BIP-Wachstum

OeNB hebt Prognosen an

14. Juni 2010, 12:32

Aufschwung wird von Exporten getragen - Budgetkonsolidierung trotz Wachtumsdämpfung dringend notwendig

Wien - Die Bankenkrise ist soweit vorbei. Im öffentlichen Sektor aber ist die Krise gerade erst angekommen, sagt Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) bei der Präsentation der Wachstumsprognosen für Österreich am Montag Morgen. Es gelte nun vor allem, einen Teufelskreis zu verhindern. Die Maßnahmen der EU und der EZB seien dafür gedacht, dass sich die Haushaltskrise nicht ausweite.

In der derzeitigen Situation glaubt Nowotny an die "Priorität der finanziellen Stabilität" der einzelnen Länder. Eine Budgetkonsolidierung sei daher auch in Österreich in Angriff zu nehmen. Nowotny gibt aber unumwunden zu, dass mit der Konsolidierung auch eine Verlangsamung des Wachstums einher gehe, aber: "Man muss das geringere Wachstum hinnehmen, um langfristig ein stabiles Wachstum zu sichern."

2009 war die österreichische Wirtschaft um 3,4 Prozent geschrumpft. Für 2010 rechnet die OeNB laut ihrer jüngsten Prognosen nun mit einem Wachstum von 1,6 Prozent, in den Jahren 2011 und vor allem 2012 werde sich das Wachstum sukzessive auf 1,8 bzw. 2,1 Prozent beschleunigen.

Im vergangenen Dezember hatte die OeNB für 2010 noch mit einem Wachstum von 1,2 Prozent, für 2011 mit 1,6 Prozent gerechnet. Mittelfristig seien es eher "verhaltene" Prognosen, sagte Nowotny. Besonders das Auslaufen staatlicher Programme sei ein großer Unsicherheitsfaktor für das Wachstum 2011. Der Aufschwung werde in erster Linie durch die Exporte getragen, konkretisierte Peter Mooslechner, Direktor der Hauptabteilung Volkswirtschaft bei der OeNB am Montag. Der private Konsum wirke sich zudem "auf niedrigem Niveau stabilisierend" aus. Investitionen jedoch stellten sich als deutliche Wachstumsbremse heraus.

Die Weltwirtschaft dürfte heuer 4,0 und nächstes Jahr 3,6 Prozent wachsen, deutlich kräftiger als noch vor einigen Monaten gedacht. Die CEE-Mitglieder der EU dürften heuer um 1,4 Prozent wachsen, 2011 um 3,0 und 2012 um 3,9 Prozent. Er habe immer das Gefühl gehabt, dass sich der CEE rascher stabilisiert, sagte Nowotny. Das über dem Euroraum (2010: +1 Prozent, 2011: +1,2 Prozent) liegende Wachstum in CEE werde auch für Österreich positive Effekte haben.

Regulierung

Der OeNB-Chef sprach sich zudem dezidiert für eine Regulierung von Spekulationen bei den Banken aus. "Es ist auf jeden Fall sinnvoll, volkwirtschaftlich nicht relevante Aktivitäten von Banken einzuschränken." Das Verbot von Credit Default Swaps zum Beispiel meine er damit aber nicht unbedingt, sondern "geordnete Märkte" zu garantieren. Nowotny zeigte dennoch "volles Verständnis" für den Alleingang Deutschlands beim Leerverkaufsverbot, das es in ähnlicher Form ja auch in Österreich gebe. Zwar sei es besser, international koordiniert vorzugehen, entsprechende Entscheidungsprozesse in der EU und den G20 würden aber sehr schleppend vonstattengehen, so Nowotny.

An der Stabilität des Euro zweifelt der OeNB-Gouverneur trotz der turbulenten Bewegungen in den vergangenen Wochen nicht. "Die Tendenzen sind völlig unproblematisch", sagte Nowotny. Selbstverständlich sei die EZB gegen abrupte, vehemente Schwankungen, die sich nicht aus ökonomischen Faktoren erklären ließen und somit spekulativ seien. "Ich würde das aber nicht überbewerten. Wir begrüßen das nicht, aber wir sehen auch keinen Grund, Maßnahmen zu setzen", meinte er. (rom, derStandard.at, 14.6.2010)

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Posting 1 bis 25 von 64
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Fleisch
03
15.6.2010, 08:46

Ich hab jetzt gelesen: "Aufschwung wird von Experten getragen"

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
02
15.6.2010, 08:23
Sie beten dich an - du heiliges BIP!

Niemand redet aber von den um vieles wichtigeren Parametern des Binnenkonsums, also BIP ohne Exportüberschüsse oder -defizite!

Tatsache ist, dass die ärmere Hälfte der heimischen Haushalte seit 2007 ein Monatseinkommen verloren haben! Und dass die Zahl der Millionäre in Deutschland (für Ö. habe ich keine Zahlen gefunden) in demselben Zeitraum um 23% zugenommen hat!

So, und jetzt saniert mal schön!

linker Schlechtmensch
00
15.6.2010, 07:58
Was

der im Kaffeesud alles lesen kann.

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
01
15.6.2010, 07:51
Tunnelblick

Dieser prognostizierte Wachstumsbeitrag stammt größtenteils aus dem Außenhandel. Mit Exporten lassen sich immer hervorragende Geschäfte machen!

Bedeutet dies aber nicht, dass in anderen Ländern der gleiche Beitrag vom Wachstum abgezogen werden muss?

In der globalisierten Welt gibt es insgesamt keinen Wachstumsbeitrag vom Außenhandel, denn "die Welt als Ganzes kennt keinen externen Handel und schon gar keine Salden aus diesem Handel".

Schrankenloses und immerwährendes Wachstum als Naturgesetz verkünden suggestive Prediger als Heil der Welt und führen uns mit Riesenschritten in den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Abgrund.

Keiner dieser grandiosen Experten mit Tunnelblick hat die Finanzkrise vorausgesehen.

her wig
00
15.6.2010, 08:13

Dass der Import auch zunimmt, das verschweigen die "exportorientieren" einfach. Und solange es riesige Länder mit 10 % Wachstum gibt, die jede Menge Nachholbedarf haben, geht sich das schon noch aus.

Abartig
01
15.6.2010, 07:32
Morgenjournal am 14. Juni

Eine Erhebung ergab, dass Betriebe wesentlich schwieriger Kredite bekommen als vor einem Jahr.

Wäre interessant zu ergfahren, in welchem Ausmass diese Kreditrestriktionen sich auf das BIP Wachstum negativ auswirken.

natoll
02
15.6.2010, 07:55

komisch, einerseits beschweren sich die leute über falsche prognosen, andererseits glaubens ernsthaft man könne sowas seriös berechnen.

das wäre glaskugel-lesen.

bdbrot
 
02
15.6.2010, 00:59
Das sind wirklich lustige Zahlen.


Ich möchte mal Wetten, dass das BiP-Wachstum in diesem Jahr kein positives Vorzeichen bekommt und die Staatsverschuldung im nächsten Jahr die 72%-Marke knackt. Wer hält mit?

takatakataka
00
15.6.2010, 16:25
angesichts der kommenden bankenrettungspakete -

die spanischen banken, dann in der folge natürlich auch weitere europöischen banken - steigt die staatsverschuldung natürlich, wahrscheinlich noch um einiges mehr, als von dir prognostiziert.
die sparmaßnahmen & die weigerung der verbliebenen banken, kredite zu vergeben - leiten natürlich einen schrumpfungsprozess ein, was auch sonst?

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
01
15.6.2010, 08:01
So Unrecht hat der Poster nicht!

Auch Nowotny gesteht die bremsende Wirkung der (falschen) Konsolidierungs- und Sparprogramme ein. Die Zahlen sind wirklich lächerlich, denn regelmäßig müssen sie, meist nach unten, korrigiert werden.

Kein Wirtschaftsexperte auf der ganzen Welt wagt auszusprechen, was spätestens 2015 der Fall sein könnte. Nämlich:

der absolute Crash des Weltfinanzsystems und der Weltwirtschaft!

Der löchrige Rettungsschirm von 750 Mrd. wird hinweggefegt wie ein Papiertaschentuch.

natoll
00
15.6.2010, 07:56

bin auch dabei und setzte auf positives wachstum (die staatsschulden sind eine andere geschichte). jetzt aber raus damit, was ist der einsatz?

Der Mensch der nachdenkt bevor er vordenkt
 
00
15.6.2010, 07:26
Die Wette gilt

Wie viel setzen Sie auf Ihre recht unqualifizierte Behauptung?

Meerwelle
00
15.6.2010, 05:09

Ich halte jederzeit mit.
Das ganze Super-Katastrophen-Gelabere und Geseiere hier in diesem Forum nert ohnehin unendlich.

Also ich wette sofort und ungeschaut, dass es 2010 un positives BIP-Wachstum gibt.

Makro 24/7
00
14.6.2010, 23:44

Waldi!

also dann ...
00
14.6.2010, 23:42
die Ö N B...

- prüfte im april 2007 die hypo... und hatte haarsträubende mängel entdeckt
- unterzog (für die verstaatlichung) die hypo ihrem
...ach so tollen stresstest ...
und die hypo hat diesen "bestanden" (sohin konnten die staatshilfen gewährt werden).

sonst ...
fällt mir zu diesem "familien-clan mit erbpachten auf horrende pensionen aufkosten der steuerzahler"...
einfach NULL ein.

Wurzelloser Kosmopolit
12
15.6.2010, 02:03

Das ist auch DAS Problem in Österreich. Und zwar von privater, sowohl auch offizieller Seite, bis hin zum einzelnen.
Man glaubt (in guten Zeiten) mit ALLEM, mit jedem Taschenspielertrick, durchkommen zu können, dabei völlig vergessend, daß alles irgendwann mal auf einen selbst zurückfallen wird.
Das ist symptomatisch. Die Banken, die ÖNB und das Land überhaupt haben ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Was auch die eigentliche Ursache für den gar nicht so kleinen Spread bei den Staatsanleihen ist.

lessismore
05
14.6.2010, 23:16

Man nennt es "the Treasury View", und selbst ihre Anhänger in den Dreißigern haben sie später für falsch gehalten. Warum müssen wir diese Fehler wiederholen?

natoll
20
15.6.2010, 07:57

naja, weil es den leuten hierzulande verglichen mit den 30ern (oder noch früher) hervorragend geht.

Alfred Busenschauer
11
14.6.2010, 22:14

Lieber Herr Novotny,

bitte warten Sie mit Ihren überschwänglichen Prognosen doch bitte den 28. Juni ab. Dann, wenn die Banken ihre Halbjahresbilanzen erstellen, werden wir sehen, ob die Zukunft so rosig aussieht.

Danke!

spekulant_in, realwirtschaftlich
11
14.6.2010, 22:07
spekulant_in, realwirtschaftlich senkt die Prognose:

Verschärfung der Gewerbeimmokrise in den USA - Durchschlag nach Europa gegen Jahresende; Kreditkartenverschreibungskrise ab Anfang 2011 - Durchschlag nach Europa ab Mitte 2011; Einbruch des US-Einzelhandels - hat schon angefangen; Durchschlag auf Produktion: bald.
Etc.

carbonara
12
14.6.2010, 20:29
Auweh....

...wenn unser guter Herr N. einen Aufschwung prognostiziert, wird´s richtig gefährlich.

Pareidolic
01
14.6.2010, 19:40
Toll

Kaum ist ein langsames Abflauen der Krise in Sicht schon bringt Europa durch sinnloses Sparen die Wirtschaft wieder zum Einfrieren. Und wozu? Aus welchem Grund ist die Budgetkonsolidierung "dringend notwendig"? Das kann und will anscheinend niemand erklären.

Superposition des Produktzustandes
10
14.6.2010, 19:55

Stimmt, das Timing könnte etwas besser sein. Sicher ist aber, dass gespart werden muss, sonst fressen uns in nicht allzu ferner Zukunft die Zinszahlungen auf. Warum jetzt? Weil erstens das Volk aufgeschreckt ist und zweitens der Hut brennt.

Ich denke aber, ein Jahr mehr hätte uns nicht umgebracht.

Pareidolic
00
14.6.2010, 20:30

Die Gefahr, dass und die Zinszahlungen auffressen, müsste die ÖNB dann aber mit Zahlen argumentieren, ich kann diese Gefahr nicht sehen.

Superposition des Produktzustandes
00
14.6.2010, 20:33

Naja, jetzt zahlt Österreich schon ca. 15 Prozent des Budgets nur Zinsen. Wenn man dann Altschulden mit neuen abdeckt,wirds natürlich mehr. Dieser Betrag ist noch managbar, ja - aber ich wüsste mir ehrlich gesagt Besseres mit der Kohle, sei es nun eine riesige Bildungsoffensive oder wirklich massive Steuersenkungen.

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