Steirer würden Voves wählen - und die ÖVP

14. Juni 2010, 18:28
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Bei einer Direktwahl würde Voves gewinnen - Da es aber eine Listenwahl gibt, hat die Volkspartei bessere Chancen

Graz/Linz - Wäre schon jetzt Landtagswahl in der Steiermark, so könnte die ÖVP knapp vor der SPÖ gewinnen. Das legt die Ende der Vorwoche durchgeführte Market-Umfrage für den Standard nahe. Demnach könnte die Landeshauptmann-Partei SPÖ mit (hochgerechnet) 38 Prozent rechnen, die ÖVP von Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer dagegen mit 39 Prozent. Das würde bedeuten, dass die ÖVP ihr letztes Ergebnis (38,66 Prozent) etwa halten könnte, während die SPÖ (zuletzt 41,67 Prozent) doch deutlich zurückfiele. Die FPÖ, die 2005 aus dem Landtag geflogen war, dürfte von 4,56 Prozent in die Größenordnung von acht Prozent steigen.

Damit würden sie die Grünen überholen, die zuletzt 4,73 Prozent hatten und nun auf sieben Prozent kommen könnten. Die KPÖ wird von Market derzeit bei rund fünf Prozent gesehen, das wäre etwas unter dem Ergebnis der vorigen Wahl (6,34 Prozent), das BZÖ könnte sich auf etwa drei Prozent verdoppeln, bliebe aber außerhalb der Mandatsränge.

Damit bleiben die Orangen ebenso wie die Grünen und die FPÖ deutlich unter dem, was sie erreichen würden, wenn die Steirer die jeweiligen Bundesparteien für den Nationalrat zu wählen hätten: Da würden nämlich neun Prozent das BZÖwählen, zwölf Prozent die Grünen und sogar 21 Prozent die Freiheitlichen.

Dass bei einer Landtags-Umfrage gleichzeitig abgefragt wird, wie dieselben Befragten bei einer Nationalratswahl entscheiden würden, zeigt die Potenziale der kleineren Parteien recht deutlich auf. Sie zeigt aber auch, dass ÖVP und SPÖ im Land viel besser liegen als bundespolitisch: Die Bundes-ÖVP könnte bloß 28 Prozent der steirischen Wähler ansprechen, die Bundes-SPÖ gar nur 24 Prozent.

Mobile Wähler

Market-Chef Werner Beutelmeyer verweist auch darauf, dass gerade bei Landeswahlen eine besondere Mobilität herrscht: "Es stimmt schon, was die Politiker nach Wahlen sagen: Regionale Wahlergebnisse haben primär regionale Ursachen, da geht es ja auch um regional bedeutsame Kandidaten, wie etwa den steirischen Kommunisten Ernest Kaltenegger oder den Tiroler Querkopf Fritz Dinkhauser - auf Bundesebene sind deren Parteien ja gescheitert. Andererseits schlägt schon auch eine Grundstimmung von der Bundesebene durch, der FPÖwar in den Ländern nicht zu helfen, als sie bundespolitisch ein ramponiertes Image hatte."

Der Standard lässt daher auch immer die Motive und Wünsche der Wähler abfragen. Der Grafik ist zu entnehmen, dass 36 Prozent der weiblichen und sogar 41 Prozent der männlichen Wähler der Regierung in Wien einen Denkzettel verpassen wollen. Dies heißt aber nicht automatisch, dass sie die Parteien der Bundes-Koalition abstrafen wollen: "Für viele Steirer scheint es so zu sein, dass sie geradezu aus Protest gegen die rot-schwarze Bundesregierung den Sozialdemokraten Franz Voves wählen würden. Das ist ja irgendwie ein klassisches steirisches Motiv, mit dem auch schon Josef Krainer senior, der in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Bundeskanzler aus der eigenen ÖVP als Gegenüber hatte, gespielt hat", sagt Beutelmeyer.

Voves würde jedenfalls bei einer Landeshauptmann-Direktwahl 35 Prozent der Stimmen bekommen, Hermann Schützenhöfer nur 25 - das heißt: Die Steirer hätten gerne einen Landeshauptmann Voves, der mit ÖVP-Mehrheit regiert.

So ähnlich sieht auch die Analyse der gewünschten Wahlfolgen aus: 35 Prozent sagen auch auf diese Frage, dass sie sich die Wiederwahl von Voves wünschen, nur 31 Prozent wollen, "dass die ÖVP stark genug wird, einen anderen Landeshauptmann zu stellen".

25 Prozent wollen eine weitere Verankerung der KPÖin der Landespolitik, 23 Prozent hätten gerne die FPÖ als meistbeachtete Partei der Wahl. Und 20 Prozent hoffen, dass die Grünen ein wichtiges Wort mitreden können. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2010)

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  • Voves würde bei einer Landeshauptmann-Direktwahl 35 Prozent 
der Stimmen bekommen, Hermann Schützenhöfer nur 25.
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    Voves würde bei einer Landeshauptmann-Direktwahl 35 Prozent der Stimmen bekommen, Hermann Schützenhöfer nur 25.

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