Übernahme von "Le Monde": Ärger über Sarkozys Einmischung

14. Juni 2010, 15:50
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Hochverschuldete Zeitungsgruppe steht vor Aufkauf

Paris - Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy sorgt im Zuge der bevorstehenden Übernahme der Traditionszeitung "Le Monde" für Ärger. Es sei "ein groteskes Gerücht", dass Sarkozy den Verkauf der verschuldeten Zeitungsgruppe beeinflussen wolle, sagte der Sprecher der konservativen Regierungspartei UMP, Frédéric Lefebvre, am Montag.

Die Lesergesellschaft SLM, die an der Zeitung beteiligt ist, hatte am Vortag "die unselige Tradition eines allmächtigen, jakobinischen und kolonialen Staates" kritisiert. Sarkozy hatte vergangene Woche ein Gespräch mit Herausgeber Eric Fottorino geführt; nach Angaben der Redaktion drohte er mit der Streichung staatlicher Hilfen, sollte "Le Monde" an ein linkslastiges Konsortium gehen.

Sarkozy soll dagegen sein, dass die verschuldete Zeitungsgruppe an das Investoren-Trio Pigasse, Bergé und Niel geht. Pierre Bergé, millionenschwerer Privatier und langjähriger Lebensgefährte des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent, will die unabhängige Tageszeitung zusammen mit dem Bankier Matthieu Pigasse und dem Telefonunternehmer Xavier Niel kaufen. Das Trio konkurriert gegen ein Konsortium des französischen Herausgebers Claude Perdriel, der bisher nicht bekannte Investitionspartner im Boot hat.

80 bis 120 Millionen Euro

Als möglicher "Partner" hat sich auch der Mobilfunkbetreiber Orange ins Gespräch gebracht, eine Tochterfirma von France Télécom, an deren Spitze der Sarkozy-Vertraute Stéphane Richard steht. Berichten zufolge muss der künftige Eigner 80 bis 120 Millionen Euro lockermachen, um das Blatt zu retten. Der Aufsichtsrat der "Monde"-Gruppe wollte am Montag eine Bieterfrist festsetzen.

In einer Demokratie sei es "nicht hinnehmbar", dass der Präsident sich in die Wahl des Käufers einmische, erklärte die Lesergesellschaft SLM. Die Kommunistische Partei (PCF) warf dem Staatschef eine "Berlusconisierung" vor. Sarkozy hatte nach Angaben der "Le Monde"-Redaktion vom Konsortium Pigasse, Bergé und Niel abgeraten. Wenn es den Zuschlag als Käufer bekomme, werde der Staat seine zugesagten Hilfen für die Modernisierung der Druckerei zurückziehen, soll der Präsident im Gespräch mit Fottorino gedroht haben.

Die Zeitungsgruppe, zu der auch die Fernsehzeitschrift "Télérama" und das Wochenblatt "Courrier International" gehören, machte im vergangenen Jahr 25,2 Millionen Euro Verlust. Die Auflage des Flaggschiffs "Le Monde" sank um vier Prozent auf täglich 288.000 Exemplare. (APA/AFP)

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