Milch-Ehe regt Rebellen auf

14. Juni 2010, 18:01
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Berglandmilch und Tirol Milch warten auf grünes Licht

Wien - Österreichs Molkereiwirtschaft treibt angesichts des härteren internationalen Wettbewerbs die Konsolidierung voran. Die geplante Fusion der Berglandmilch mit der Tirol Milch steigt aber einigen in der Branche sauer auf. Es sei wichtig, sich der Marktmacht des Handels entgegen zu stellen - kontrolliere aber einer mit einem Schlag über 40 Prozent der Milchmengen in Österreich, sei das für den freien Markt katastrophal, so der Tenor der kämpferischen IG Milch, deren Bauern einst Lieferstreiks wegen niedriger Preise auf die Beine gestellt hatten.

Die Erfahrung zeige, dass Landwirte damit an die kurze Leine genommen werden, die Mitspracherechte außer Kraft gesetzt und Mitbewerber aus dem Markt gedrängt, sagt Ernst Halbmayr, Chef des European Milk Board. Ihm sind vor allem die neuen Lieferverträge der Berglandmilch zuwider. Die IG Milch lasse sie derzeit juristisch prüfen, bestätigt ihr Obmann Ewald Grünzweil und spricht von Knebelverträgen. Im Visier seien etwa Klauseln, die Landwirte als Genossenschafter dazu zwingen, sämtliche Entscheidungen des Konzernvorstands zu akzeptieren, ob es nun um Fütterungsrichtlinien oder gestaffelte Preise gehe.

Alfred Berger, Chef des Konkurrenten Nöm, sieht den geplanten Zusammenschluss des Marktführers mit den Tirolern deutlich gelassener. Es sei der erste Schritt in der Strukturbereinigung. Auch er sei an Expansion interessiert und stehe Gewehr bei Fuß, sollte sich in Österreich was ergeben. Da hier aber noch wenig Bewegung drinn sein, konzentriere sich die Nöm einstweilen lieber aufs Ausland.

Die Molkereien müssten sich in Zukunft eben schlagkräftiger aufstellen, andere Länder seien dabei viel weiter, hält auch Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung der Milchverarbeiter, der Berglandmilch die Stange. In Europa seien Konzerne mit der dreifachen Milchmenge, die ganz Österreich aufstelle, am Markt. Tirol Milch steht nach hohen Investitionen finanziell stark unter Druck. Gibt es grünes Licht von Kartellwächtern und Genossenschaftern, liefern gut 16.000 Bauern an die Oberösterreicher. Auch andere suchen Partner: Käsehof etwa. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2010)

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