Belgiens Spaltpilz legt großen Wert auf Sprachstil

14. Juni 2010, 20:05
2 Postings

Bart De Wever machte Flämische Allianz zur stärksten Kraft

Eine der Lieblingsposen von Bart De Wever ist die des gemütlichen Politikers, der zwar feste Überzeugungen hat, der aber als Pragmatiker durchaus mit sich reden lässt. So hat sich der 39-jährige Chef der "Nieuw-Vlaamse Alliantie" kurz vor den Wahlen der Weltpresse präsentiert.

Die Auswahl des Orts war dabei genauso wohlkalkuliert wie fast alles in der Kampagne der national-flandrischen Partei, die in Belgien ein politisches Erdbeben ausgelöst hat. De Wever ließ nicht die Journalisten zu sich kommen. Er kam gleich selber ins Internationale Pressezentrum mitten im Brüsseler Europaviertel zwischen EU-Kommission und Ministerrat. In fünf Fremdsprachen, Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch - und das beinahe fließend -, gab er Auskunft darüber, was seine Partei mit der geforderten Teilung des Landes bezwecken wolle.

Dass niemand sich fürchten solle;warum ein eigenes Flandern und Wallonien bei gleichzeitigem "Verdampfen" Belgiens besser wäre für alle; dass es ihm nicht um Spaltung an sich gehe, sondern nur darum, den quasi natürlichen Lauf der Welt zu vollziehen: In einem sich immer mehr vereinigenden Europa, das er sehr befürworte, brauche man keine Bundesregierung mehr. Ansonsten solle die Region dominieren und regieren.

Das klingt fast harmlos, noch dazu, wenn es von jemand vorgetragen wird, der so ganz und gar nicht ins Klischee des stark Rechten passt wie De Wever, der Mann aus dem Volk, stark übergewichtig, ohne Allüren, einer, der das Hemd am liebsten offen trägt, ohne Krawatte, ruhig und gebildet spricht. Der N-VA-Führer und vierfache Vater hat Geschichte studiert, war vor seiner politischen Karriere Wissenschafter. Immer wieder hat er sich gegen die Ausländerhetze der rechtsextremen Partei in Flandern, des "Vlaams Belang" , ausgesprochen.

Aber man soll sich nicht täuschen. De Wever kann auch anders. Als der Bürgermeister von Antwerpen sich vor zwei Jahren dafür entschuldigt hat, dass die Stadtverwaltung bei Judendeportationen mit den Nazis kollaboriert hat, nannte er das "billig und unnötig" . Ein Regional-Nationalist wie De Wever weiß ganz genau, woher seine Stimmen kommen.

So hat er seine vielen Mandate bei allen politischen Gegnern abgeräumt: beim Vlaams Belang, den Liberalen, deren Wirtschaftsprogramm er für sich adaptierte, und den Christdemokraten, die ihn 2007 durch Aufnahme in ein Wahlbündnis erst bekannt und dann groß machten. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.