Isotopen-Analyse: Forscher verglichen den Zahnschmelz der Reptilien mit denen von Fischen
Villeurbanne - Ihren evolutionären Durchbruch verdankten Reptilien eigentlich dem Umstand, dass sie eine feste Haut entwickelten, die sie vor Austrocknung schützte und sie somit von dem an Feuchtgebiete gebundenen Leben ihrer amphibischen Vorfahren emanzipierte. Dennoch zog es diese Tiergruppe immer wieder ins Wasser zurück: Heute führen Krokodile und verschiedene Schildkröten- und Schlangenarten ein zumindest semiaquatisches Leben. Im Erdmittelalter, parallel zur Evolution der Dinosaurier an Land, bildeten sich jedoch unabhängig voneinander drei Reptiliengruppen heraus, die dem Leben im Wasser besonders gut angepasst waren: Plesiosaurier, Mosasaurier und Ichthyosaurier.
Drei Entwicklungswege ...
Die Plesiosaurier entwickelten sich vor etwa 200 Millionen Jahren und hielten sich bis zum großen Artensterben vor 65 Millionen Jahren. Sie hatten einen langen "Schlangenhals" und vier kräftige, paddelförmige Flossen, die ihnen "Unterwasserflug" und vermutlich hohe Manövrierfähigkeit verliehen. Die Mosasaurier, verwandt mit den heutigen Schlangen und Echsen, sind halb so alt. Ihr Körper war vergleichsweise gedrungen, mit einem langgestrecktem Kopf auf kurzem Hals, kleineren Flossen und dafür einem langen Schwanz mit senkrecht stehender Flosse. Auch sie starben erst zusammen mit Dino- und Plesiosauriern aus.
Die mit 250 Millionen Jahren älteste Gruppe waren die Fisch- oder Ichthyosaurier: Mit ihrem fisch- bzw. delfinförmigen Körper, der es ihnen nicht mehr ermöglichte zur Fortpflanzung an Land zu gehen, schienen sie dem Leben im Meer am besten angepasst - dennoch wurde diese Gruppe schon während der Kreidezeit von ihren reptilischen Konkurrenten abgelöst und starb vor etwas mehr als 90 Millionen Jahren aus. Wie die anderen Gruppen waren auch die Ichthyosaurier Fleischfresser.
... eine mögliche Gemeinsamkeit
Eines könnten die Vertreter aller drei Gruppen aber noch gemeinsam gehabt haben: "Warmblütigkeit" bzw. Endothermie. Keine vollausgebildete Homöothermie wie bei Säugetieren und Vögeln, aber doch eine Körpertemperatur, die von ihrer Umgebung in gewissem Ausmaß unabhängig war. In einfacher Form sind dazu unter anderem auch Tunfische und manche Haiarten in der Lage, wie man inzwischen herausgefunden hat.
Geochemie-Experte Christophe Lécuyer von der Lyoner Universität in
Villeurbanne glaubt, dass die Reptilien eine Körpertemperatur erreichen konnten, die bis zu 20 Grad über der des sie umgebenden Wassers lag - was ihnen erhöhte Aktivität und damit einen evolutionären Vorteil gegenüber anderen Meeresbewohnern wie Fischen oder Kopffüßern ermöglicht hätte.
Temperaturpalette
Das Indiz: Warmblütigkeit hinterlässt im Körper ihre Spuren, und zwar in Form der Sauerstoff-Isotope im Zahnschmelz. Lécuyer und sein Team untersuchten Zähne von Vertretern aller drei Reptiliengruppen und verglichen sie mit denen von (aller Wahrscheinlichkeit nach "kaltblütigen" bzw. ektothermen) Fischen desselben Zeitalters auf die Isotopen-Raten und speziell das Sauerstoff-Isotop 18. Tatsächlich stellte sich heraus, dass das Isotop in allen Reptilienzähnen stärker vertreten war als in denen von Fischen - ein klarer Hinweis darauf, dass die Körpertemperatur der Reptilien höher lag.
Zwischen den Reptilien variierte die Isotopen-Rate: Die verschiedenen Spezies von Meeressauriern hatten demzufolge maximale Körpertemperaturen zwischen 35 und 39 Grad Celsius - durchaus vergleichbar mit den Warmblütern von heute also. Wie genau sie diese Temperatur aufrechterhielten, kann mit der Methode allerdings nicht geklärt werden. Bei Säugetieren und Vögeln wird dies durch den Stoffwechsel ermöglicht, Haie und Tunfische produzieren Wärme durch Muskelaktivitäten. (red)