Ein Drittel der Praktika unbezahlt

14. Juni 2010, 15:27
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GPA-Umfrage zeigt dennoch relativ hohe Zufriedenheit mit Ferialjobs - Gewerkschaft sieht Info-Defizit

Wien - Insgesamt rund 130.000 Schüler und Studenten absolvieren jedes Jahr einen Ferienjob oder ein Praktikum, wissen aber oft nicht über die unterschiedlichen Beschäftigungsmöglichkeiten Bescheid. Nach wie vor nutzten viele Betriebe dieses Informationsdefizit und entlohnten die Jugendlichen nicht angemessen. 23 Prozent der SchülerInnen und 36 Prozent der StudentInnen bekommen während ihres Prakikums überhaupt keine Bezahlung, so eine IFES-Studie die im Auftrag der GPA erstellt wurde.

Wichtig sei daher, dass die Schüler und Studenten sich über ihr Praktikum informierten, so GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian, entweder auf der Homepage der Gewerkschaft oder in deren Jugendabteilung. In die Pflicht nehmen wolle er auch die Grundschulen, die in den höheren Klassen die Schüler auf die unterschiedlichen Möglichkeiten - Ferienjob, Praktikum und Volontariat - aufklären, sowie die Betriebe selbst, die arbeitsrechtliche Informationen bereitstellen sollten.

Bedenkliche "Netzwerke der Eltern"

"Sehr bedenklich" sei zudem, dass vor allem bei Pflichtpraktika, die gesetzlich für die Ausbildung vorgeschrieben seien, eine Stelle vom "Netzwerk der Eltern" abhänge. 57 Prozent der StudentInnen und 53 Prozent der SchülerInnen gaben an, bereits einmal einen Praktikumsplatz über Vermittlung von Eltern, Bekannte oder Verwandte gefunden zu haben.

Die Gewerkschaft wolle daher an Modellen arbeiten, damit genügend Praxisplätze zur Verfügung gestellt würden. Details seien aber noch keine bekannt, so Katzian. Aber wenn der Gesetzgeber ein Praktikum vorschreibe, dann sollte er auch für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. Gespräche mit der Unterrichtsministerin liefen. Ausgebeutet fühlen sich jedoch nur 6 Prozent der Schüler und 4 Prozent der Studenten.

Erfahrung, Kontakte, Vorteile

91 Prozent der SchülerInnen und 94 Prozent der StudentInnen machen ein Prakikum um Berufserfahrung und einen Einblick ins Berufsleben zu gewinnen, 75 bzw. 80 Prozent wollen Kontakte für die spätere Arbeitssuche gewinnen und 77 bzw. 75 Prozent erhoffen sich Vorteile für das Studium oder ihre Ausbildung. Generell sei die relativ hohe Zufriedenheit mit Praktika in Österreich zu begrüßen, so Katzian. Das Ergebnis der IFES-Umfrage zeige, dass die kollektivvertraglichen Rahmenbedingungen eine positive Wirkung haben. Vor allem in Betrieben mit Betriebsräten habe man gute Regelungen gefunden. Probleme bzw. viele Anfragen gebe es aus den Branchen Medien und Tourismus. (APA/red)

 

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