Sprachenstreit in Salzburger Privatschule

14. Juni 2010, 16:00
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Direktion will Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache auch bei privaten Gesprächen zu Deutsch zwingen

Dass gute Deutschkenntnisse für den Schulerfolg wichtig sind, steht außer Frage. Eine katholische Privatschule in St. Johann im Pongau - das Elisabethinum - will nun, dass SchülerInnen ausschließlich Deutsch reden - auch und gerade in Privatgesprächen. Von den rund 400 SchülerInnen haben etwa 15 nicht Deutsch als Muttersprache. Wie orf.at berichtete rechtfertigt die Schulleitung diesen Schritt mit der Begründung, die Maßnahme trage zur Integration der Schülerinnen bei.

Einige Lehrer und Schüler hätten die Initiative gestartet, da sich einheimische SchülerInnen ausgeschlossen gefühlt haben. Dass habe zu erheblichen Spannungen geführt, so die Direktorin des Elisabethinums, gegenüber orf.at. Dem Zwang zu Deutsch als Konversationssprache unter den SchülerInnen kann man jedoch durch einen Gefühlsausbruch - freuen, ärgern oder weinen - umgehen, da sei die Sprach doch erlaubt, so die Schulleitung. Nach dem Gefühlsausbruch solle man jedoch wieder Deutsch reden.

Lehrerpersonalvertreter sieht keine Rechtsgrundlage

Kritik an der Vorschrift kommt von dem grünen Lehrerpersonalvertreter aus der Stadt Salzburg, Wolfgang Haag, der keine Rechtsgrundlage dafür sieht. Auf dem Schulgelände oder auch sonstwo dürfe es niemanden verboten werden in seiner Muttersprache zu reden, so Haag.

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz hingegen begrüßte die Entscheidung der Salzburger Schule in einer Aussendung: "Wer heute noch behauptet, dass der Spracherwerb nicht zur Integration in einem Land beiträgt, spielt einer gefährlichen Bildung von Parallelgesellschaften in die Hände", so Rosenkranz.

Landesschulratspräsident: Vorgangsweise in Ordnung

Die Vorgangsweise des Elisabethinums, eine derartige Hausordnung zu erstellen, sei in Ordnung. Das habe auch eine Überprüfung im Ministerium ergeben, sagte Landesschulratspräsident Herbert Gimpl auf Anfrage der APA. Er selbst würde es nicht empfehlen, dass eine derartige Regelung in eine Hausordnung aufgenommen werde, so Gimpl.

Es gebe einen Schulgemeinschaftsausschuss, der die Hausordnung festlegt. Der Antrag wäre von Schülern und Eltern eingebracht worden. Dieser Antrag wäre dann vom Ministerium überprüft und für in Ordnung befunden worden, sagte der Schulratspräsident. Die Grundrechte von Migranten stünden aber außer Streit. Außerdem werde das Ganze nicht so genau genommen: Wenn eine kleine Gruppe von Kroaten zusammenstehe, dann werde sich niemand darüber beschweren, wenn dann Serbo-kroatisch gesprochen werde. Sollten allerdings auch Inländer dabei sein, müsse Deutsch gesprochen werden, erläuterte Gimpl. Die deutsche Sprache sei aber gut für die Integration, meinte der Landesschulratspräsident.

(red, APA, derStandard.at, 14.6.2010)

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