Alterung ist Herausforderung für Familienpolitik

15. Juni 2010, 07:12
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Münz: "Müssen verhindern, dass Kinderzahl kleiner wird"

Wien - Die zunehmende Alterung der Gesellschaft und das nach wie vor bestehende "Dilemma" der Frauen, zugunsten von Kindern meist auf eine Karriere verzichten zu müssen, sieht der Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz als zentrale Herausforderungen für die Familienpolitik in den nächsten Jahren. "Wir müssen die Gesellschaft umstellen", erklärte Münz am Montag anlässlich der Enquete "Die Familie an der Wende zum 21. Jahrhundert".

Im Jahr 2050 werde die Hälfte der österreichischen Bevölkerung über 50 Jahre alt sein, betonte Münz, der auch am aktuellen Familienbericht mitgewirkt hat. Es werde generell mehr ältere Menschen und weniger Kinder geben. Paare mit Kindern würden seltener, dafür steige die Zahl an älteren Singles oder Patchworkfamilien. Die Frage für die Politik sei, wie sie darauf reagiere, so der Bevölkerungswissenschaftler.

"Verhindern, dass Kinderzahl kleiner wird"

"Wir müssen verhindern, dass die Kinderzahl kleiner wird." Die jetzige "Elterngeneration" beginne schon zu schrumpfen, warnte Münz, und je weniger Kinder in die Welt gesetzt werden, desto weniger potenzielle künftige Eltern gibt es. Um dagegenzusteuern, müsse die Politik dafür sorgen, dass jene, die sich Kinder wünschen, auch welche bekommen können - unter leistbaren Bedingungen, meint der Experte.

"Dilemma" bei gut ausgebildeten Frauen

Damit zusammen hängt auch das "Dilemma" vor allem der gut ausgebildeten Frauen, die zugunsten der Realisierung ihres Kinderwunsches nach wie vor auf Karriere verzichten müssten: Der Kompromiss zwischen Kind und Erwerbstätigkeit sei Teilzeitarbeit, doch "es gibt keine Teilzeitmanager", erklärte Münz exemplarisch. Durch die Alterung der Gesellschaft sei künftig aber von einer "verstärkten Nachfrage" heimischer Arbeitskräfte auszugehen, dazu brauche man auch die qualifizierten Frauen - wodurch sich das "Dilemma" noch verschärfen könnte.

Im Zusammenhang mit der Geburtenrate plädiert Münz deshalb für eine bessere Betreuungsinfrastruktur: Kindergärten, die 12 Monate im Jahr ganztags geöffnet sind, aber auch Ganztagsschulen sollten die Regel und nicht die Ausnahme sein, meinte der Experte. Außerdem notwendig sei weiterhin eine materielle Umverteilung im Zuge der Familienleistungen. Österreich verteile schon jetzt "relativ viel" um, "nicht immer punktgenau, aber es hilft".   (APA)

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