Berlin: Polen soll Mossad-Mann ausliefern

13. Juni 2010, 19:59
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In Warschau verhafteter Agent soll Anschlag auf Hamas-Funktionär geplant haben

Jerusalem/Warschau/Berlin - Während die Arabischen Liga am Wochenende einmal mehr das Ende der Abriegelung des Gazastreifens forderte und Israels Premier Benjamin Netanjahu ankündigte, den blutigen israelischen Militäreinsatz gegen die Gaza-"Solidaritätsflotte" durch eine mit den USA akkordierte interne Untersuchungskommission klären zu lassen, schien Jerusalem am Sonntag diplomatisch erneut in schweres Fahrwasser zu geraten.

Ein Sprecher der deutsche Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte am Samstag die Festnahme des mutmaßlichen Mossad-Agenten Uri Brodski. Laut Spiegel steht er im Verdacht, von Deutschland aus Vorbereitungen für ein Attentat auf den Hamas-Führer Mahmud al-Mabhuh in Dubai im Jänner getroffen zu haben. Insgesamt sollen an der Tat mehr als 20 Agenten des Mossad beteiligt gewesen sein, die ausländische Pässe benutzten. Es ist das erste Mal, dass einer der international gesuchten Verdächtigen festgenommen wurde. Berlin hat einen Auslieferungsantrag gestellt.

Pass für Dubai-Attentat

Gegen "Uri Brodsky" wird in Deutschland offiziell nicht wegen einer Beteiligung an dem Attentat ermittelt, sondern wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit. Er soll im Frühjahr 2009 einem anderen mutmaßlichen Mossad-Agenten geholfen haben, beim Einwohnermeldeamt Köln einen deutschen Reisepass zu beantragen. Mit dem auf den Namen Michael Bodenheimer ausgestellten Pass war einer der mutmaßlichen Mörder in Dubai kurz vor dem Anschlag ein- und kurz danach wieder ausgereist.

Die polnischen Behörden müssten nun entscheiden, ob sie dem deutschen Auslieferungsersuchen nachkommen. Ein Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums erklärte zu dem Fall lediglich, es sei ein Staatsbürger Israels in Polen festgenommen worden und werde dort konsularisch betreut. Von polnischen Behörden war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Israel erwartete dennoch keine Krise in den Beziehungen zu Deutschland. Der israelische Tourismusminister Stas Miseschnikow sagte nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite "ynet" am Sonntag: "Es muss erst einmal bewiesen werden, was diesem israelischen Staatsbürger vorgeworfen wird." Israel müsse in der Angelegenheit auch die "große Freundschaft mit Polen" nutzen. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2010)

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    Mahmud al-Mabhuh wurde in Dubai ermordet. Hinter dem Mord soll der Mossad stecken.

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