Bezirksporträt Landstrasse

Baustelle und Großstadtgstett'n

Sebastian Pumberger, 29. Juni 2010, 10:53
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    Erich Hohenberger ist seit 1989 Bezirksvorsteher. Nur Adi Tiller ist in Döbling länger in Amt und Würden.

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    Bei der Bezirksvertretungswahl 2005 konnte sich die SPÖ klar durchsetzen, die FPÖ verlor im Heimatbezirk von Landesparteiobmann Heinz-Christian Strache stark. Quelle: www.wien.gv.at

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    Die Hälfte der aus dem 3. Bezirk entsendeten Gemeinderatsabgeordnete kamen 2005 aus der SPÖ. Quelle: www.wien.gv.at

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    Für lange Diskussionen sorgte der Neubau des Bahnhofs Wien-Mitte samt Einkaufs- und Büroflächen. Zu teuer, zu hoch, nicht dem Unesco-Weltkulturerbe entsprechend - nun hat man sich geeinigt, es wird gebaut.

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    2001 abgebrannt, bleiben die Sofiensäle nachwievor nur eine Brandruine. Zwar sollen nun erste Sicherungsbauten durchgeführt werden, über die finale Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes wurde aber noch nicht entschieden.

Die Landstraße ist ein Bezirk im Wandel - in den nächsten Jahren werden die letzten Brachen bebaut

Steht man am Rande der Aspanggründe, kann man nur erahnen, was hier in den nächsten Jahren geschehen wird. Es wird gebaut. Unermüdlich. Einst stand an dieser Stelle ein Bahnhof, von hier wurden Zehntausende Juden und andere verfolgte Gruppen während des Nationalsozialismus deportiert. Jetzt werden Neubauten aus dem Boden gestampft. In den nächsten Jahren entsteht ein neues Stadtviertel. Noch ist man von einer modernen Urbanität weit entfernt.

Der Dritte Bezirk wächst in sich - wie kein anderer Wiener Innenstadtbezirk. Im Dritten Bezirk gibt es sie noch, die freien Flächen und Baulücken, die geschlossen und bebaut werden können. Neben den Aspanggründen werden auch in St.Marx rund 1000 Wohnungen errichtet, neben Büros und einem Techologiezentrum. Der dritte Bezirk hat sich gewandelt. Lange lag er städtebaulich im Dämmerschlaf, zaghaft wurde modernisiert.

Längstdienender SPÖ-Bezirksvorsteher

In dem Bezirk zwischen Tangente, Donaukanal, Ring und Gürtel hat vor allem ein Mann das Sagen, Erich Hohenberger. Seit 1989 ist der SPÖ-Politiker Bezirksvorsteher, nur sein ÖVP-Kollege Adolf Tiller hat in Döbling das Amt des Bezirksvorstehers länger inne, unter seinen SPÖ-Kollegen hält keiner länger das Bezirkszepter in der Hand.  Hohenbergers Vorstellungen sind klar: Der Bezirk soll wachsen, mehr Bewohner anziehen. Als in den 1990er Jahren immer mehr Bewohner aus dem Bezirk abzogen, versuchte die Bezirksvertretung gegenzusteuern. Die U-Bahn-Linie U3 - die nun den ganzen Bezirk durchzieht - führte auch dazu, dass Viertel saniert wurden und Mieten anstiegen. In zehn Jahren werden - so der Plan der Bezirksvorstehung - alle Baulücken geschlossen sein. Dann wird bis auf das Gewerbegebiet nebst der Autobahn wohl auch das letzte urbane Brachland verschwunden sein.

Märkte und Gärten

Vor allem die Märkte gaben dem Dritten Bezirk lange sein Gesicht. Über die Donau und den Marchfeldkanal - der in der heutigen S-Bahn-Trasse bis zur Landstraße führte - kamen Fleisch und Gemüse in die Hallen und Stände vom Landstraßer Markt, dem Rochus-Markt oder den großen Märkten in St.Marx. Von den Märkten ist heute nur mehr der Rochus-Markt übrig. Auch das einst heruntergekommene Erdberg gewinnt an Charme und Leben. Hier siedelten sich Zuwanderer an, türkische Kulturvereine bestehen neben Altwiener Beisln. Rund 22 Prozent der Bevölkerung des Dritten Bezirkes haben keinen österreichischen Pass. Insgesamt lebten 2008 hier rund 84.000 Menschen, um 0,9 Prozent mehr als noch 2004. Durchschnittlich sind die Bewohner rund 42 Jahre alt.

Wien-Mitte und Sofiensäle als Zankapfel

Für Aufregung und Diskussion hat in den letzten Jahren der Umbau des Bahnhof Wien-Mitte samt Landstraßer Markt gesorgt. Ursprünglich sollten hier Hochhäuser den Neubau umsäumen. Doch die Unesco kritisierte die Baumaßnahme und drohte der nahen Innenstadt den Status als Unesco-Weltkulturerbe zu entziehen. Neue Pläne mussten her, die Marktstandler wehrten sich eisern gegen die Schließung ihrer Markthalle, doch vergebens. Nun wird gebaut. Ein Shoppingcenter soll zwar wieder Marktstände beheimaten, der klassische Marktstandort Wien-Mitte ist jedoch weg. Ein weiteres Problemfeld des Bezirks sind die Sofiensäle, die 2001 abgebrannt sind. Seitdem verfallen die denkmalgeschützten Räumlichkeiten und werden zur Ruine. Verschiedenen Nutzungskonzepte wurden erarbeitet, Hotel, Wohnungen oder beides stehen zur Diskussion. Hohenberger bezeichnete 2008 im Gespräch mit dem STANDARD die Sofiensäle als "Sargnagel", noch immer ist nicht klar, wann Baubeginn ist.

Fest in roter Hand

Politisch ist der Bezirk fest in sozialdemokratischer Hand. Bei den Bezirksvertretungswahlen 2005 konnte die SPÖ 42,7 Prozent erzielen, bei den Gemeinderatswahlen 43,3 Prozent. Die ÖVP kam 2005 im Bezirk auf 21,7 Prozent, die Grünen auf 20,5 Prozent und die FPÖ auf 11,6 Prozent. Wenn im Herbst in Wien gewählt wird, wird auch ein Politiker eine Rolle spielen, der in der Landtsraße seine politische Karriere begann, Heinz-Christian Strache. Strache wurde 1991 Bezirksrat und 1993 Landstraßer Bezirksobmann der Freiheitlichen.

(seb, derStandard.at, 29.6.2010)

Info zum Bezirk:

Bezirksvertretung: SPÖ 24, ÖVP 12, Grüne 12, FPÖ 6, KPÖ 1

Wahlberechtigte bei der Gemeinderatswahl 2005: 57.997

Bezirksvorsteherin: Erich Hohenberger (SPÖ)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 84
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defjak
00
15.8.2010, 23:09
etwas fader

bericht über den dritten. gut ein bezirk mit viel potential, nähe zum grün, nähe zur stadt. ein durchmischtes soziales und kulturelles gefüge prinzipiell. leider wir alles verbaut. die aspanggründe hätte man anders nützen können.
bereich arsenal schweizergarten wäre auch grosses thema. erdberg verslumt mmn zum sozialfall. towntown ist schiach. fasanviertel zwar nicht wie reumannplatz aber trist. botschaftsviertel fad. weisgerberviertl seelenlos. die gegen um rochus ist das aushängeschild, aber überteuert und rettet nicht alles... schade. irgendwas fehlt dennoch mag ich ihn den dritten.

Granny
00
Ich wohne seit 2007 im Dritten!

wolle48
 
00
11.10.2010, 18:48
Gute Entscheidung,

ich nehme an, es gefällt Ihnen

HMH1
01
27.7.2010, 08:25
Aspanggründe

Ich finde es furchtbar, dass jeder grüne Fleck in meinem Bezirk verbaut wird. Die Aspanggründe waren früher wunderbar, heute ist da nur mehr Staub und Baulärm. Für die - schon schnellbahnbaustellengeschädigten - AnrainerInnen wie mich wieder einmal ein lang andauernder und massiver Eingriff in die Lebensqualität.
Und - die Siedlung wird einfach hässlich!!!!!!!!!!!!!

daarth
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Bitte einen Nachruf auf das kürzlich geschlossene Schwarze Cafe!!!

schau, schau
00
17.7.2010, 11:01
mist

ich dachte beim letzten mal vorbeiradeln, das wär nur kurzfristig geschlossen. so ein mist :-(

Men Ingo Kokke
00
12.7.2010, 19:07
WAAAAAAAAAS???

Des Schwoaze gibts nimma??

Als Auslandsöstereicher erfahrst ja garnix!!!

David-Lauritz
11
Lehrbuchbeispiel für Stadtverschandelung!!!

Einfach nur häßlich, häßlich, häßlich! Hilton-Hotel, Bahnhof Wien-Mitte, Gerichtsgebäude, zahlreiche zerstörte Hausfassaden in der Landstaßer-Hauptstraße, Dachausbauten, ..... Hier stellt die Architektenlobby Bauhaus-Retro Architektur hin, die nicht zu Wien passt. Das traurigste ist, dass sich die Politiker noch als große Kunstförderer, etwa im Sinne eines Fürsten Esterhazys sehen. Ceausescu, der die Bukarester schleifen ließ, sah sich auch als großer Kunstförderer.

valtheWU
00
23.7.2010, 12:04
alle tassen noch dort, wo sie hingehören?

peter schmidt
 
00
Um die Lebensqualität beurteilen zu können

ist einerseits ein Bezirk eine zu große Einheit und andererseits die individuellen beduürfnisse und Erfahrungen zu unterschiedlich.

Für Pensionisten z.b. ist natürlich Ruhe, Ruhe, Ruhe und eine unspannende Umgebung mit wenig oder zumindest sehr gesitteter Migration mit halbwegs vielen Ärzten und einem Krankenhaus in der Nähe sehr positiv.

Studenten mögens halt bunter sind lärmresistenter und empfinden Migration eher als spannend und belebend weil dann plötzlich auch mal was in der Nacht oder am sonntag offen hat.

Prägend scheint auch der Wunsch nach möglichst viel Grün und Wasser zu sein. Ist auch logisch. Aus dem Wasser kamen unsere Vorfahren und am Waldrand leben unsere engen verwandten die primaten gerne.

Sommerkind
00
Das mit dem Marchfeldkanal bis in den 3. Bezirk ist interessant!

Führte der Kanal eigentlich über oder unter der Donau durch?

Alexander Tousek
00
falscher Kanal

Morgen.

Sollte wohl der "Wiener Neustädter Kanal" sein...

Lg Alex

sheriff
00

Dort wo der Bahnhof Wien Mitte war, war früher ein kleiner Hafen, der Kanal war dort, wo jetzt die S-Bahn Richtung Praterstern fährt. Deswegen leiden die Häuser daneben auch bis heute unter feuchten Kellern.

Sommerkind
00
Das weiss ich doch alles...

Meine Frage ist damit aber noch nicht beantwortet ;-)

saifalislam
43
Der Dritte ist nicht besonders toll

Die furchtbaren Megagebauede rund um den Bahnhof Wien Mitte (Bahnhof, Megakino gegenuenber, stat Zentralamt ) sind ein Hindernis zwischen der Landstrasser Hauptstrasse und dem Ersten.

Im Weissgerberviertel herrscht Totenstille, der S-Bahn Damm isoliert das Viertel vom Stadtzentrum.

Charakterlose Wohnneubauten aus den 90ern am Rennweg.

Das verkuemmerte Mini-Einkaufszentrum bei den Verkehrsbetrieben.

Das Fasanviertel, etwas vom oeffentlichen Verkehr Richtung Stadtzentrum abgeschnitten und auch sonst ziemlich deprimierend.

TownTown hab ich noch nicht besichtigt, mal sehen.

Da gibt's andere Bezirke die netter sind.

germany´s next topfmodel
01

ihren bezirk finde ich auch nicht gut. gibts garantiert 100 gründe dafür.

saifalislam
11
ich habe noch was vergessen:

Die Selbstmordstrassebahnlinie Nr. 18. Hier kann man an einem trueben Novembertag die volle Pracht des Landstrasser Guertels bewundern.

germany´s next topfmodel
00

stimmt, das belvedere ist hässlich.

ex-stammgast
00

Warum hat das Schwarze Cafe zugesperrt???

Nebukadnezzar
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Wegen der Raucherregelung. Oder kannst dir das Schwarze ohne Tschik vorstellen? ;)

Nachtwerker
 
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Also i glaub, weil ...

der Kurti in Pension gehen will *gg* ...

Aber im Ernst: "Das Schwarze" war eine Institution. Zur Schliessung dieses Lokals wär schon ein Online Standard Artikel fällig gewesen.

sheriff
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Der Kurtie wird mir echt fehlen, vor allem seine Tanzeinlagen auf der Theke...

mstislav raskachlovitsch
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wenn wirklich gewollt, so könnte der Ex-Betreiber...

....mit der Kohle das Schwarze woanders im 3. auferstehen lassen - wird er sich aber bei der momentanen Raucher/Nichtraucher Unsicherheit und der einhergehenden Perspektive sicherlich nicht antun (tät ich auch nicht......)

der paulek
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lt. loisl weil die ...

... hausbesitzer ihm ein angebot gemacht haben, dass er nicht ablehnen konnte (haus ist renoviert und leer bis auf das schwarze -> wird deutlich mehr wert, wenn man da garagen reinbauen kann). dass die hütte für die freie entscheidung zw. raucher und nichtraucherlokal etwas zu gross war, dürfte die entscheidung nicht schwieriger gemacht haben.

sheriff
03

Ja, Immobilienspekulanten haben es sich unter den Nagel gerissen. Siehe: http://oe1.orf.at/artikel/248549
Irgendwie hätte ich mir im Standard ebenfalls einen Nachruf erwartet...

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