Der Personenkult im Wiener Kultur-Biotop

13. Juni 2010 20:48

Autoritäres Gehabe wird nicht abgestraft

Weil Museumsdirektoren nicht gewählt werden, kann sich Originalität mit Kompetenz noch paaren. Autoritäres Gehabe wird nicht abgestraft. Peter Noever, Chef des Museums für angewandte Kunst (Mak), ist so jemand, ähnlich wie der Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder.

Die indirekten, aber deutlichen Vorwürfe, unter anderem in der "Presse", Noever habe die "Blumen für Kim Il-sung" nur deshalb nach Wien gebracht, weil er autoritäre Gestalten adoriere, sind nicht neu. Er hat ja aus seiner Hochschätzung für Kubas Fidel Castro nie ein Hehl gemacht. Nur verstärkt er im konkreten Fall der Nordkorea-Ausstellung diese Kritik: Wer den Saal im ersten Stock des Mak betritt, wird sofort von der Stimme Noevers erfasst. Man entkommt ihr nicht. Und glaubt, Noever auch dort zu sehen oder zu vermuten, wo er gar nicht ist.

Der wortgewaltige Kunstmanager hat nach einem "Profil"-Aufsatz des "arglosen" Sven Gächter, der dem Mak eine "nordkoreanische Weihestunde" vorwarf, die Möglichkeit zu einer ausführlichen Gegendarstellung erhalten.

Also las man Noevers trotz jahrelanger Wiederholung immer noch berechtigtes Plädoyer für die moderne Kunst und die nun ebenfalls bereits massenhaft vervielfältigte Verteidigung seiner Ausstellung - die man nur unterstützen kann.

Der Mak-Chef wirkt in seinen Attacken auf "die Politik" meist mutig, weil pauschal aggressiv. Nur scheinbar mutig ist deshalb auch die Kritik an den österreichischen Medien. Um sich nicht den Zorn von "Presse" oder "Profil" zuzuziehen, kritisiert er gleich alle Printmedien und lobt die des Auslands.

Dies ist eine unter Kultur-Promis in Österreich sehr beliebte Methode: die österreichischen Zeitungen pauschal als schlecht zu qualifizieren, das deutsche Feuilleton jedoch unkritisch zu hofieren.

Würde die Nordkorea-Ausstellung in München oder in Berlin stattfinden, hätte Noever mit mindestens ebenso hartem Widerstand, mit vielleicht massiveren Diskussionen zu rechnen als im insgesamt kleineren Wiener Kontext.

Denn der Personenkult ist kein akzeptabler Ritus entwickelter Demokratien.

Noever, dessen Vertrag von der Kunstministerin über das gängige Pensionsalter hinaus bis Ende 2011 verlängert wurde, hat zuvor noch deren Arbeitszimmer neu gestylt. In Berlin wäre so etwas undenkbar.

Das Wiener Biotop aber macht es möglich. Wie auch im Zuge der bereits monatelangen Verabschiedung Ioan Holenders, der nicht ohne Narzissmus zwischen Matineen und Lesungen pendelt.

Holender hat im privaten Fernsehen eine Sendung bekommen. Vielleicht installiert die Regierung Faymann jenen Kunstsender, den Noever in "Profil" gefordert hat. Oder er kriegt wenigstens eine Kunstsendung im ORF. Noever als eine Art Reich-Ranicki in Architektur und Kunst.

Tatsächlich wächst ja die Spannung rund ums Mak: Wen wird Claudia Schmied zum Nachfolger oder zur Nachfolgerin im Ferstel-Bau an der Ringstraße machen? In einem Jahr wird es so weit sein. Abgehen wird Noever auf jeden Fall. Niemand kann ihn kopieren. Aber auch nicht kapieren - wenn er weiter so agiert. Gerfried Sperl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2010)

 

Kommentar posten
21 Postings
Ahner von Bösem
 
14.06.2010 19:19
Wer würde den Hrdlicka mit einem aus Indien importierenden Steinmetz vergleichen?

Fred Wirtschaftsflüchtling
14.06.2010 15:22
"Hochschätzung für Kubas Fidel Castro" ist klar ein Verherrlichen eines Kriegsverbrechers

Also schnell zurücktreten Herr Museumsdirektor.

ichFrieder
14.06.2010 18:56

Lassen Sie mich bitte an Ihrem Wissen teil haben !
Wann hat Castro wo welche Kriegsverbrechen begangen ?

goldstandard
14.06.2010 11:16
Off-Topic

Unerträglich ist auch, dass im Bundesmuseum "MAK" gegen das österreichische Tabakgesetz verstoßen wird: Im Inneren des Eingangsbereichs sind Aschenbecher aufgestellt und es wird geraucht. Da die MAK-Leitung auf meine Mail nicht reagierte, habe ich das Bundesministerium eingeschaltet....

ichFrieder
14.06.2010 18:57

Sie wurden wahrscheinlich als Kind oft verpfiffen wenn Sie ihr Turnsackerl vergessen hatten, oder ?

Gschisti Bohawiczek
14.06.2010 11:38
auch Off-Topic: wären Sie ein Hund, könnten Sie allen RaucherInnen im MAK

Eingangsbereich, aber vielleicht auch am WC,
ABER SOFORT INS WADL BEISSN!!!
Wär das nicht schön?

TanteMitzi
14.06.2010 18:34

Wenn man die Gesetzeslage anspricht, er fühln sich halt die Raucher gleich ins Wadl bzw. ins Geselchte gebissen.

Wunderbare Welt
 
14.06.2010 17:42
das ist ein guter tipp.......

da mach ma eine performing action

goldstandard
14.06.2010 12:35
Außerdem

hat ein Hund ohne Beißkorb in diesen Bereichen auch nichts verloren....Das wäre ein Verstoß gegen das Wiener Tierhaltegesetz.

dölerich hirnfidler
14.06.2010 13:57

jetzt noch die höhe der geländer vermessen und die neigung des fenstersturzes .... und dann mal schauen, obs da nicht irgendwo einen dampfkessel im heizkeller gibt, der ohne einem für diesen zweck in der gewerbeordnung vorgesehenen bevollmächtigten betrieben wird .....

goldstandard
14.06.2010 12:33
Nein, das wäre nicht schön

Auf Ihr niveauloses und polemisches Posting kann ich außerdem gerne verzichten.

Irma la Douce
14.06.2010 10:14
>> "Profi"l << ist ein süßer Verschreiber ...

hc.leitich @derStandard.at
14.06.2010 12:31

merci. musste halt ein temporärer bleiben. ;-) & mfg

Medienkonsument
14.06.2010 10:03
Warum sollte die

Polit-Korruption in der Kulturszene um irgendwas geringer sein, als jene der Finanzbranche, mit dem Baugewerbe, oder dem Militär?

WFL1
14.06.2010 08:57
Pragmatisierte Kultur"revolutionäre"

Wiener Kultur- und Kunstschaffende sind eben auch nur Wiener: Und so wie jeder Hausmeister und Magistratssekretär ein pragmatisierter, unkündbarer Beamter sein will, so wollen das selbstverständlich auch unsere Wiener Kulturrevolutionäre. Anarchistentum mit Pensionsberechtigung, das ist das höchste Ziel.
Wie erreicht man das? Durch strammstes Angepasst-Sein an den Wiener SPÖ-Rotgrün-Biotop-Zeitgeist. Dann werden auch die Dienstverträge immer wieder verlängert. Insofern ist die Nordkoreaaustellung ein Danke-Schön des (abtretenden) Direktors für die vielen Dienstvertragsverlängerungen.

shaki1
14.06.2010 00:50
Was der Liesl ihr Wilfried, ist der Claudia ihr Peter...


Acht 1
 
14.06.2010 14:45
Recht

Sie und Kahlenberg treffen den Nagel auf den kopf. Schöne Zustände in eienr (selbsternannten ) Kulturmetropole

Vseckojedno von Jednovsek
14.06.2010 07:01
Stimmt

Aber trotzdem: den Unterschied zwischen Wilfried und Peter, sowie zwischen der Stricklisl und der Claudia will ich Klavier spielen können.

Tan S. Taafl
14.06.2010 10:27
na ja, sowohl die liesl und die claudia ...

... haben per parteibuch im schul- bzw. bankwesen karriere gemacht (wobei claudia auch die bankrisiken nicht wiklich beherrscht hat). Eine besondere Kulturaffinität haben beide nicht.

rorschach
14.06.2010 18:13
mag scho sein aber dem peter habens nicht a salzfassl aus dem museum gemobst und er

hat dann auch nicht noch zig tausend euros irgendwelchen gaunern bezahlt die beghauptet haben zu wissen wos ist ..

Max Kahlenberg
13.06.2010 23:19
Brillianter Kommentar !

Diesen, den hiesigen, Zuständen gibt es wirklich nicht mehr sehr viel beizufügen.

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