Gefilmtes Geld

14. Juni 2010, 19:26
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Fade Bilder, bitte ändern: Die Finanzkrise wird in ORF-Nachrichten immer mit Banknotenbündeln illustriert

Disclaimer: Der ORF ist immer noch eine Quelle für halbwegs seriösen Nachrichtenjournalismus. Gott helfe uns, wenn wir unsere News ausschließlich von Privaten beziehen müssen.

Jedoch: Wenn die in ihrer Routine und Einfallslosigkeit so weitermachen, werden noch weniger Menschen ORF-Nachrichtensendungen sehen, und die Anstalt wird eines nicht allzu fernen Tages ihre Legitimation als Gebührenfunk verlieren.

TV lebt vom Bild, wissen wir alle, und wenn die Bilder fad werden, ist das ein Alarmzeichen höchster Ordnung. Seit Jahren vernehmen wir nun Finanzkrise, Bankenkrise, Schuldenkrise, Eurokrise. Illustriert wird das immer mit Banknotenbündeln. Es ist die Rede davon, wie viele Fantastilliarden irgendwem fehlen. Bild: Euro-Scheine, die gezählt werden. Von Hand, mit Maschinen, Banknotenpakete, aber immer: gefilmtes Geld. Und so durch die ganze Finanzkrise: Bilder von Geld. Sicher, es ist schwer, komplizierte finanzielle Vorgänge darzustellen. Aber anscheinend bemüht sich niemand darum.

Oder: Irgendein Experte wird befragt. Z. B. zur Finanzkrise. Was sehen wir jedes Mal? Der Experte geht zu seiner Bücherwand, nimmt einen Band heraus (kann auch die Mutzenbacher sein, wir sehen es nicht so genau), blättert drin, setzt sich an den Schreibtisch, und los geht's.

Das ist öd. Und erstarrte Routine. Unjournalistisch. Nicht TV-gerecht. Bitte ändern. (Hans Rauscher/DER STANDARD, 15.6.2010)

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