Den Teilnehmern wurde wenige Stunden nach der Verletzung ein Gramm TXA injiziert. Ein weiteres Gramm wurde in den nächsten acht Stunden über eine Infusion verabreicht. Die Kontrollgruppe erhielt ein entsprechendes Blindpräparat. In einem Zeitraum von vier Wochen nach der Verletzung zeigte sich, dass TXA die Wahrscheinlichkeit eines Todes durch starken Blutverlust um ein Sechstel verringerte.

Roberts betonte, dass das Sterberisiko mit diesem Medikament deutlich gesenkt werden kann. Es gab, anders als befürchtet, auch keine Hinweise auf Komplikationen oder eine unerwünschte Gerinnung des Blutes. TXA könnte weltweit jährlich bis zu 100.000 Leben retten. In Ländern wie Indien und China könnten so rund 12.000 Patienten ihre Verletzungen überleben. In den USA könnten 2.000 Menschenleben gerettet werden. In Europa wären es noch mehr.

Einfache Verabreichung und Lagerung

Allein in Großbritannien sterbenrund 1.800 Menschen an schweren Blutungen. Diese Zahl könnte um 280 gesenkt werden. Roberts erklärte auch, dass TXA eine der kostengünstigsten Möglichkeiten sei, weltweit Menschenleben zu retten. Ein Gramm TXA kostet rund drei Pfund. Es ist einfach zu verabreichen und muss nicht gekühlt gelagert werden. (pte)

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    Jährlich verbluten weltweit rund 600.000 Verletzte.

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