Ein zukunftsträchtiger Blick in die Schreibwerkstatt

14. Juni 2010, 18:59
1 Posting

Die erfolgreiche Grazer Dramatikerschmiede uniT präsentiert in Wien neue Stücke junger Autoren

Wien - Das Grazer Schreibseminar uniT kümmert sich nun schon seit einigen Semestern um den österreichischen Dramatikernachwuchs und entließ in den vergangenen Jahren Jungautoren wie Ewald Palmetshofer, Gerhild Steinbuch oder Johannes Schrettle in die Theaterfreiheit. Erstere fanden liebevolle Aufnahme als Hausautoren in Andreas Becks Schauspielhaus, weitere Alumni eroberten die diversen Werkstatttage und Stückentwicklungswochen der deutschsprachigen Theaterhäuser. Wiederum bei Gastgeber und Partner Beck in der Wiener Porzellangasse wurden am Sonntag szenische Kostproben der aktuellen Klasse serviert.

Die drei Stücke von Natascha Gangl (Jahrgang 1986), Christian Winkler (1981) und Lisa Danulat (1983) zeigen thematisch wie formal einen abwechslungsreichen Querschnitt: In Lisa Danulats Uns kriegt ihr nicht brechen drei Senioren mit einer jungen Praktikantin aus dem Pflegeheim aus und fahren in einem Panzer auf eine skurrile Urlaubsreise.

Es mag auch an der improvisierten Darstellungsform liegen, dass der Generationendialog mitunter noch recht unbeholfen angestimmt wird. Danulat gewährt einen hochspannenden Blick in die Schreibwerkstatt: Während die Figur der alten Frau Ilex mit hölzernen Pointen auf der Strecke bleibt, ist jene der jungen Pflegerin überaus authentisch und charmant gezeichnet und wird vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen.

Gespräche mit alten Menschen aus ihrem Umfeld dienten Danulat als Material für ihr Stück, das erst in solchen Szenen geschmeidig wird, die der Autorin lebensweltlich vertrauter sind.

Bei Natascha Gangl, deren erstes Stück Zugvögel bereits 2007 von Sabine Mitterecker inszeniert wurde, wird ein Einbruch zum abstrakten Ausgangspunkt rhythmisch hochentwickelter Assoziationsketten. In Die Große Zoologische Pandemie wird ein gesellschaftliches Experiment durchgeführt, der Einbruch bleibt wie eine Seuche an seinen Opfern kleben.

Aus Gesprächen mit einem realen Einbrecher montiert Christian Winkler sein Räuberprojekt, das im Oktober in Jena durch Franz von Strolchen uraufgeführt werden wird: In Wien bildete das Stück als ein auf vier fantastische Schauspieler aufgeteilter Monolog den temporeichen Höhepunkt des Abends. Winkler erzählt die skurrile Geschichte Karls, der zwei Drittel seines Lebens in Haft verbrachte, mit szenischem Einfühlungsvermögen und Witz. (Isabella Pohl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2010)

 

 

  • Die Grazer Heimstatt von uniT - mehr unter uni-t.org
    foto: unit

    Die Grazer Heimstatt von uniT - mehr unter uni-t.org

Share if you care.