Thomas Middelhoff vor Gericht

14. Juni 2010, 13:38
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"Welt"-Chefredakteur Peters verklagt als Privatmann und Aktionär den ehemaligen Arcandor-Boss wegen angeblicher falscher Darstellungen

Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff steht derzeit in Essen erstmals in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für die insolvente deutsche Kaufhausgruppe vor Gericht. Der Chefredakteur der Tageszeitung "Die Welt", Jan Eric Peters, behauptet, von Middelhoff falsch über die Lage des Konzerns informiert worden zu sein. Peters tritt in der seit kurzem vor dem Essener Landgericht verhandelten Sache allerdings nicht als Journalist, sondern als Privatmann auf: Er hatte 50.000 Arcandor-Aktien gekauft, unmittelbar nachdem Middelhoff am 22. September 2008 in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" eine Kapitalerhöhung bei Arcandor kategorisch ausgeschlossen hatte. Dass eine solche angedacht sei, sei "völliger Quatsch", so Middelhoff damals gegenüber der Zeitung.

Weil Arcandor-Pressesprecher Jörg Howe einen Tag später auch einen Verkauf des Reiseanbieters Thomas Cook - der damaligen "Ertragsperle" im Arcandor-Konzern - ausschloss, ging Peters von einem lukrativen Investment aus und kaufte nochmals 20.000 Aktien.

50.000 Euro verloren

Kurze Zeit später war alles anders: Erst wurde Thomas Cook in einer Pressemitteilung doch als Verkaufskandidat betrachtet, und wenige Tage danach kam auch die zuvor von Middelhoff ausgeschlossene Kapitalerhöhung. Die Arcandor-Aktie sackte ab, Peters verlor laut seiner nun gegen Middelhoff angestrengten Klage 50.000 Euro. Die will er nun von Middelhoff zurück haben.

Der ehemalige Arcandor-Chef steht damit im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit bei dem Kaufhauskonzern nun erstmals vor Gericht. Seine Verteidiger argumentieren, dass die Aussagen im "Tagesspiegel"-Interview wahrheitsgetreu gewesen seien, da der Konzern über eine Kapitalerhöhung tatsächlich erst am 28. September, also sechs Tage nach dem Interview, nachgedacht habe. Der Pressesprecher wiederum habe nicht für den Arcandor-Vorstand gesprochen, sondern einem Journalisten seine private Interpretation der Dinge geschildert.

Laut "Handelsblatt" sagte Peters am ersten Verhandlungstag, er arbeite selbst in einer Aktiengesellschaft und wisse, dass man die Lage seines Unternehmens nicht besser darstellen dürfe als sie sei. Das Landgericht Essen muss nun entscheiden, ob die Öffentlichkeit und potenzielle Anleger bewusst über die wirtschaftliche Lage Arcandors getäuscht wurden.

Insolvenz im Juni 2009

Für den Handels- und Touristikkonzern Arcandor fiel vor einem Jahr, am 9. Juni 2009, nach 128-jähriger Firmentradition der Vorhang: Wegen Zahlungsunfähigkeit musste damals beim Amtsgericht Essen Insolvenzantrag gestellt werden. (map)

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    Thomas Middelhoff (Aufnahme vom Jänner 2008) stand erst im vergangenen März unter heftiger Kritik, als bekannt geworden war, dass er nach seinem Ausscheiden bei Arcandor mehr als zehn Millionen Euro Beraterhonorar vom Hauptaktionär des insolventen Handelsriesen, dem Bankhaus Sal. Oppenheim, bekommen hat. Das Bankhaus kommentierte den entsprechenden Zeitungsbericht nicht, ein Sprecher Middelhoffs bestätigte aber die Existenz des Beratervertrags.

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