Erweckung mit gezieltem Trommelschlag

14. Juni 2010, 18:27
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    foto: polyfilm

    Richard Jenkins (vorne) entdeckt in sich den Rhythmus

Multikulti-Film-Harmonie: Tom McCarthys "Ein Sommer in New York"

Wien - Das Grundmotiv von Tom McCarthys Filmdrama "Ein Sommer in New York" / "The Visitor" könnte aus einem pädagogischen Band über gedeihliches multikulturelles Miteinander entlehnt sein: Weißer Wirtschaftsprofessor, vereinsamt und kontaktscheu, trifft in eigener Wohnung auf syrischen Musiker und senegalesische Frau, beide als U-Boote im Land. Gewährt ihnen nach kurzem Schock Asyl, steckt sich bald an der Lebensfreude des Mannes (Trommler!) an und überwindet auf diesem Weg letztlich eigene innere Emigration.

Erweckungsgeschichten wie diese täuschen mit sentimentalem Druck über ihre eindimensionale Stoßrichtung hinweg. Anstatt sich dem strapaziösen Alltag von Migranten direkt zu widmen, wird die Perspektive an einen Stellvertreter übergeben, an dem die Vorzüge des interkulturellen Miteinanders und gesellschaftliche Beschränktheiten (in Amerika nach 9/11) verhandelt werden. Die liberale Botschaft ist so einfach wie tendenziös: Fremde Kultur, an der wir selbst partizipieren können, birgt heilsame Kräfte!

Ende der Lethargie

Staatliche Institutionen, die gegen die neuen Freunde aktiv werden, gehören in "Ein Sommer in New York" folglich zum Konfliktpersonal. Die Nagelprobe des Helden Walter Vale besteht nicht nur darin, aus der eigenen Lethargie herauszutreten und Freiheit zu gewähren, er soll wieder Verantwortung übernehmen. "Six Feet Under"-Star Richard Jenkins, einer der verlässlichsten Nebendarsteller des US-Kinos, verkörpert ihn in einer Oscar-nominierten Rolle als Mann mit unfassbar traurigem Gesicht, in dem die Lebensgeister nur auf ein Zeichen warten.

Es liegt an den Schauspielern, an Jenkins und vor allem an der Israelin Hiam Abbass, die die Mutter des später inhaftierten Trommlers spielt, dass das insgesamt zu geglättete Sozialdrama noch an einigen Nuancen gewinnt. Zwischen den beiden vom Leben auf unterschiedliche Weise gegerbten Menschen kommt es zu einer in verhaltenen Gesten verfassten Annäherung, die McCarthy zum Glück auch in Andeutungen belässt. Hier übt sich "Ein Sommer in New York" in einer Dezenz, die er an anderen Stellen durch seinen Überrumpelungshumanismus vermissen lässt. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2010)

 

Robert Fabach
11
15.6.2010, 17:54
Betroffenheitskino für Ameriganer.

Gestern gesehen. Fand den Film leider ganz schwach. Darsteller und Bilder waren gut, die Story, gemessen an ihrem Potential total flach und daneben. Wenn man 2007 der Welt verdattert verkünden muss, daß die US Einwanderungsbehörde einen miesen Zimmerservice hat, grenzt das schon bald an fahrlässige Verharmlosung.
Wieso ist die Musik so schwach?
Wieso verplätschert die Spannung "Wirtschaftswissenschafter trifft Wirtschaftsflüchtling" zur belanglosen Kulisse?
Wieso verwandelt das Drehbuch die zentrale Identifikationsfigur zusammenhangslos und kurz vor Schluss in einen völligen Loser?
Hallo! Zwischen stillen und schwachen Filmen will unterschieden sein.

Longyearbyen
 
00
22.6.2010, 10:20
"die zentrale Identifikationsfigur"

Kindisch oder naiv?

mandamanda
02
15.6.2010, 10:06
lasst euch nicht in die irre führen ...

... durch diesen artikel => der film ist großartig, wie auch die darstellerInnen - und wenn herr kamalzadeh erklären würde, was denn da glatt ist an dieser handlung, dem film?

yugochic
13
15.6.2010, 09:06
so lange hat das gedauert bis der bei uns anläuft??!

fand den film ganz hervorragend... kann ich nur empfehlen!!

Andi Arroganti
00
15.6.2010, 07:36

grossartiger film.

johann weissmueller
12
15.6.2010, 00:16

och, war es zu geglättet, ja? nein, wirklich, diese linksliberalen filmemacher. tztztz, was sich die neuerdings erlauben. sind für integration und dergleichen. aber auch so passé ist das...
ich empfehle die internationalen reaktionen auf diesen film wahrzunehmen und diesen selbstgerechten unsinn hier schnell zu vergessen!

CraigK
01
15.6.2010, 06:46

Well, here's some international reaction for you; this film is a cloying, shallow, pretentious waste of time. I'm surprised the review actually got it right.

Neuer Nick neues Glück
00
15.6.2010, 12:04

That's probably the reason why it received a mere 96% on rottentomatoes.

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