Morgenerwachen in Shanghai...

15. Juni 2010, 16:49
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... oder "wenn die Katze dreimal schreit". Dann beginnt der Tag in Shanghai der von Laufsport, Körperflüssigkeiten und Garküchen begleitet wird

Shanghai, 6.00 Uhr morgens. FrühaufsteherInnen (oder im heimischen, österreichischen Volksmund auch Lerchen genannt) haben es in der Stadt Shanghai nicht schwer, aufzustehen. Denn bereits um 5.30 Uhr morgens mischt sich "dezenter" Baulärm mit einer Prise buchstäblichen Katzengejammers.

Sobald die lieben Tierchen anfangen, sich scheinbar gegenseitig umzubringen, weiß man, der Tag in der fernöstlichen Metropole ist angebrochen - ein perfekter Wecker zur morgendlichen Joggingrunde. Also nichts wie ab in die Sportschuhe und den vom chinesischen, steinharten Bett malträtierten Körper wieder in Schwung gebracht!

Laufsport ist bekanntlich eine Sportart, die man überall und zu jeder Jahreszeit praktizieren kann. So habe auch ich mich, als passionierte Läuferin durch (normalerweise) Wiens schöne Parks, entschieden, der Stadt Shanghai als "Läufer-Stadt" eine Chance zu geben.
Die Joggingrunden in dieser Stadt sind jedoch nicht mit denen in Wien zu vergleichen. Als EuropäerIn begegnet man immer wieder neuen Absurditäten, die einen entweder zum Schmunzeln bringen oder gewisse Ekelgefühle verspüren lassen.

So kommt es beispielsweise gar nicht einmal selten vor, dass man undefinierbare Körperflüssigkeiten vor die Füße gespuckt bekommt, während man so unbekümmert morgens die Straßen entlang läuft. Oder aber man begegnet Müttern mit Kleinkindern, die sich freuen, als hätten Sie gerade ein Autogramm von einem Weltstar bekommen, wenn man ihnen ein kurzes Lächeln schenkt.

Besonders beeindruckend zu beobachten sind allerdings die vielen chinesischen Pensionisten, die frühmorgens rückwärts laufen, Bäume abklopfen und laut klatschend ihrer Wege gehen. Was diese Praktiken bezwecken sollen, fragt man sich täglich immer wieder aufs Neue. Doch für meine chinesischen Sportkollegen ist es wohl genauso befremdlich, eine rothaarige, hellhäutige Frau in ihrem knallgrünen Laufoutfit herumrennen zu sehen, wie es für mich ist, sie bei ihren außergewöhnlichen Ritualen beobachten zu dürfen.

Meine übliche Runde auf dem Shanghaier Campus der FUDAN Universität endet mit dem Vorbeilaufen an Garküchen mit dampfenden, frischen Baozi (Teigtaschen gefüllt mit Fleisch, Tofu oder Gemüse, ähnlich wie Germknödel) und einem kurzen Blick auf die Straßenstände mit den wartenden chinesischen Arbeitern voller Vorfreude auf ihr frisches, vor Öl triefendes Omelette. Ja, das bringt Kraft für einen langen, chinesischen Arbeitstag!

Gekrönt wird mein üblicher Kurzausflug in die Straßen des morgendlichen Shanghais allerdings von unserem chinesischen Pförtner, der mir täglich ein freundliches "Ni hao!" entgegenruft und sich mittlerweile wahrscheinlich gar nicht mehr vorstellen kann, seine Schicht zu beginnen, ohne die joggende, ganz in grün gekleidete Gestalt vorbeilaufen zu sehen.

Und auch ich bin froh, meinen chinesischen Mitbürgern ein bisschen Unterhaltung und Erheiterung im alltäglichen Leben auf Zeit bieten zu können. 

Wie lautet das Motto der Expo 2010 doch so schön? - "Better life, better city!" Als offene und stets zur regen Kommunikation aufgelegte Publizistikstudentin sollte ich doch mehr als gewillt sein, den interkulturellen Austausch zwischen China und „Aodi li"(Chinesisch für Österreich) auch auf diese Weise zu fördern. (Christiane Höberth)

(Von Christiane Höberth, Studentin der Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien, momentan Rahmen des MCM-Austauschprogrammes in Shanghai.)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Morgengrauen mit Katzenjammer.

  • Bibliothek Fudan Universität Shanghai.
    foto: raffael heiss

    Bibliothek Fudan Universität Shanghai.

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