Mixa enttäuscht von Kirchenverantwortlichen

13. Juni 2010, 19:46
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Der Bischof äußerte sich zu Missbrauchsvorwurf

Berlin - Der zurückgetretene Augsburger Bischof Walter Mixa hat sich erstmals zu dem Anfang Mai vorgebrachten Missbrauchsverdacht gegen seine Person geäußert. "Hätte man mit dem jungen Mann gesprochen, hätte sich sofort herausgestellt, dass es kein Opfer gibt, und man hätte sich eine Anzeige ersparen können", sagte Mixa in der aktuellen Ausgabe der Welt am Sonntag. Die Ingolstädter Staatsanwaltschaft hatte Mitte Mai nach wenigen Tagen die aufgrund einer kirchlichen Anzeige aufgenommenen Ermittlungen mangels Tatverdacht eingestellt.

Zugleich äußerte sich Mixa wörtlich "enttäuscht über das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche für diese Affäre". Welt am Sonntag berichtete unter Berufung auf Ermittlungsergebnisse, dass die falsche Anschuldigung gegen Mixa lediglich auf einer acht Sätze langen Notiz des Bistums Augsburg beruhe, die außer Mutmaßungen keinen Hinweis auf eine Straftat enthalte.

In der Notiz wird von einem 16 Jahre alten Ministranten berichtet, den Mixa in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt (1996 bis 2005) mehrfach abends zu sich eingeladen haben soll. Erwähnt werden Probleme des Jugendlichen in der Schule und während des Studiums, die, so legt der Vermerk nahe, auf den Kontakt mit Mixa zurückzuführen seien. Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger habe dieses Papier am 3. Mai persönlich dem Münchner Generalstaatsanwalt übergeben.

Anschuldigungen für Anwalt "Unsinn"

Mixas Anwalt Gerhard Decker bezeichnete die Anzeige im Gespräch mit der der Zeitung als "Ansammlung von Banalitäten", die jeder "als Unsinn erkenne". Einen Missbrauchsverdacht habe man daraus nicht begründen können. Losinger verteidigte dagegen sein Vorgehen, das "die volle Unterstützung der Bayerischen und der Deutschen Bischofskonferenz" habe. Das Bistum Augsburg sei verpflichtet gewesen, die Vorwürfe im Sinne einer neutralen Aufklärung der Staatsanwaltschaft zu übergeben.

Mixa hatte am 21. April dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Dieses Gesuch nahm Benedikt XVI. am 8. Mai an. Auslöser für den Rücktritt waren zunächst Vorwürfe bezüglich einer gewaltsamen Bestrafung von Kindern und Zweckentfremdung von Geld einer Waisenhausstiftung. Welche Rolle der später erhobene, offenbar aber haltlose Vorwurf des sexuellen Missbrauchs bei der Annahme des Rücktritts spielte, ist bisher nicht geklärt. (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 14. Juni 2010)

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