Österreicher können sich Spitalsschließungen vorstellen

14. Juni 2010, 09:31
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Ein Großteil der Befragten hat Sorge um Finanzierbarkeit des Gesundheitswesen und will, dass die Länder weniger Mitspracherecht haben

Wien - Die Mehrheit der Österreicher ist nicht generell gegen die Schließung von Spitälern. Laut einer Umfrage des "Oekonsult"-Instituts erklärten 62,1 Prozent der Befragten (Sample: 1.241 Personen), sie seien nicht der Meinung, "strikt und grundsätzlich gegen jede Schließung von Regionalspitälern" zu sein. Fast alle Befragten (96,1 Prozent) glauben, dass eine Gesundheitsreform nur dann erfolgreich sein kann, wenn diese eine "mutige Strukturreform im Spitalwesen" miteinschließt.

SPÖ rudert vor und wieder zurück

Ausgelöst worden war die Debatte vorige Woche von Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ), der sich für eine Prüfung von Schließungen kleiner Spitäler ausgesprochen hatte. Die Folge war heftige Kritik aus den Bundesländern, die SPÖ ruderte danach zurück und verabschiedete vergangenen Samstag bei ihrem Parteitag eine Initiativresolution, in der es klar heißt: "Wir werden keine Krankenhäuser schließen."

Länder sollen weniger Mitspracherecht haben

Die Österreicher haben laut der nun vorliegenden Umfrage aber offenbar Sorge um die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens und sind daher mehrheitlich bereit, auch Schließungen hinzunehmen. Demnach äußerten 94 Prozent der Befragten Sorge, dass das Gesundheitswesen "immer stärker in Bedrängnis gerät". 76,8 Prozent der Befragten glauben nicht daran, dass "aus finanzieller Sicht betrachtet" die "bestmögliche Versorgung Aller in Österreich" gesichert sei.

In die politischen Entscheidungsträger setzen die Österreicher kein allzu großes Vertrauen: Mit 53 Prozent glauben die Mehrheit der Befragten nicht, dass die Verantwortlichen "in erster Linie das Wohl der Bevölkerung als oberste Priorität" wahrnehmen. Ein Dorn im Auge ist den Österreichern laut Umfrage auch ein zu starkes Mitspracherecht der Länder: Der Großteil (91,1 Prozent) der Befragten sprach sich dagegen aus, dass "lokale oder regionale politische Machthaber das Tempo und die Richtung der dringend notwendigen Gesundheitsreform bestimmen". (APA)

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