Im Unruhezustand

14. Juni 2010, 19:00

Die gute Nachricht: Wir leben länger - Die schlechte: Wir werden das längere Leben nur bedingt genießen können

Es gibt immer eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist: Wir leben länger. Die schlechte: Wir werden das längere Leben nur bedingt genießen können. Wir werden auch länger arbeiten müssen. Sonst geht sich das staatliche Pensionssystem hinten und vorn nicht aus. Es wird schlicht nicht mehr leistbar sein.

Auf dem Papier hätte Österreich ein tadelloses Pensionssystem, das wäre die gute Nachricht. Männer gehen mit 65 Jahren in Pension, Frauen mit 60. Theoretisch. Die schlechte Nachricht aus der Praxis: Die Politik hat so viele Schlupflöcher zugelassen und geschaffen, dass Männer wie Frauen im Schnitt weit früher in Pension gehen - 70 Prozent vor dem gesetzlichen Pensionsalter. Das ist kein Zufall und kein Schlupfloch mehr, das hat in Österreich System und ist ein einladendes Tor. Wer kann, der flüchtet aus dem Arbeitsalltag. Experten rechnen damit, dass sich eine Dreiviertelmillion Menschen im besten Erwerbsalter im Ruhestand befindet. Das ist schön für diejenigen, die ihre Freizeit genießen, aber fatal für das System und diejenigen, die es finanzieren (werden) müssen.

Die gute Nachricht: Das System steht nicht vor dem Kollaps, auch wenn die Nachrichten aus der Krise schockierend sind. Die schlechte Nachricht: Offenbar braucht es diesen Schock aus der Krise, damit auch etwas geschieht. Gut: Es lässt sich rasch und leicht etwas ändern - etwa die Hacklerregelung abschaffen. Schlecht: 45 Jahre arbeiten sind dann doch nicht mehr genug. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2010)

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Fatal

Zitat "Experten rechnen damit, dass sich eine Dreiviertelmillion Menschen im besten Erwerbsalter im Ruhestand befindet. Das ist schön für diejenigen, die ihre Freizeit genießen, aber fatal für das System und diejenigen, die es finanzieren (werden) müssen"

Fatal finde ich, dass selbst Journalisten das "Denken" den sog. "Experten" überlassen und dies der Bevölkerung unreflektiert übermitteln, auch dass die jetzige Art der Pensions-Finanzierung als von Gott gegeben angesehen und nicht nachgedacht und analysiert wird, was sich in den letzten 50 Jahren in der Arbeitswelt verändert hat.
Kreativität kommt nur dann zum Vorschein, wenn es um die Verteilung der Steuergelder zu Lasten der grossen Masse geht und um die Gesellschaft zu spalten.

Am Beispiel Deutschland 2003:

Rente & Rentenreform
Von der elendigen Rechenweise namens Demographie und von der Armseligkeit, als Lohnarbeiter alt zu werden

http://doku.argudiss.de/?Kategorie=KuA#53


Herr Völker, was mir an Ihrem Artikel so gar nicht gefällt ist, dass Sie es hier so darstellen, als würden alle diese Menschen freiwillig und mit Hurra als Sozialschädlinge in die Pension entschwinden.

So ist das aber nicht. Wer heute als Arbeitnehmer auch nur in die entfernte Nähe des Pensionsalters kommt, dem wird klargemacht, dass man sie/ihn am liebsten in die Pension verabschieden würde. Besser heute als morgen. Mit der Drohung einer Entlassung als 'Anreiz', damit man sich recht intensiv und frühzeitig um die Pensionierung kümmert. Der Arbeitgeber hat wirtschaftliche Gründe dafür - junge AN sind billiger, halbe Abfertigung für Pensionisten. Der nun früh in Pension Geschickte hat nur Nachteile, vor allem Abstriche beim Entgelt.

wo sind die stellenangebote für 50+ arbeitslose, herr völker?

wo? wo? wo?

wennst dich bewirbst als 50+ und dein geburtsdatum in den cv schreibst, kriegst zu 100% nicht mal einen interviewtermin.

Wir sollten früher sterben!

Man kann das Pensionsantrittsalter auch auf 113 erhöhen und trotzdem würde es nicht mehr Jobs geben. Die einzige Lösung wäre es mMn früher zu sterben, was nicht unbedingt schlecht sein müsste. Wir könnten rauchen, saufen und fressen was wir wollen, unsere Nachkommen würden dafür vielleicht noch einen kleinen Frühsterber-Bonus vom Staat bekommen und wir könnten uns diesem ganzen Gesundheitswahnsinn entziehen...wahrscheinlich hätte die "Leben-wir-ewig-Industrie" etwas dagegen!

Frauen mit 60??

Hallo! Wo sind die Gleichberechtigungsgurus, die sonst bei jeder Ungleichbehandlung aufjaulen???

gilt nur mehr für's ASVG und ist auch dort ein auslaufmodell. oisdern.

Ich bin für folgende Lösung!

... alle ab 50+ sofort ins Parlament oder nach Brüssel! nach 2 Amtsperioden dann die Pensi kassieren und allen gehts wieder gut!

So viel schlechter als jetzt kann es ja nicht mehr werden!

Die Exitstrategie kann nur lauten,


daß das gesetzliche Pensionsantrittsalter auch das faktische wird und natürlich müssen alle Ausnahmen davon abgeschafft werden.

Würden wir das mit sofortiger Wirksamkeit umsetzen, dann würden die nächsten Jahre die Pensionskassen sich wieder füllen. Weil das würde bedeuten, daß es am einen Ende die nächsten 5-8 Jahre fast keine Neuzugänge geben würde und am anderen Ende würde die Anzahl der Pensionisten auch immer geringer werden.

für diese strategie gibts keine arbeitsplätze

die arbeitslosenrate würde steigen, man wird wohl etwas a bisserl mehr gehirnschmalz dafür aufwenden müssen

Die "Langzeitarbeitslose" soll ab dem 50sten unter Strafe gestellt werden.


Sonst kommt der glorreiche Marin noch auf die Idee, daß die Arbeitslosenversicherung pleite ist und nicht mehr finanziert werden kann.

Die Politik wünscht Sozialhilfe-Empfänger statt Pensionisten!


Wenn mehrere Jahrgänge der älteren Arbeitnehmer in Folge nicht in Pension gehen, dann werden entweder kaum neue Arbeitsplätze frei oder man kündigt diesen Menschen ohnehin den Job und sie sind bis zum Pensionsantritt arbeitslos. Letzteres wird von der Politik angestrebt - dazu schickt man 'Experten' wie Marin und Rühe vor, die uns was zum angeblich schlimmen Zustand unseres Pensionssystems vorjammern und das p.t. Publikum für 'Reformen' weichklopfen sollen.

Ein Arbeitsloser belastet das Pensionssystem nicht, 'nur' das Sozialsystem, er senkt seine zu erwartende Pensionshöhe, weil er keine Pensionsversicherung einzahlt und kann vom Staat noch ordentlich sekkiert werden, bis er endlich das offizielle Pensionsalter erreicht.

genau so ist es!

am liebsten wäre der politik, wenn sie alle einkommen, jedes vermögen und jede immobilie konfiszieren und beschlagnahmen könnte und darauf alle menschen zu 100% von der willkür der politik abhängig wären. billiges, williges stimmvieh sozusagen.

erst die menschen enteignen, um sie dann zu in der hand zu haben. das ist das system dahinter.

Genau so ist es!

Das wird die praktische Auswirkung sein. Soll die Politik doch auch die Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern fördern!
Das wär viel wirksamer als nur wieder weitere Pensionskürzungen.
Diese ganze Kürzungen sollen ja nur dazu führen daß möglichst viele Menschen bei privaten Versicherungen Zusatzpensionen abschließen!
Und all die "Experten" sind Lobbyisten für eindeutige Geschäftsinteressen!


Stimmt! Die Verquickung dieser Herren 'Experten' mit der Versicherungswirtschaft einerseits und ihre Politiknähe andererseits läßt uns gar nix Gutes erwarten!

Die Versicherungen halten eh nicht, was am Anfang großartig versprochen wird, ich warte nur darauf, bis in ein paar Jahren die ersten Pensionsfonds pleite gehen. Die Politik wird dann bedauernd mit den Achseln zucken und auf die private Natur dieser Fonds hinweisen. Habts halt Pech gehabt.

Die Politik aber will möglichst bald über gesunkene Pensionsleistungen mehr Verteilungsmacht erhalten und ganz nebenbei einige Posten und Parteispenden von der Versicherungswirtschaft finanziert bekommen.

Die durchschnittliche Beamtenpension ist höher als die ASVG-Höchstpension. Warum wird das eigentlich nicht flächendeckend als schreiend ungerecht empfunden, sondern schon wieder auf die ASVG-Pensionen hingeprügelt?

ungerechte Höhe des Beamten-Ruhegenusses?

Weil es nur auf den ersten, sehr oberflächlichen Blick hin ungerecht ist!
Ein Beispiel:Herr A, Spitzenbeamter, Bezug mtl. 7000 brutto. Herr B, Prokurist (ASVG) Brutto-Gehalt mtl. 7000,--. Herr A zahlt einen HÖHEREN "Pensions"beitrag (%-Satz)von 7000,--. Herr B zahlt einen NIEDRIGEREN %-Satz von 4110,-- = Höchstbeitragsgrundlage! Dass sich der DG vom A (Bund, Land, Gemeinde)ein ganzes Berufsleben lang den DG-Anteil spart und daher im Alter diese über 40 Jahre gesparten Anteile in einer kürzeren Phase als höhere Pensionszuschüsse fällig werden, kann Herrn A kaum zum Vorwurf gemacht werden. Wäre es wirklich gerecht, Herrn A massiv höhere Beitrage zahlen zu lassen und ihm dann die gleiche Pension zu geben wie Herrn B?

Der Beamte hat andere Nachteile

z.B. keine Abfertigung, Selbstbehalte bei der Krankenversicherung und je nach Berufsgruppe weitere.

Selbstbehalte zahlen alle. oder was glaubst sind Rezeptgebühren.

Abfertigung?

Gibts - wie unter ASVG-Versicherten bekannt - nur dann, wenn die Firma den Arbeitsvertrag auflöst (Kündigung) oder man aus einem aufrechten Arbeitsverhältnis in Pension geht.
Die Zahl, derer, denen das gelingt ist derzeit sehr gering, da Arbeitnehmern 50+ meistens unter Druck einer "Auflösung des Dienstverhältnisses im beiderseitigen Einvernehmen" zustimmen - nach dem Motto: "Einen Kündigungsgrund find' ma immer!", um ein halbwegs schönes Dienstzeugnis zu erhalten. Da wird aber auch keine Abfertigung fällig. Hat man das Glück, mit 50+ dann noch eine Arbeitsstelle bis zum Pensionsantritt zu bekommen, ist die Höhe der Abfertigung marginal bzw. nicht vorhanden. Ob das die zitierten "Vorteile" aufwiegt, bezweifle ich.

nach der abfertigung neu bekommt man auch nach einer einvernehmlichen auflösung eine abfertigung

Schon, schon,

aber in den Beamtengehirnen spukt scheinbar nach wie vor die Abfertigung alt (ein Jahresentgelt) nach mehr als 25 Dienstjahren beim GLEICHEN Arbeitgeber. Diese Erwerbsbiographie hat eine Mini-Minderheit der ASVG Beschäftigten. Und die Abfertigung neu, gerechnet mit einer zumindest 6 % Steigerung p.a. des veranlagten Kapitals um in etwa auf die Höhe der Abfertigung Alt zu kommen ist vielleicht Spielgeld für den Finanzmarkt, wie die Realität aussieht, zeigen ja die überbetrieblichen Pensionskassen.

Frauen dürfen schon mit 60?


Und leben auch noch länger. Ja wer zahlt denn das alles?

de facto ist das pensionseintrittsalter gleich (durch eben frühpensionierungen). gesetzlich gibts bis 20?? eine einschleifregelung, dann ist es auch auf dem papier gleich.

de facto gleich? naja. männer gehen - nach einem kürzlich hier publizierten artikel - im durchschnitt mit knapp 59 in pension, frauen mit gut 57 jahren. also immerhin noch ein unterschied von fast 2 jahren.

die anpassung passiert übrigens in der übergangsphase von 2019 bis 2033. auf dem papier gleich wirds somit in 23 jahren sein.

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