Das legendäre Vogerl und der Rücken

14. Juni 2010, 15:24
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Der Däne Agger ebnete den Oranje mit einem sehenswerten Eigentor den Weg zum 2:0-Erfolg

Johannesburg - Bei dieser WM war es das erste europäische Duell. Und es war ein Duell zweier taktisch auf hohem Level agierenden Mannschaften, was lange Zeit eine gewisse Unansehnlichkeit nach sich zog. Denn der Fußball lebt ja nicht bloß von der gelungenen Annäherung ans Ideal, sondern auch und vor allem vom diesbezüglichen Scheitern.

Das freilich passiert sowohl bei den in die Offensive drängenden Niederländern, als auch bei den hinten in formidabler Engmaschigkeit konzentriert agierenden Dänen nur in jenen allerdümmsten Momenten, mit denen kein Schwein rechnet.

Am allerwenigsten der linke Außenverteidiger Simon Poulsen, der ein paar Sekunden nach Wiederanpfiff eine Flanke, die Van Persie von links ins Zentrum schickte, in die Ungefährlichkeit wegköpfeln wollte. Freilich stellte sich da Teamkollege Daniel Agger mit seinem breiten Rücken in den Weg, sodass der Ball von dort seinen Prallweg ins dänische Tor fand. Ein blödes, aber angesichts der ersten Spielhälfte auch nicht untypisches Tor.

In der ersten Hälfte war es nämlich so, dass eher die Dänen ihre Spielanlage - Ernst Happel hätte das "spezifike Kontraattacks" genannt - weit gefährlicher gestalten konnten als die Holländer ihr versuchtes kombinatorisches Powerplay, das der verletzte Bayer Arjen Robben hilflos von der Bank aus beobachten musste.

Dänemarks Nicklas Bendtner, der nach seinen Leistenproblemen eher überraschend von Beginn an spielte, scheiterte mit einem Kopfball nur knapp (27.). Dennis Rommedahls (34.) und Thomas Kahlenbergs (37.) Bemühungen endeten erst bei Keeper Maarten Stekelenburg.

Nach dem blöden Tor gleich zu Beginn der zweiten Hälfte war es mit der dänischen Konzeptbehaglichkeit freilich vorbei. Ein Rückstand lässt sich eben nicht verwalten, ihm muss man nachlaufen, sodass den zuvor eingeengten Niederländern nun mehr Raum gegeben war, den sie hätten nutzen sollen, können, müssen.

Das taten sie aber erst, als Bondscoach Bert van Marwijk statt des Madrilenen Rafael van der Vaart Eljero Elia auf den linken Flügel platzierte. Der Hamburger sorgte in der Folge für gehörigen Wirbel auf der rechten dänischen Abwehrseite. Und es ist keineswegs ein Zufall gewesen, dass von dort auch die Aktion zum 2:0 ihren Ausgang hatte.

Noch ein Abpraller

Elia versetzt in der 85. Minute die dänische Verteidigung, geht in den Sechzehner, sein Schuss trifft aber nur die Stange. Den Abpraller braucht Dirk Kuyt dann nur noch abzustauben. Das 3:0 in der 88. Minute verhinderte der unglückliche Poulsen, als er dem bereits geschlagenen Tormann Sörensen per Rückzieher zur Hilfe geeilt war.

Bert van Marwijk, dem Trainer, ist klarerweise "ein Stein vom Herzen gefallen. Die Dänen sind ein sehr defensiv eingestelltes Team, da war es schwer. Nach dem Eigentor mussten sie kommen, da haben wir mehr Raum erhalten. Die erste Hälfte war schlecht. Aber ich habe immer gesagt, dass wir mehrere Waffen einsetzen können."

Von letzterem kann Dänemarks Morten Olsen nur träumen. Also gibt er unumwunden zu: "Die Niederlande siegten verdient." Aber: "Wenn wir dieses unglückliche Tor nicht bekommen hätten, hätte es auch anders laufen können. Die Führung hat den Niederländern in die Hände gespielt, aber auch wir haben einige Sachen gut gemacht." (sid, wei - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.6. 2010)

Gruppe E, 1. Runde:
Niederlande - Dänemark 2:0 (0:0).
Johannesburg, Soccer City Stadium, 83.465 Zuschauer, SR Stephane Lannoy (Frankreich). 

Tor: 1:0 (46.) D. Agger (Eigentor), 2:0 (85.) Kuyt

Niederlande: Stekelenburg - Van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Van Bronckhorst - Van Bommel, De Jong (88. De Zeeuw) - Kuyt, Sneijder, Van der Vaart (67. Elia) - Van Persie (77. Afellay)

Dänemark: Sörensen - Jacobsen, Agger, Kjaer, S. Poulsen - Ch. Poulsen - Enevoldsen (56. Grönkjaer), Jörgensen, Kahlenberg (73. Eriksen), Rommedahl - Bendtner (62. Beckmann)

Gelbe Karten: De Jong, Van Persie bzw. Kjaer

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Simon Poulsen nimmt den Rücken des Kollegen Daniel Agger zwar nicht gerade ins Visier, trifft ihn aber trotzdem. Von dort wird der Ball an Keeper Thomas Sörensen vorbei, die Torlinie überschreiten.

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