Wirtschaftslektüre: Burn out

Bruckner Regina, 14. Juni 2010, 15:51
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    Peter H. Grassmann. BurnOut. Wie wir eine aus den Fugen geratene Wirtschaft wieder ins Lot bringen. Oekom Verlag. 152 Seiten, 14,90 Euro.

Wie wir eine aus den Fugen geratene Wirtschaft wieder ins Lot bringen – Bekenntnisse und Visionen eines ehemaligen Spitzenmanagers

Peter H. Grassmann agierte als Top-Manager jahrelang in den Führungsetagen global operierender Konzerne. "Ich gehörte zu denen, die man vor der Wut der Benachteiligten schützen musste, die keine Antwort hatten auf deren Probleme. Gab es wirklich keine?", so leitet Grassmann sein Buch "Burn Out" ein. Der promovierte Physiker war technischer Vorstand in der Medizintechnik von Siemens und Vorstands-Chef von Carl Zeiss. Er habe "einem fehlerhaften, einem ethisch zu schwachen System gedient", gibt er zu und schreibt sich seine wachsenden Zweifel am Kapitalismus von der Seele.

Seine Diagnose: Das System des freien Marktes leidet am Burn-out, ist überhitzt und ausgebrannt. Der Patient Markt sei mit seinem neoliberalen Latein am Ende - und der Staat im globalen Spiel der Kräfte zu schwach. Fehlender globaler Ausgleich, Sklaven- und Kinderarbeit, Umweltskandale, soziale Verarmung und internationale Korruption: Die Marktwirtschaft leiste sich in ihrer globalen Freiheit eine Menge, was unter Wertegesichtspunkten nicht sein dürfe und gesellschaftlich inakzeptable Folgen hätte, lautet der Befund. Ganz abgesehen von den Exzessen der Finanzwirtschaft, die alle paar Jahre eine neue Blase platzen ließe, aber immer gut daran zu verdienen scheine. Die globalisierte Marktwirtschaft arbeite nach dem Prinzip der Verdrängung und ignoriere diese Probleme - so Grassmanns Bilanz.

Kapitalismus zähmen mit Hilfe der Zivilgesellschaft

Die „soziale" aber doch recht egoistisch-kurzsichtige Marktwirtschaft gelte es nun auf ein höheres „Plateau" weiterzuentwickeln. Der Kapitalismus und die Globalisierung seien so zu zähmen, dass das System der menschlichen Fehler besser kompensiert werde. Grassmann schlägt einen neuen Weg vor, zwischen markt-radikalem Macho-Kapitalismus und Staatsgläubigkeit: Gesellschaftlicher Dialog lautet für ihn das Stichwort, der sich als Grundlage für sozialere Marktwirtschaft mit mehr Gemeinsinn und Generationengerechtigkeit, anbiete. In seiner Road-Map fordert er vor allem die Mitbestimmung der Zivilgesellschaft in Unternehmen und die Entwicklung eines branchenspezifisch verpflichtenden Wertekodex: Mitbestimmung als neue gesellschaftliche Kraft mit weniger Staat und mehr Mitsprache, orientiert an den Zielen der Nachhaltigkeit und der sozialen Verantwortung, so die Vision.

„Und genau dieses Bewusstsein, auch als Einzelner etwas tun zu können, ist der erste Schritt zu einer umfassenden Antwort: weil wir damit nicht mehr auf den Staat allein warten, sondern viel stärker auch mit unserer Kraft, der Kraft der Zivilgesellschaft, die Themen in die Hand nehmen und einen neuen Weg verstärkter Mitsprache gehen." (Regina Bruckner)

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10 Postings
hamster151
00
16.8.2010, 18:57
ein paar "mea culpa" werden nicht reichen. Zum vollständigen Ablaßhandel bitte das Verdiente gemeinnützig stiften.

Das eigentliche Problem ist doch eher, daß alle im Rückblick die Fehler sehen und sich eigentlich zu den Guten zählen, solange sie aber "jung" waren, kräftig mitgemacht haben.
Im Krieg so wie in der Wirtschaft, immer das gleiche.

Solange sich aber jemand findet, der andere gerne aus Eigennutz ausnützt kann das nicht auf freiwilligem Altruismus basieren.

Was bleibt ist die Notwendigkeit eines Gleichgewicht des Schreckens: zu jeder Macht muß es einen Gegenspieler geben, damit sich ein Gleichgewicht einstellt.

Die kranke Elster
 
02
16.6.2010, 08:11

Ist schon interessant, dass Menschen welche ihren Teil zum Kapitalismus und zur Ausbeutung der Menschheit beigetragen haben, ihr eigenes Trauma in einem Buch verarbeiten.

Das wichtigste in aller Kürze!
30
16.6.2010, 08:45

was genau ist daran in welcher form interessant? teilen sie doch bitte ihre gedanken mit der community.

Flaschenpost
06
15.6.2010, 17:58
Zu diesem tragischen Ereignis darf gepostet werden

Als Techniker sehe ich das so:

Wenn ein (technisches) System nach zig Erweiterungen und Änderungen völlig verbastelt und unübersichtlich geworden ist und eine genaue Fehlerdiagnose daran scheitert dass keiner mehr durchblickt, gibt`s nur mehr eine Möglichkeit:

Den ganzen Krempel auseinandernehmen, die einzelnen Komponenten einem genauen Test unterziehen, jedes, wirklich jedes fehlerhafte oder mangelhafte Teil erneuern und das Ganze behutsam wieder zusammensetzen, und, ganz wichtig: alles genau dokumentieren!

Ist eine Menge Arbeit, der Lohn ist ein längerfristig problemlos funktionierendes System.

Ob man das mit dem Kapitalismus auch mal probieren sollte?

Steven Biko
00
16.6.2010, 14:42
Im Prinzip erscheint mir das richtig...

es stellt sich aber die Frage, wie man selbst in der Technik ein Gerät ersetzt, welches mittlerweile essentiell für das überleben erscheint, aber kein paralleles System zur Übernahme dieses Gerätes existiert.

Erst nach Installation dieses Ersatzgerätes, wäre eine gefahrlose Analyse mit punktuellen Abschaltungen möglich, denke ich zumindest.

Dabei stellt sich die Frage, wer die Macht und die Kompetenz hat, ein solches System zu entwickeln, bzw. aufzubauen ohne dass die Protagonisten des alten Systems dagegen vorgehen.
Da deren Macht ( finanzielle Potenz ) nicht zu unterschätzen ist, müssen diese wohl mit ins Boot !
Leider sind Sie Luxuskajüten gewohnt und die Aussicht auf die Economyclass wird diese "Menschen" nicht gerade locken !
SB

star observer
00
16.6.2010, 11:46

im prinzip richtig, nur bei meinungen, ideologien anschauungen gibt's halt kein schwarz-weiß bzw. richtig-falsch!
in der technik isses einfacher: funzt oder funzt nicht.

strangerinastrangeland
 
10
15.6.2010, 23:37

Wenn der Zweck des Systems eine gerechte Verteilung der Resourcen wäre, dann ist das derzeit vorherrschende eine Fehlkonstruktion schon im Basisdesign und nicht nur verbastelt.
Wenn jedoch der primäre Systemzweck die Umverteilung von unten nach oben ist, so sehe ich wenig Spielraum für Optimierung, das System funktioniert für diesen Zweck fast optimal.

Tan S. Taafl
50
15.6.2010, 19:41
genau deshalb sind sie auch techniker geworden

In den nicht wirklich erfolgreichen planwirtschaften ware genau dieser zugang zu wirtschaftsproblemen für den untergang verantwortlich. gesellschaft und wirtschaft sind keine 4-zylindermotoren, die sich auf basis aus genau dokumentierten planes n eu gestalten liessen. absurd.

sotho talker
 
12
15.6.2010, 22:36
ein wirtschaftssystem ist ein werkzeug

ein tool, etwas dessen man sich bedient. dessen aussehen und verfahren man selber gestaltet.

es ist keine "religion", nichts heiliges nichts unantastbares nichts geheimnissvolles.

es ist keine parapsychologie oder schamanistisch unerklärliches.

nehmen sie zur kenntnis: der voodoomeister hat versagt, weg mit dem dogmenquatsch aus den universitäten und platz für wirtschaftsWISSENSCHAFT.

jfk-alive
11
15.6.2010, 21:27
nett wie Sie kritisieren können

....und was sind eigentlich Sie geworden das Sie andere Leute gleich mit so konstruktiv kritisieren dürfen.... leicht ein WU student der angst hat das für einen selbst nix mehr bleibt vom kuchen oder ein hobby aktionär dem letztens ein paar tausender flöten gegangen sind beim mittäglichen aktien rumschieben...

....sicher is es net so einfach wie ein maschine, aber das genau macht es ja auch so unfäir, unser system, den wer kann davon profitieren?? ...nur die die zugang zu gewissen kreisen haben oder die zumindest in so einem netten westlichen land wie österreich geboren worden sind...

...wenn wirtschaftsysteme nicht auf "vertrauen" und korruption basierend funktionieren würde, wär sicher vieles gerechter auf der welt.

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